Reisebericht Moldavien August 2005

Moldavienfahrt - August 2005

Einen Monat ist es nun schon wieder her, als wir unsere Reise nach Moldawien antraten. Ich ahnte vorher nicht, dass diese Fahrt gen Osten für meine persönliche Beziehung zu Gott sehr wichtig werden sollte. Denn nicht nur die Einheimischen in Moldawien, sondern auch wir Deutschen durften viel über uns selbst und unser böses Herz lernen.

Am 3. August stiegen die Letzten der Gruppe an der Raststätte Jura zu. Man knüpfte erste Kontakte und betete noch gemeinsam, bevor es losging. Schließlich fuhren wir mit einer 30 Mann starken Truppe von Deutschland über Österreich, Ungarn und Rumänien bis nach Moldawien. Ungefähr 45 Stunden waren wir mit unseren sechs Fahrzeugen unterwegs gewesen, und der Herr schenkte eine problemlose, unfallfreie Fahrt.

Unseren ersten Tag in Moldawien verbrachten wir damit, unsere Taschen und die humanitäre Hilfe auszupacken, uns etwas von der langen Fahrt zu erholen, das Zusammenspiel von den vielen verschiedenen Instrumenten (Tuba, Trompete, Querflöte, Blockflöte, Saxophon, Violine und einige Gitarren), sowie einige rumänische und russische Liedern zu üben, und erste Absprachen für die Kinderstunden zu treffen. Bei alle dem wurde mir bewusst, alles Üben und Vorbereiten für den Herrn zu tun, und nicht um der Selbstdarstellung und Anerkennung willen.

Der Tag darauf begann mit den ersten Einsätzen in Moldawien, und dabei verkündeten wir die frohe Botschaft unseres Herrn Jesus Christus. Wir durften auf dem Markt Lieder singen, hatten die erste Kinderstunde und abends den ersten Gottesdienst.

Beinahe jeden Tag konnten wir mit moldawischen Geschwistern zusammen zwei bis drei Gottesdienste feiern, wobei die zwei Taufen in wunderschönen Seen und der Hochzeitsgottesdienst mit vielen Gästen für uns etwas Besonderes waren.
Die meisten Gottesdienste dauerten zwei bis drei Stunden, in welchen wir jeweils drei Brüder über das Wort Gottes sprechen hörten, was für mich eine ganz neue Erfahrung war. Noch nie hatte ich solch viele gute, ermahnende Worte, die in Liebe und Demut gesagt wurden, an einem Tag hören und mitschreiben dürfen. Dafür war ich Gott sehr dankbar.
In den Gottesdiensten sangen wir viele Lieder, trugen Gedichte vor und spielten Instrumentalstücke und erzählten von unserem Herrn Jesus, wie wir Ihn kennen lernen durften (einige von uns gaben also Zeugnis). Ich glaube, Gott benutzte das alles, um die Geschwister der meist kleinen Gemeinden zu stärken und zu ermutigen. Doch auch wir wurden von unserem Herrn ermutigt, vor allem dann durchzuhalten, wenn der All­tag uns wieder einholen würde. So schenkte Gott eine sehr gesegnete Zeit während der Gottesdienste und auch danach bei einem köstlichen und hebvoll zubereiteten Essen. Überall wurden wir sehr herzlich aufgenommen, obwohl die Geschwister viele von uns gar nicht kannten.

Neben den vielen Gottesdiensten hielten wir auch Kinderstunden, sowohl mehrmals in der örtlichen Gemeinde (in S. Bratuschani) als auch in einem Kindergarten und Waisenheim. Es berührte mich oft sehr, die vielen, vielen kleinen und großen, fröhlichen und traurigen Kinder zu sehen, die alle einen besten Freund haben: den Herrn Jesus. Einen guten Hirten, der auf seine schwachen, unschuldigen und hilflosen Schäflein aufpasst, der sie nie allein lässt, ihnen nachgeht, wenn sie weggelaufen sind; sie sucht, wenn sie sich verirrt haben und sie wieder heim bringt, wo sie unter dem Schutz ihres Hirten stehen. Ach, wie sehr schlägt mein Herz für diese Kinder, die oftmals ihren besten Freund noch gar nicht kennen, obwohl sie Ihn so dringend brauchten.

Das schönste und gleichzeitig schlimmste Erlebnis für mich war der Tag im Waisenheim gewesen. Ich freute mich, sie in Gottes Augen in Liebe ansehen zu dürfen, doch innerlich wurde mir irgendwie schlecht, die Kinder in diesem Elend leben zu sehen mit dem Wissen, dass sie alle schon schreckliche Situationen durchlebt hatten. Unschuldige, heimatlose Kinder, die keiner aufnehmen wollte/konnte. Wie viele Kinder gibt es in Deutschland, die Eltern haben, und doch heimatlos sind, weil die elterliche Liebe durch Sorgen und Lasten erstickt und erkaltet ist!? Welch` ein Trost ist es doch, zu wissen, dass Gott, unser Vater, für uns immer Zeit hat! Seine Liebe wird nie erkalten, und er wird uns in väterlicher Liebe erziehen und zurechtweisen! ER ist unser Zufluchtsort, wenn wir nicht mehr wissen wohin wir gehen sollen und er ist unser Ratgeber, wenn wir ratlos sind. Wie dankbar bin ich Ihm dafür.
Auf diesen liebenden Vater wollten wir durch Lieder und Zeugnisse die Herzen der Kinder lenken, um ihrer größten Not zu begegnen. Um der äußeren Not abzuhelfen, kauften wir Farben für das Waisenheim, die Erzieher wollten mit den Kindern zusammen das Haus streichen. Jedes Kind wurde aus den mitgebrachten und sorgfältig mit viel Liebe gepackten Bananenkartons eingekleidet; auch die Erzieher hatten dann die Möglichkeit für sich Kleidung rauszusuchen. An dieser Stelle möchte ich sehr herzlich danken für all die Hilfe, die solche Fahrten erst möglich macht. Auf dieser Fahrt zeigten die Ältesten von zwei Gemeinden große Dankbarkeit, da für sie diese Besuche, diese Gemeinschaft und das gesagte und gelebte Wort zum Segen ist. Während einige von uns bei den Kinderstunden waren, besuchten andere Alte und Kranke und brachten ihnen „Westpakete" (Inhalt: Zucker, Buchweizen, Waschmittel, Öl, Andachtsbuch usw.) mit. Sie konnten über das Wort Gottes sprechen und ihnen rumänische und russische Lieder singen.

Jeden Tag kamen nach Bratuschani zur Familie Belinski, wo wir während unseres Aufenthaltes in Moldawien wohnten, viele arme und alte Menschen und baten um Medikamente, Geld für Operationen oder Geld, um Kohle für den Winter zu kaufen oder ...

Außerdem ergaben sich auch noch einige spontane Einsätze, wie zum Beispiel vor dem Einwohnermeldeamt oder dem Krankenhaus.

Am letzten Tag waren wir noch in einem Jugendgefängnis gewesen, wo wir einen Gottesdienst gestalten durften, was ich als etwas ganz Besonderes empfand. Oft sind diese zwölf- bis achtzehnjährigen Jugendlichen nicht nur in ihrer Zelle gefangen, sondern vor allem in ihrer Seele, genauso wie wir, denn die Seele ist durch die Sünde erkrankt. Wie werden wir wieder gesund? Ein Spiegel zeigt mir die Wahrheit, zeigt mir alle Flecken im Gesicht. Auf diese Weise zeig Gott uns die Wahrheit und wir erkennen, wie uns die Sünde kaputt macht. Gott fragt dich: „Willst du gesund werden? Willst du wirklich von deinen Sünden befreit werden? Auch von den angenehmen Sünden? Solche Sünden, die leise sind, und die niemand sieht, aber doch da sind? Willst du wirklich davon frei werden?"
Bei Gott kommen Dinge ans Licht, wo Menschen uns verdammen würden. Doch sein Sohn, der Herr Jesus Christus, der für alle Sünden starb, stößt die Sünder nicht aus. Keine Sünde ist für Ihn zu groß oder zu schwer. Bei Ihm dürfen wir wieder von der Sünde, die uns gefangen hält, frei werden. - Ich kann es nicht begreifen, und doch ist es so. Er hat die Macht, um Sünden zu vergeben.

Gott schenkte mir auf dieser Reise ein offenes Herz, um auf seine Worte der Wahrheit zu hören. Danke, Herr! So wurde auch unser alter Bekannter, der Viktor, welcher im Zollamt arbeitet, von Gott bekehrt. Seine Mutter war eine strenge, orthodoxe Frau und war voller Hass auf ihn und seine gläubige Frau. Durch die gute mitgebrachte Literatur aus Deutschland, welche von der Gnade, von der Rechtfertigung schreibt, fing diese Großmutter mehr und mehr von Jesus Christus zu reden und nicht vom Orthodoxen. Sie freut sich über die Wahrheit, welche in diesen Büchern steht und macht mittlerweile ihrem Sohn Nacherzählungen über den wichtig gewordenen Inhalt. Heute sind sie alle gemeinsam Gottes Kinder.

Bericht einer Mitfahrerin
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