Zum 1. Februar

Ich ermahne Euch, liebe Brüder, dass ihr eure Leiber zum Opfer begebet
. Römer 12:1

Mit diesen Worten hat Paulus den falschen Vorwand aller Weltmenschen vollständig entkräftet, dass sie Gott lieben und fürchten, obwohl sich dies nie in ihrem Lebenswandel zeigt, weil sie mit dem Leibe in ihrem ganzen Wesen der Sünde dienen. Mit diesen Worten vor Augen kann man antworten: „Dass du an Gott glaubst, Ihn fürchtest und liebst, kann ich nicht wissen, wenn du es nicht dadurch zeigst, dass du deinen Leib und seine Glieder dem Herrn auch zum Dienst ergibst." Alle Menschen halten sich selbst für gut oder erklären, dass sie Gott fürchten und lieben, während sie doch weithin frei und ungezügelt der Sünde und den Götzen dienen. Da sagt der Apostel: „Nein, das heißt nicht dem Herrn dienen. Ihr sollt Ihm eure Leiber zum Opfer begeben und Ihm mit euren Gliedern dienen. Durch diese sichtbaren Opfer wird sich eure Liebe zu Ihm beweisen."

Lasst uns jetzt etwas tiefer betrachten, wie dieses zugeht, dass wir unsere Leiber Gott dem Herrn opfern. Gewiss haben viele Christen auch in buchstäblicher Bedeutung des Wortes ihre Leiber zum Opfer gegeben, indem sie als Märtyrer um Christi willen ihre Leiber verbrennen oder sie in anderer Weise martern und töten ließen. Aber selbst, wenn es sich nicht darum handelt, begeben wir doch unsere Leiber zum Opfer, wenn wir teils mit unseren Gliedern und Kräften dem Herrn dienen, teils auch um Seinetwillen unser Fleisch mit seinen Lüsten und Begierden kreuzigen. Du opferst also zuerst Gott deinen Leib, wenn du deine Glieder in Seinen Dienst stellst; wenn du mit deiner Zunge das redest, was zu Seiner Ehre und zum Nutzen deines Nächsten dient; wenn du Seinen Namen bekennst, Seine Erkenntnis anpreisest und ausbreitest oder aber redest, was gut und wahr ist; desgleichen, wenn du deine Augen und Ohren dazu verwendest, das zu empfangen und zu gewinnen, wodurch du die Ehre Gottes und das Wohl deines Nächsten fördern kannst, und dafür deine Augen und Ohren von eitlen und unnützen Dingen fernhältst; wenn deine Hände das tun, was gut und recht ist, teils in treuer Verrichtung deines Berufs, teils in Liebeswerken für deinen Nächsten; wenn deine Füße ebenfalls gern in den Angelegenheiten des Herrn und der Liebe gehen. Kurz: Wer um des Herrn willen und von Seiner Barmherzigkeit bewogen gern das tut und leidet, was sein Beruf und die Liebe fordern, der heiligt seinen Leib dem Herrn. Dazu gehört dann aber ein beständiges Kreuzigen des Fleisches. Denn, wenn du dem Herrn dienen willst, darfst du nicht deiner eigenen Bequemlichkeit, deiner eigenen Ehre, deinen eigenen Lüsten folgen, sondern du musst dieselben unausgesetzt töten. Wenn du siehst, wie du die Freundschaft, die Achtung und den Ruhm der Welt gewinnen oder behalten könntest, wenn du aber um Christi willen allem entsagst und dir dagegen durch deinen Eifer um Seine Sache Verachtung und Schmach zuziehst; oder wenn du im täglichen Leben den Versuchungen zur Sünde widerstehst und sie tötest, sei es, dass du zur Ungeduld und zum Zorn, oder zum Eigennutz und zur Unredlichkeit, oder zum Hochmut und zur Eitelkeit, oder zum Neid und zur Verleumdung und ähnlichen Sünden versucht wirst - sieh, wenn du diese Sünden nicht im Werk und in der Tat ausbrechen lässt, sondern mit anhaltendem Gebet und unausgesetzter Wachsamkeit dieselben tötest, dann bietest du deinen Leib zu einem Opfer dar. Zu einem solchen Opfern ermahnt uns hier der Apostel durch die Barmherzigkeit Gottes.

Gilt es also, unseren eigenen mächtigsten Begierden zu widerstehen, dann werden wir erfahren, dass hier wirklich ein fühlbares Opfern stattfindet, weil der Opferpriester sich selber zum Opfer geben soll, wie der Herr Christus auch tat. Hierüber bemerkt Luther sehr richtig: „Der Titel des Priestertums ist herrlich und bald genennet und gerühmt von jedermann; aber das Opfern ist seltsam, da graut jedermann vor. Denn es gilt Leben, Gut, Ehre und Freunde und alles, was die Welt hat, gleichwie es Christus gegolten hat am heiligen Kreuze. Da will niemand hinan, dass er Tod für Leben, Pein für Lust, Schaden für Gut, Schande für Ehre, Feinde für Freunde wählen soll. Denn so hat Christus getan am Kreuze uns zum Exempel. Und man soll dennoch solches alles tun, nicht für sich selbst noch zu seinem Nutzen, sondern seinem Nächsten zu Dienst und Gott zu Lob und Ehren, wie Christus Seinen Leib geopfert hat."

Wollen wir nun nicht ermüden und uns von solchen Opfern zurückziehen, sondern stets geduldig und willig damit fort­fahren, dann ist es gewiss erforderlich, dass wir einige kräftige Beweggründe und zudem noch eine übernatürliche Kraft und Hilfe haben; dann ist es erforderlich, mit Ernst und Fleiß zu beten. Was nun die Beweggründe betrifft, so ist gewiss der größte und beständigste die ewige Barmherzigkeit Gottes. Ihre Annahme soll unsere Lust und Kraft zu solchem Opfern unterhalten. Dann musst du aber auch fleißig das betrachten, was Gott für uns getan hat: Als wir noch seine Feinde waren, gab Er Seinen eigenen Sohn für uns dahin, auf dass „gleichwie wir durch eines Ungehorsam Sünder geworden sind, wir auch durch Eines Gehorsam gerecht würden". Gott hat uns ein solches Gnadenreich durch den Sohn bereitet, dass denen, die an Ihn glauben, die Sünden nicht zugerechnet werden sollen. Er will uns nach diesem kurzen, elenden Erdenleben in Seinen Himmel aufnehmen und uns jene vollkommene, mit Seiner Liebe und Allmacht übereinstimmende Seligkeit schenken. Glaubst du dieses alles von Herzen, dann kannst du willig ein Märtyrer werden, dann wirst du beständig belebt und ermuntert werden, aufs neue Lust und Mut zum fortgesetzten Opfern zu fassen.
Römer 12:1
 
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