Reisebericht Weißrussland April 2000

Missionseinsatz mit Hilfstransport nach Weißrussland vom 14. bis 23. April 2000

14. April:
In der Nacht von Donnerstag auf Freitag haben sich 21 Geschwister aus verschiedenen Gemeinden im Raum Süddeutschland auf den Weg nach Weißrussland gemacht.
Es war die erste Ostfahrt nach Weißrussland, und wir wussten nicht, was uns erwarten würde. Wir hatten gehört, dass die Mafia die Straßen kontrolliert und auch den Grenzübergang erschweren kann.
Um Mitternacht fuhr der Lastwagen mit Anhänger von Neustadt ab, vollgepackt mit Kleidern, Krankenhausbetten, Matratzen, christlicher Literatur, Saatgut und Lebensmitteln. Die drei Busse (diesmal ohne Anhänger) haben sich um 4:30 Uhr auf einem Autobahnrastplatz bei Heilbronn getroffen. Wir haben die vor uns liegende Fahrt unserem Herrn anbefohlen und konnten bei jeder. Rast unterwegs danken für Seine Bewahrung und Seinen Schutz. Bei Bayreuth stieg unser letzter Bruder zu. In Frankfurt/Oder passierten wir die deutsch/polnische Grenze.
Eine tolle Einrichtung ist das Funksystem, das den ständigen Kontakt zwischen den Autos ermöglicht, sei es bei Überholmanövern oder bei Warnung vor Schlaglöchern auf der Straße. Auch beim Bibelquiz auf der Heimfahrt wurde das Funksystem eifrig benutzt. Wer weiß z.B., wo in der Bibel eine Spinne erwähnt wird?
Noch vor Warschau hat die Bremswirkung bei einem der Busse nachgelassen. Wir waren sehr dankbar, dass ein Bruder die Ursache beheben konnte. Auf der Weiterfahrt wurde der Kontakt zu den Fahrern des Lkws aufgenommen, die kurz vor der polnisch/russischen Grenze auf uns warteten.

15. April:
In der Nacht passierten wir die Grenze nach Weißrussland. Der Herr hat viel Gnade geschenkt. Wie durch ein Wunder waren wir nach nur zwei Stunden über der Grenze und das ohne Bestechung der Zöllner.
Der LKW wurde extra abgefertigt und brauchte drei Stunden länger. Dadurch konnten wir drei Stunden in unseren Bussen ausruhen. Um 9:00 Uhr ging es weiter. Zuvor hat uns ein Bruder das Wort aus dem Römerbrief zugesprochen: Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? Diese lebendigen Worte haben uns begleitet bei vielen Begegnungen und Gesprächen.
Weißrussland: ein flaches Land, große Felder und Wiesen, viele Birken- und Kiefernwälder und viel Sumpf und Wasser. Dörfer mit kleinen Häusern, oft aus Holz in Blockbauweise gebaut, umgeben von umzäunten Gärten mit Kleinvieh.
Wir waren überrascht über die sauber und ordentlich aussehenden Dörfer und Städte. Es lag fast kein Müll herum und die Hauptstraße, auf der wir von Brest nach Gomel führen, war asphaltiert und nicht so holprig, wie wir es uns vorgestellt hatten. Geschwister, die schon Fahrten nach Moldawien und Odessa mitgemacht hatten, berichteten von viel schlechteren Straßen. Um ca. 16:00 Uhr sind wir in Gomel angekommen. Wir waren Gott sehr dankbar, dass er uns auf der Fahrt bewahrt hat.
Gomel liegt ca. 50 km westlich der russischen Grenze und hat ca. 600.000 Einwohner. Bezirke mit Hochhäusern wechseln sich fast nahtlos ab mit Gebieten, in denen Holzhäuser mit schönen, bunt verzierten Holzschnitzereien stehen.
An einer Tankstelle treffen wir Sergeij. Er bringt uns dort zu einem Gemeindehaus, bestehend aus Versammlungssaal, zwei Kinderstundenräumen, Küche und mehreren Nebenräumen.
Die Gemeinde wächst und plant momentan die Vergrößerung ihrer Räume. Wir laden dort Saatgut, Lebensmittel und unsere christliche Literatur aus.
Untergebracht sind wir in einem Krankenhaus bzw. Pflegeheim ca. 30 km südlich von Gomel. Dort haben wir im 2. Stock einen Flügel für uns alleine. Für russische Verhältnisse sehr komfortabel: fließend Wasser und sogar eine warme Dusche.
Im Flur haben wir gefrühstückt und zum Abend gegessen. Die ganze Nacht begleitete uns ein Froschkonzert von den nahegelegenen Sümpfen.

16. April: Nach dem Frühstück sind wir zum Gottesdienst in die Gemeinde nach Gomel gefahren. Der Chor der Gemeinde singt einige Lieder. Hermann und ein Bruder aus unserer Gruppe legen das Wort Gottes aus und einige von uns singen russische Lieder. In der dreistündigen Versammlung waren ca. 100 Personen anwesend.
Anschließend bekommen wir, die „Gruppe Germania", dort ein Mittagessen.
Um 18:00 Uhr war die nächste Versammlung in einer viel kleineren Gemeinde in Gomel geplant. In der Zeit dazwischen konnten wir ca. eine Stunde lang in einem Park in Gomel spazieren gehen. Wir waren überrascht über die modisch gekleideten Menschen dort. Wir erfuhren, dass für viele Menschen in Weißrussland ihr äußeres Erscheinungsbild sehr wichtig ist. Es ist für sie wichtig, dass ihre Armut nach außen hin nicht sichtbar wird und vielleicht wollen sie auch ihre innere Armut dadurch verbergen. Aus Lautsprechern wurden wir leider mit westlicher Rockmusik, Werbespots und Horoskopen berieselt.
In der Versammlung um 18:00 Uhr wurden wir sehr herzlich aufgenommen. Sie fand in einem privaten Holzhaus statt, in dem ein Raum vergrößert worden ist. Es waren einige ältere Geschwister gekommen, die den 2. Weltkrieg miterlebt hatten. Ein Russe berichtete aus dieser Zeit, und uns wurde bewusst, dass Gott allein dieses Wunder vollbringen kann, dass sich ehemals verfeindete Nationen heute als Geschwister und Freunde gegenübertreten können. Danach gab es noch Tee und belegte Brote.

17. April: Jeden Tag haben wir gemeinsam mit einer Andacht und Gebetsgemeinschaft begonnen.
Heute fuhren wir mit einem Bruder in ein Frauengefängnis. Zwei bis drei Geschwister aus der Gemeinde gehen ca. zweimal pro Woche in dieses Gefängnis, um den Frauen dort von Jesus Christus zur erzählen. Nach langem Warten bekommen wir die Erlaubnis zu einer Führung. Zuerst wird uns das Haus gezeigt, in dem Teenager zwischen 14 und 18 Jahren untergebracht sind. Wir durften ihnen Lieder singen und von Gott erzählen, auch in persönlichen Gesprächen. 27 Teenager schlafen und wohnen dort in einem Zimmer. Sie haben Stockbetten mit drei Betten übereinander. Zwischen den Stockbetten hat es wenig Platz. Sie haben keine Möglichkeit, sich zurückzuziehen. Sie haben gedrängt, wir sollen doch wieder zu ihnen kommen und Gott schenkte es, dass wir sie am nächsten Tag noch einmal besuchen durften.
Dieses Gefängnis wurde für ca. 1700 Frauen gebaut und momentan leben hier 3000 Frauen. Für Kinder, die im Gefängnis geboren werden, wurde ein Kinderheim innerhalb der Gefängnismauern gebaut. Sie können hier bis zu ihrem 3. Lebensjahr sein, so dass ihre Mütter sie besuchen können. Der Leiter des Kinderheimes, der nicht gläubig ist, erzählte uns voller Liebe von den Kindern und zeigte uns die Einrichtung. Er zeigte uns Kinderbetten aus Schweden, Spielsachen aus Deutschland und berichtete uns von Unterstützung und Hilfsgütern aus mehreren Ländern. Es ist schwer für ihn, bestimmte Medikamente zu bekommen und er braucht auch noch dringend einen Sterilisator. Manche der Kinder sind HIV-positiv. Das Pflegepersonal ging sehr liebevoll mit den Kindern um, die Räume waren ordentlich und sauber. Wir bekamen den Eindruck eines behüteten Heimes für diese Kinder, so gut dies in dieser Umgebung möglich ist. Wir konnten ihm sehr viele Medikamente und einen Sterilisator besorgen, indem wir vier Apotheken der Stadt leer kauften.
Nach dem Mittagessen in der Gemeinde fuhren wir in ein Kinderheim, ca. 50 km nordwestlich von Gomel. Es besteht seit einem halben Jahr und nimmt Kinder auf, deren Eltern das Sorgerecht meist wegen Alkoholmissbrauch entzogen worden ist. Zuerst war geplant, die Kinder für eins bis zwei Monate aufzunehmen, aber mangels Platz in anderen Kinderheimen dürfen die Kinder in diesem Heim nun länger bleiben. Die Gemeinde vor Ort trägt viel zur Unterstützung bei, sowohl materiell als auch personell. Nach der Kinderstunde, bei der die Kinder begeistert dabei waren, tauten sie langsam auf und der Abschied fiel manchen schon schwer
Um 19:00 Uhr fand in der kleinen Gemeinde, eine Versammlung statt, die wir gestalten durften mit Predigt, Zeugnissen und Liedern. Der junge Älteste, seine Frau und die anderen Geschwister haben uns herzlich aufgenommen und uns anschließend noch bewirtet

18. April: Morgens hatten wir kein Wasser, für viele von uns eine ungewohnte Situation.
Wir fuhren erneut zum Frauengefängnis, wo wir in einem Saal eine Stunde lang die frohe Botschaft der Erlösung verkündigen durften, mit Botschaft, Zeugnissen und Liedern. Es kamen ca. 200 Frauen und viele Frauen suchten anschließend das Gespräch. Es ist in vielen Herzen eine Sehnsucht nach Gott. Möge der Herr Gnade schenken, dass durch das Wort Gottes viel Frucht für die Ewigkeit entsteht.
Anschließend durften wir Gottes Wort auch den Teenagern weitersagen. Sie hatten schon sehr auf uns gewartet, manche gaben Geschenke, die sie selbst gebastelt hatten.
Nachmittags besuchten wir eine Station des Kinderkrankenhauses in Gomel. Nach einem Gespräch mit dem Stationsarzt durften wir mit den Kindern eine Kinderstunde machen. Dima, ein Mitfahrer, wurde unser Kindermissionar, er erzählte wieder sehr lebendig. Die Kinder hörten gespannt zu, sangen lebhaft mit, indem sie mit ihren Händen das Haus auf Sand und auf Stein bauten. Auch das anschließende Bewegungsspiel auf dem Krankenhausflur machte allen viel Spaß.
Am Abend haben wir den Lastwagen entladen. Die Hilfsgüter kamen in den Keller des Pflegeheims. Von dort aus werden die Geschwister die Güter an Hilfsbedürftige verteilen. Nach dem Abendessen hat der Hausmeister des Pflegeheims uns eine Fischsuppe über dem Lagerfeuer gekocht. Und im Singen dankten wir Gott für alles, was er für uns bereit hält.

19. April: Wir verabschiedeten uns von „unserem" Pflegeheim und fuhren gen Westen nach Kapatkevicy, wo wir ein Kinderheim für zum Teil lernbehinderte und geistig behinderte Kinder besichtigten. Sergeij fuhr mit uns. Auch hier konnte den Kindern Kinderstunde gehalten werden.
Danach hatte die Gemeinde dort ein mehrgängiges Essen in ihrem Versammlungsraum vorbereitet mit vielen russischen Spezialitäten. Anschließend führen wir nach Jelsk. Dort warteten auch schon Anna und Angelika, zwei Schwestern aus einer deutschen Gemeinde. Sie waren tags zuvor schon zu Geschwistern nach Jelsk gefahren, deren Kinder bei ihnen in Deutschland als „Tschernobylkinder" zu Besuch gewesen sind. Denn Jelsk und Umgebung ist sehr stark radioaktiv verseucht.
Abends durften wir noch die Versammlung in Jelsk gestalten.
Danach wurden wir in verschiedenen Privatwohnungen untergebracht und überaus reichlich bewirtet.

20. April: Nachdem wir uns in einer der Wohnungen zum morgendlichen Gebet und zur Andacht getroffen hatten, fuhren wir mit Sergeij und einigen anderen Geschwistern aus der Gemeinde in einen Ort nur ca. 10 km nördlich des Sperrgebietes von Tschernobyl entfernt. Hier besichtigten wir ein Internat für lernbehinderte Kinder. Dank des Engagements des Direktors und der Hilfe ausländischer Organisationen konnten schon viele Dinge angeschafft werden, die im täglichen Lernen den Kindern eine Hilfe sind. Dem Internat ist ein landwirtschaftlicher Betrieb angeschlossen, wo die Kinder auch praktisches Arbeiten lernen können. In der anschließenden Kinderstunde waren die Kinder ganz intensiv mit dabei, sie fieberten mit dem verlorenen Schaf, ob es auch wirklich gefunden werden würde. Der vorher eher kühle Direktor war sehr bewegt, möge Gott an ihm und den Kindern wirken.
Zum Mittagessen wurden wir in ein Restaurant eingeladen, ebenso zum Abendessen, was uns sehr, sehr peinlich war. Die Geschwister dort dachten, sie müssten uns etwas Besonderes bieten. In der Zeit dazwischen besichtigten wir ein Rehabilitationszentrum für drogen- und alkoholabhängige Jugendliche. Es wird gerade renoviert, und die Jugendlichen beteiligen sich an den Renovierungsarbeiten. Dort befindet sich auch ein Gottesdienstraum und dem Leiter des Rehazentrums ist es sehr wichtig, dass die Jugendlichen eine lebendige Beziehung zu Jesus finden, der alleine ihnen helfen kann.
Abends war Versammlung in der Gemeinde in Chojniki.

21. April: Morgens gingen einige Brüder von uns und Geschwister der Gemeinde von Jelsk zum Bürgermeister, um ihm zu berichten, warum wir nach Jelsk gekommen sind.
Es hat in der Vergangenheit immer wieder Spannungen zwischen der kommunalen Verwaltung und der Gemeinde gegeben, und wir versuchten, die Situation zu verbessern. Wir konnten dem Bürgermeister christliche Literatur geben, die er dankbar mit Freuden annahm. Gott kann auch an ihm wirken.
Später trafen wir uns im Versammlungssaal mit den dortigen Geschwistern, um Gemeinschaft zu haben und uns gegenseitig besser kennenzulernen. Es war ein sehr gesegnetes Zusammensein, besonders durch die vielen persönlichen Zeugnisse.
Um 15:00 Uhr führen wir in eine kleine Nachbargemeinde und wurden dort herzlich aufgenommen und bewirtet. Wir saßen dichtgedrängt in einem Wohnzimmer und hatten eine gute Gemeinschaft untereinander. Danach besichtigten wir noch eine Schule mit einem kleinen handwerklichen Museum.
Abends hatten die Geschwister einen Raum gemietet und Menschen zu einer Evangelisation eingeladen. Der Herr hat Gnade geschenkt und Menschen zu sich gezogen.
Zurück in Jelsk aßen wir noch gemeinsam mit den Geschwistern und danach mussten wir uns verabschieden.

22. April: Um 2:00 Uhr führen wir ab in Richtung Deutschland. Die Fahrt war so behütet, an den Grenzen kamen wir ohne Probleme zügig durch, auch gab es keinen Unfall oder Pannen. In einem Wald in Polen machten wir noch eine längere Rast. Für die Kaffeetrinker wurde extra mit dem Dieselaggregat Wasser gekocht.

23. April:
Per Handy hatte Hermann mit einem Bruder in Bayreuth gesprochen, und dieser hat uns dann tatsächlich nachts um 3:00 Uhr zum Abendessen bzw. Frühstück mit belegten Broten, Getränken und Kuchen im dortigen Versammlungssaal eingeladen. Wir hatten eine schöne Gemeinschaft. Zum Abschluss sangen wir noch zu Klavier und Geige.

Um 7:00 Uhr trennten sich die Wege der drei Busse. Auf dem Rastplatz bei Heilbronn hatten wir Gott gedankt für diese Fahrt, für so viel Bewahrung, für die Begegnungen.

Gott möge seinen Samen aufgehen lassen, dass viele Menschen in Weißrussland, wie auch hier in Deutschland sich zu Ihm bekennen und Gottes Kinder werden.

Bericht eines Mitfahrers




Hinweis: Dieser Bericht ist zum Schutz von Personen und Einrichtungen von uns ganz minimal abgeändert worden. - Wir bitten um Euer Verständnis. Dankeschön!
Es ist für uns ein Wunder, dass Gott so viel Gnade geschenkt hat für die Fahrt nach Weißrussland, obwohl sie mit manchen Schwierigkeiten begann (Krankheit usw.), und dass alles so gut gegangen ist. Das ist nicht zuletzt die Frucht der unverdienten Gnade Gottes. Wir danken Euch allen herzlich für alle Gebete und für die Hilfe in jeder Art, in praktischer oder in materieller oder finanzieller Hinsicht, auch den anonymen Spendern ein herzliches Dankeschön. Wir freuen uns, dass viele mithelfen beim Sammeln von Kleidern, Schuhen, Wäscheschleudern, Waschmaschinen usw. - Wir bitten herzlich um Fürbitte für die nächsten Fahrten, die jetzt anstehen: Anfang Juli der Flug nach Kasachstan (und die Fahrten dort innerhalb des Landes), Anfang August die Reise nach Moldawien. - Der Herr möge Gnade schenken für die Fahrten, für die Zusammenstellung der Papiere, der Visa und für alles, was da noch zu erledigen ist! Wir brauchen jedes Mal viel Geduld, Sorgfalt, Mut und Ausdauer. Im Aufblicken auf unseren treuen Herrn und Heiland wollen wir es wieder wagen. Er allein ist unsere Hoffnung und unser Friede in den oft zermürbenden Angelegenheiten. Ihm sei alle Ehre von nun an bis in Ewigkeit! Amen. - Herzliche Grüsse … Eure Hermann und Inge
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