Die Entrückung (vor der großen Trübsal oder nicht?)

Kritikpunkte gegen die Entrückung zum Ende der Trübsal

Ein Vertreter der Vorentrückungslehre, der in bereits zitierten Buch „Wenn die Posaune schallt“ etliche Kapitel verfasst hat, ist John S. Feinberg. Er hat in seinem Aufsatz (Kapitel 9 ab Seite 203 deutsche Ausgabe) über die Methodik vier Punkte aufgelistet, an denen die Richtigkeit einer Bibelauslegung zum Thema Endzeit geprüft werden kann und soll:
Die Punkte 3. und 4. sind bereits zuvor behandelt. Wie es im 1. Korinther 15:51 heißt, werden wir in verwandelt und sind dann Ewigkeitswesen mit voller Leiblichkeit gleich wie Jesus Christus. Damit verlassen wir Zeit und Raum unserer Welt. Gleich Zeitreisenden läuft unsere Uhr anders ab. Dies kann daher die Punkte 3. und 4. ausreichend erklären, ohne dass für die Entrückung und sichtbare Wiederkunft Jesu zwei zeitlich getrennte Ereignisse notwendig sind.
Die Gemeinde kommt nicht in den Zorn, in das Zorngericht Gottes. Wie kann bei einer Entrückung zum Ende der Trübsalzeit dies geschehen?

Welche Menschen werden im 1000-jährigem Reich leben?

Wie können Entrückung, Hochzeit und Abendmahl der Gemeinde mit Jesus mit einer sichtbaren Wiederkehr Jesu in einem Ereignis vereint werden oder sind dies getrennte Ereignisse?

Wann findet das Preisgericht statt?
1.


2.

3.


4.
Die Gemeinde kommt nicht in den Zorn, in das Zorngericht Gottes. Wie kann bei einer Entrückung zum Ende der Trübsalzeit dies geschehen?

Der Punkt 1. hingegen ist komplexer zu betrachten. Zum ersten muss die Stelle aus 1. Thessalonicher 5:9 nicht unbedingt als Bewahrung vor dem Zornesgericht Gottes in der Offenbarung ausgelegt werden. Sollte diese Parallele gesetzt werden, ist eingehender die Offenbarung zu studieren. Dies ist sehr umfassend und sprengt daher den vorhandenen Raum in diesem Aufsatz. Daher nur die wesentlichen Eckpunkte:

Das Reich des Antichristen ist der Bereich, in dem die Zornesschalen Gottes ausgegossen werden:
zu 1.)
Offenbarung 16:2


Offenbarung 16:3


Offenbarung 16:4


Offenbarung 16:5


Offenbarung 16:6


Offenbarung 16:7


Offenbarung 16:8


Offenbarung 16:9


Offenbarung 16:10


Offenbarung 16:11
"Und der erste ging hin und goß seine Schale auf die Erde; und es ward eine böse und arge Drüse an den Menschen, die das Malzeichen des Tiers hatten und die sein Bild anbeteten."

"Und der andere Engel goß aus seine Schale ins Meer; und es ward Blut wie eines Toten, und alle lebendigen Seelen starben in dem Meer."

"Und der dritte Engel goß aus seine Schale in die Wasserströme und in die Wasserbrunnen; und es ward Blut."

"Und ich hörte den Engel der Wasser sagen: HERR, du bist gerecht, der da ist und der da war, und heilig, daß du solches geurteilt hast,"

"denn sie haben das Blut der Heiligen und Propheten vergossen, und Blut hast du ihnen zu trinken gegeben; denn sie sind's wert."

"Und ich hörte einen anderen Engel aus dem Altar sagen: Ja, HERR, allmächtiger Gott, deine Gerichte sind wahrhaftig und gerecht."

"Und der vierte Engel goß aus seine Schale in die Sonne, und ihm ward gegeben, den Menschen heiß zu machen mit Feuer."

"Und den Menschen ward heiß von großer Hitze, und sie lästerten den Namen Gottes, der Macht hat über diese Plagen, und taten nicht Buße, ihm die Ehre zu geben."

"Und der fünfte Engel goß aus seine Schale auf den Stuhl des Tiers; und sein Reich ward verfinstert, und sie zerbissen ihre Zungen vor Schmerzen"

"und lästerten Gott im Himmel vor ihren Schmerzen und vor ihren Drüsen und taten nicht Buße für ihre Werke."
Die Verse 2 und 10 geben als Wirkungsbereich der Schalen das Reich des Antichristen an. Auch die Warnung aus Offenbarung 18,4, die Hure Babylon zu verlassen, um nicht in deren Gericht zu kommen weist darauf hin, dass die Zornesgerichte Gottes nur einen begrenzten Bereich treffen werden.

Das Reich des Antichristen wird in Europa liegen, da es als Nachfolger des römischen Reiches und deren neuzeitlicher Ableger (Reich Karl des Großen, Napoleon und Hitler) immer in den selben Grenzen blieb.
Im Reich des Antichristen werden die Heiligen nicht bestehen können:
"Und ward ihm gegeben, zu streiten mit den Heiligen und sie zu überwinden; und ward ihm gegeben Macht über alle Geschlechter und Sprachen und Heiden."

"Und der Drache ward zornig über das Weib und ging hin zu streiten mit den übrigen von ihrem Samen, die da Gottes Gebote halten und haben das Zeugnis Jesu Christi."

"Und ich hörte eine andere Stimme vom Himmel, die sprach: Gehet aus von ihr, mein Volk, dass ihr nicht teilhaftig werdet ihrer Sünden, auf daß ihr nicht empfanget etwas von ihren Plagen!"
Offenbarung 13:7


Offenbarung 12:17


Offenbarung 18:4
Das Tier, der Antichrist wird die Heiligen überwinden. Da im Reich des Antichristen über das Mahlzeichen jeder nur mit Annahme dieses Zeichens kaufen oder verkaufen kann, wird es für Menschen, die dieses Zeichen verweigern, keine Existenzgrundlage mehr geben. Folglich werden entweder die Christen diesen Machtbereich verlassen haben, flüchten oder gefangen oder getötet sein.

Wenn man Offenbarung12 genauer betrachtet, stellt man weiteres fest:
"Und da der Drache sah, daß er verworfen war auf die Erde, verfolgte er das Weib, die das Knäblein geboren hatte."

"Und es wurden dem Weibe zwei Flügel gegeben wie eines Adlers, daß sie in die Wüste flöge an ihren Ort, da sie ernährt würde eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit vor dem Angesicht der Schlange."

"Und die Schlange schoß nach dem Weibe aus ihrem Munde ein Wasser wie einen Strom, daß er sie ersäufte."

"Aber die Erde half dem Weibe und tat ihren Mund auf und verschlang den Strom, den der Drache aus seinem Munde schoß."

"Und der Drache ward zornig über das Weib und ging hin zu streiten mit den übrigen von ihrem Samen, die da Gottes Gebote halten und haben das Zeugnis Jesu Christi."
Offenbarung 12:13


Offenbarung 12:14



Offenbarung 12:15


Offenbarung 12:16


Offenbarung 12:17
Wie wir oben gesehen haben, ist das Weib die Gemeinde Jesu. Die Gemeinde Jesu wird vom Satan verfolgt und fliegt in die Wüste. Dort wird sie von Gott bewahrt und ernährt. Der Drache kann dort die Gemeinde nicht erreichen. Die Dauer dieser Flucht ist identisch mit der Regierungszeit des Antichristen.

Demnach wird die Gemeinde Jesu in dieser Zeit des Zorngerichts Gottes in dieser Welt einen Bergungsort haben, in dem sie versorgt und bewahrt sein wird.

Daher kann aus dem Ansatz -die Gemeinde kann nicht unter das Zorngericht Gottes geraten- nicht ein Argument gegen eine Entrückung zum Ende der Trübsalzeit konstruiert werden. Wie obiger kurzer Abriss zeigt, harmoniert das Geschehen in der Offenbarung sehr gut mit einer Entrückung der Gemeinde zum Ende.
Welche Menschen werden im 1000-jährigem Reich leben?

Der von Feinberg genannte Punkt 2 hat an sich nichts mit der Entrückung zu tun. Vielmehr beruht er auf meines Erachtens falschen Vorstellungen über das Szenario der Endzeit. In Jesaja werden Menschen genannt, die mit 100 noch Jünglinge sind, Raubtiere liegen neben Schafen und essen Gras. Dies wird das Szenario des 1000-jährigen Reiches sein.

Wer erlebt nun dieses Reich?

Da sind zum einen jene Israeliten, welche sich bei der sichtbaren Wiederkunft Jesu bekehren und das Gericht über Israel (vgl. Sacharja 12 folgende) überstehen. Im übrigen werden 2/3 des Volkes in dieser Zeit umkommen. Die Israeliten, die bei der sichtbaren Wiederkunft Jesu noch leben und sich bekehren, sind nicht Gläubige des neuen Testaments, da hier nur jene hineinkommen, welche durch Glauben, nicht durch Schauen bekehrt wurden. Mit der Entrückung, welche vorher stattfindet, wird zudem die Gemeinde vollendet, erst danach erfolgt die Bekehrung des Volkes Israel. Daher werden diese im 1000-jährigen Reich leben.

Im weitern werden viele Heiden die Wirren und Kriege der Endzeit überleben. Da das Reich des Antichristen nicht weltweit gilt (in Daniel werden 3 Könige genannt, ebenso in der Offenbarung 19 3 Frösche, welche die Könige zum Kampf sammeln) werden viele Länder und Regionen mit Menschen überleben können.
Demnach wird eine große Zahl Menschen in dieses 1000-jährige Reich eingehen.
Dieses Thema soll aber an anderer Stelle umfassender und besser erklärt behandelt werden.

Ein weiterer Kritikpunkt gegen eine Entrückung nach der Trübsal ist für viele die Endzeiterwartung. Hr. Lieth hat in seinem Buch jene, die eine Entrückung nach der Trübsal verkünden als „Diebe des Trostes“ bezeichnet.

Das Problem liegt darin, dass die Vertreter einer Entrückung vor der Trübsal diese Entrückung als völlig überraschend und ohne Vorankündigung ansehen. Dies, so ihre Meinung, entspräche der Einstellung der Urgemeinde, jederzeit auf die Wiederkunft des Herrn Jesu bereit zu sein. Wenn nun aber der Entrückung zwingende Vorausereignisse zugeordnet werden, ist die Entrückung abschätzbar, d.h. es kann ohne diese Vorausereignisse keine Entrückung erwartet werden. Dies würde die Entzeiterwartung deutlich mindern und kann daher nicht zutreffen.

Ich persönlich halte diese Meinung für nicht logisch durchdacht. Zum einen hat Jesus in seinen Endzeitreden verkündigt:
zu 2.)
"Jesus antwortete ihnen und fing an, zu sagen: Sehet zu das euch nicht jemand verführe!"


"Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: "Ich bin Christus!" und werden viele verführen."

"Wenn ihr aber hören werdet von Kriegen und Kriegsgeschrei, so fürchtet euch nicht. Denn es muß also geschehen; aber das Ende ist noch nicht da."

"Es wird sich ein Volk wider das andere empören und ein Königreich wider das andere, und werden Erdbeben geschehen hin und wieder, und wird teure Zeit und Schrecken sein. Das ist der Not Anfang."

"Ihr aber, sehet euch vor! Denn sie werden euch überantworten vor die Rathäuser und Schulen; und ihr müßt gestäupt werden, und vor Fürsten und Könige geführt werden um meinetwillen, zu einem Zeugnis über sie."

"Und das Evangelium muß zuvor verkündigt werden unter alle Völker."
Markus 13:5


Markus 13:6


Markus 13:7


Markus 13:8



Markus 13:9



Markus 13:10
Das Evangelium kann nur von der Gemeinde verkündigt werden. Daher kann die Gemeinde erst ihren Dienst beenden und in die Entrückung kommen, wenn Vers10 erfüllt ist: es muss das Evangelium unter allen Völkern verkündigt werden. Somit kann die Gemeinde die Entrückung erst dann erwarten, wenn tatsächlich das Evangelium den letzten Winkel der Erde, jedes Volk erreicht hat. Dies geschieht erst in unseren Tagen, die vorherigen fast 2000 Jahre war dies nicht erfüllt. Daher konnte die Gemeinde die Entrückung nicht erwarten.

Es wird bei der oben angeführten Meinung nicht differenziert zwischen dem Weg der Gemeinde insgesamt und dem einzelnen. Die Gemeinde wird zu einem bestimmten Zeitpunkt entrückt. Wann dieser stattfinden wird und was vorher geschieht ist hier umfassend behandelt. Jedoch kann jeder Christ vorher durch Unfall, Krankheit, Alter, Gewalt und Verfolgung sterben, also diese Entrückung nicht lebend erreichen. Doch warum soll er dann nicht getröstet sein? Warum soll er dann weniger Trost haben als die noch Lebenden? Gerade diesen Unterschied zu beseitigen war doch die Absicht von Paulus, als er verkündet, dass es keinen Unterschied in der Entrückung von Lebenden und Toten geben wird. Jeder hat Teil an der Auferstehung.

Der andere Gedanke der in dem „Dieb des Trostes“ anklingt, ist als ob die Gemeinde durch die Verfolgung verängstigt wurde, da sie sich in der Trübsal nach der Entrückung wähnte (siehe S. 104 ff „Die Entrückung“). Paulus hat an keiner Stelle verkündet, dass die Gemeinde an Verfolgung und Leid vorbei käme. Vielmehr nahm er dies als Normalzustand der Gemeinde und des einzelnen Christen an. Man beachte hierzu auch Heb. 12. Der Trost der Aufklärung über die Entrückung liegt nicht in der Bewahrung vor dem Leid und der Trübsal, sondern darin, dass die Lebenden den Toten nicht zuvorkommen:
"Denn das sagen wir euch als ein Wort des HERRN, daß wir, die wir leben und übrig bleiben auf die Zukunft des HERRN, werden denen nicht zuvorkommen, die da schlafen."
1. Thessalonicher 4:15
Jene, welche vor der Entrückung gläubig verstarben, haben ohne unterschied und Nachteil an der Entrückung teil. Dies  ist der Trost, das Trostwort aus 1. Thessalonicher 4. Darüber hinaus liegt wie bereits angeführt der Trost darin, dass wir in Jesus Christus für alle Zeit und Ewigkeit errettet sind, vor dem Zorn Gottes über die Sünde und die unbußfertigen Sünder bewahrt sind.

Bei der ganzen Diskussion über Umstände und Art der Entrückung und Endzeit insgesamt muss aber beachtet werden, dass diese Endzeit global gilt, jeder Mensch aber seine eigene „Endzeit“ besitzt. Bis auf die letzte Generation wird jeder Mensch sterben und der Zeitpunkt dieses Ereignisses ist uns völlig verborgen. Wir können unser Leben nur verkürzen nicht verlängern.

Daher darf eine Diskussion über Endzeit und Entrückung absolut keinen Einfluss für unser persönliches Leben und unsere Haltung zu Jesus Christus haben. Jederzeit müssen wir bereit zum Tod und zur Verantwortung unserer Taten vor Christus stehen.
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