Die Entrückung (vor der großen Trübsal oder nicht?)

Die Lehre der Entrückung vor der Trübsal (Vorentrückungslehre)

Bevor nun anhand zentraler Stellen der Bibel das Thema der Entrückung eingehend betrachtet werden soll, möchte ich aber vorab die Argumentation der Vertreter der Vorentrückung eingehender betrachten. Da ich dieser Vorentrückungslehre sehr kritisch gegenüber stehe, jedoch die Mehrheit der Christen diese Auffassung vertritt, reicht es nicht, dass ich nur die Beweisführung für die Vorentrückung führe. Vielmehr geht es mir auch darum, aufzuzeigen, wo die Schwachstellen der Vorentrückungslehre bezogen auf die oben genannten Punkte liegen.

Es gibt viele Bücher zum Thema der Entrückung und die darin enthaltenen Argumentationen gleichen sich relativ stark. Als Beispiel für eine Beweisführung für eine Entrückung vor der großen Trübsal (der letzten 7 Jahre) möchte ich daher ein Buch von Norbert Lieth anführen: „Die Entrückung“ (Verlag Mitternachtsruf Sep. 1999 1. Auflage). Hr. Lieth hat als Herausgeber des Buches, „Wenn die Posaune schallt“, ein sehr umfassendes Buch zur Diskussion der Vorentrückung aus dem Amerikanischen veröffentlicht und ist daher für Deutschland ein sehr repräsentativer Vertreter.

Auf den Seiten 1- 92 seines Buches führt er sehr gut und umfassend das Wesen der  Entrückung aus. Es werden alle wesentlichen Stellen hierzu betrachtet und erörtert. Über das Wesen und die Art der Entrückung gibt es bei allen Richtungen kaum Unterschiede. Darüber herrscht weitgehende Übereinstimmung, wesentlicher ist daher der nachfolgende Abschnitt ab S. 93 über den Zeitpunkt der Entrückung.
Der entscheidende Abschnitt ist mit dem Bibeltext aus 2. Thesalonicher 2:1-8 eingeleitet. Daran anknüpfend erläutert Hr. Lieth den Unterschied zwischen dem Tag des Herrn und den Tag Christi. Er führt aus, dass der Tag Christi der Tag der Entrückung sei und nur für die Gemeinde bestimmt, der Tag des Herrn ein Tag des Gerichts und daher für die Welt bestimmt. Er führt hierzu unter anderem folgende Stellen an:

".. also daß ihr keinen Mangel habt an irgend einer Gabe und wartet nur auf die Offenbarung unsers HERRN Jesu Christi"

".. welcher auch wird euch fest erhalten bis ans Ende, daß ihr unsträflich seid auf den Tag unsers HERRN Jesu Christi."

".. und bin desselben in guter Zuversicht, daß, der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird's auch vollführen bis an den Tag Jesu Christi."

"Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christo in Gott."

"Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in der Herrlichkeit."

".. daß du haltest das Gebot ohne Flecken, untadelig, bis auf die Erscheinung unsers HERRN Jesu Christi"

"..sondern freuet euch, daß ihr mit Christo leidet, auf daß ihr auch zur Zeit der Offenbarung seiner Herrlichkeit Freude und Wonne haben möget."
1. Korinther 1:7


1. Korinther 1:9


Philipper 1:6


Kolosser 3:3

Kolosser 3:4


1. Timotheus 6:14


1. Petrus 4:13
Er folgert daraus:

„Der Tag Christi wurde erst im neuen Testament offenbart und gilt ausschließlich der Gemeinde Jesu.“ „Der Tag des Herrn ist, im Gegensatz zum ´Tag Christi´, keine neutestamentliche Neuoffenbarung. Er war bereits im Alten Testament bekannt und hat mit dem gerechten Gericht Gottes zu tun, das eine Welt des Unglaubens und der Auflehnung gegen Ihn treffen wird.“ N. Lieth trennt den Tag Christi als neutestamentlich und gemeindlich von dem Tag des Herrn ab, welcher vornehmlich für Israel und dem Gericht über die Ungläubigen gilt.

Zuletzt definiert er noch einen Tag Gottes, als den Tag, an dem Gott entgültig über allem triumphiert, alles Böse, unreine und Aufständische besiegt hat.

Da die Entrückung am Tag Christi stattfindet, Gerichte am Tag des Herrn, die Gemeinde nicht aber in die Zorngerichte Gottes (1. Thess. 5,9) kommt, wird also der Schluss gezogen, dass die Entrückung und der Tag Christi vor der Trübsalzeit stattfinden werden.
Fortfahrend wird nun 2. Thessalonicher 2:1 genauer betrachtet:

                           "Aber der Zukunft halben unsers HERRN Jesu Christi und unsrer Versammlung zu ihm bitten wir euch, liebe Brüder, .. "

Durch den Vergleich verschiedener Übersetzungen zeigt er klar auf, dass hier mit der Versammlung die Entrückung aus dem                                     1. Thessaloniker Brief gemeint ist. Er führt nun aus, dass dieser Vers 1 ein Trostwort ist. Der Abschnitt aus 1. Thessalonicher 4. ist bereits mit diesem Trostwort überschrieben auch weist der Apostel ausdrücklich darauf hin, dass diese Hoffnung auf die Entrückung die Gemeinde trösten soll. Hr. Lieth ergänzt den Trost aber noch dadurch, indem er ausführt:

„... dass der Trost der Gemeinde darin besteht, dass die Entrückung die Kinder Gottes vor dem Tag des Zorns Gottes (dem Tag des Herrn) befreit“

Dieses Zorngericht Gottes beginnt in der Trübsal, den letzten 7 Jahren dieses Zeitalters. Die Gemeinde soll aber nicht in dieses Gericht geraten. Daher muss die Entrückung vor der Trübsal stattfinden und so die Gemeinde vor dem Zorn bewahren. Er führt zur Erhärtung dieser Meinung den Bibellehrer W. McDonald an, der als Zorn Gottes einerseits das Strafgericht über den Sünder definiert, aus dem uns Jesus  am Kreuz befreit, als auch das Strafgericht über die Welt in der Endzeit. Es wird dann zitiert:





1. Thessalonicher 5:2

1. Thessalonicher 5:4

1. Thessalonicher 5:5


1. Thessalonicher 5:9
" .. denn ihr selbst wisset gewiß, daß der Tag des HERRN wird kommen wie ein Dieb in der Nacht."

"Ihr aber, liebe Brüder, seid nicht in der Finsternis, daß euch der Tag wie ein Dieb ergreife."

"Ihr seid allzumal Kinder des Lichtes und Kinder des Tages; wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis."

"Denn Gott hat uns nicht gesetzt zum Zorn, sondern die Seligkeit zu besitzen durch unsern HERRN Jesus Christus"

Daraus wird gefolgert, dass jedes Mal wenn von Entrückung die Rede ist, wir in den Trost der Errettung vor dem Zornesgerichten hineingenommen sind. Die Zornesgerichte beziehen sich hier auf die Gerichte in der Offenbarung. Die Gemeinde hat den sicheren Trost, vor diesen Gerichten durch die Entrückung bewahrt zu sein.
In Blick auf 2. Thess. 2,1ff folgert Hr. Lieth aber nun, dass dieser Trost der Gemeinde von Thessalonik aber genommen wurde. Die Gemeinde wurde verstört. Lieth überschreibt diesen Abschnitt mit „Die Diebe des Trostes“
Die Diebe des Trostes waren für ihn Menschen, die behaupteten, dass die Entrückung bereits geschehen sei bzw. geschehe. Dies muss durch gefälschte Briefe, Botschaften usw. den Thessalonikern übermittelt worden sein und diese verwirrten die Gemeinde massiv. Er nimmt nun an, dass, wenn Paulus eine Entrückung zum Ende der Trübsalszeit gelehrt hätte, wären diese Thessaloniker angesichts der Irrlehren, der Verfolgung schwerlich in diese Nöte geraten. Sie hätten ja diese Dinge als zur Entrückung gehörige Vorausereignisse akzeptiert und erwartet. Er nimmt daher an, dass Paulus eine Entrückung vor der Trübsalszeit lehrte. Die Angst der Gemeinde interpretiert er als Angst vor dem Zorn Gottes. „Paulus sagt deutlich, dass der Tag des Herrn nur die betrifft, die ´die Liebe zur Wahrheit zu ihrer Errettung nicht angenommen haben´, die nicht an ihn geglaubt und daher verloren gehen“.  Diese Angst der Gemeinde zu nehmen, ist daher Kern der Botschaft des Paulus im 2. Thess.-Brief. Er stellt einen Unterschied zwischen 2. Thessalonicher 2:1-12 und 13-17 fest.
"Darum wird ihnen Gott kräftige Irrtümer senden, daß sie glauben der Lüge,"

"auf daß gerichtet werden alle, die der Wahrheit nicht glauben, sondern haben Lust an der Ungerechtigkeit."

"Wir aber sollen Gott danken allezeit um euch, von dem HERRN geliebte Brüder, daß euch Gott erwählt hat von Anfang zur Seligkeit, in der Heiligung des Geistes und im Glauben der Wahrheit,"

"darein er euch berufen hat durch unser Evangelium zum herrlichen Eigentum unsers HERRN Jesu Christi."

"Er aber, unser HERR Jesus Christus, und Gott, unser Vater, der uns hat geliebt und uns gegeben einen ewigen Trost und eine gute Hoffnung durch Gnade,"

2. Thessalonicher 2:11

2. Thessalonicher 2:12

       
2. Thessalonicher 2:13


2. Thessalonicher 2:14


2. Thessalonicher 2:16


In ersten Abschnitt  wird von „Ihnen“ geredet, welche der Lüge glauben und ins Gericht kommen. Zu dieser Gruppe gehört die Gemeinde nicht. Diese wird mit „wir“ angesprochen, ist erwählt, berufen, getröstet und daher auch errettet. Er folgert daraus, dass daher die Gemeinde nicht in dieses Gericht ab  Vers 11 kommt.

Zuletzt fügt er noch eine Überlegung gegen eine Entrückung nach der Trübsal ein: Wenn die Gemeinde erst nach Abschluss der Trübsalzeit entrückt würde, könnte die Gemeinde ja ungefähr das Datum abschätzen. Die Nachtrübsal-Entrückung der Gemeinde würden den Glauben an eine jederzeit mögliche Entrückung nehmen, die Endzeiterwartung der Gemeinde nehmen. Dies wäre im Widerspruch zum Aufruf, jederzeit wachsam zu sein, da der Tag wie ein Dieb in der Nacht kommen kann. (1. Korinther 1:7,8; 1. Thessalonicher 1:10; Jakobus 5:7,8;
1. Petrus 4:7; 5:1)
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