Reisebericht Moldavien August 2007







Moldawienfahrt im August 2007

Am 1. August 2007 begann unsere Reise von Neustadt aus nach Moldawien. Moldawien oder Moldau (offiziell Republica Moldova, deutsch: „Republik Moldau") ist ein Binnenstaat in Südosteuropa. Das Land grenzt im Westen an Rumänien. Im Norden, Osten und Süden wird Moldawien von der Ukraine umschlossen. Moldawien ist mit einer Gesamtfläche von 33.843 km2 ein sehr kleines, unbedeutendes Land und liegt im weltweiten Vergleich im hinteren Drittel.

Hermann Hofsäß leitete unsere Missionsreise und fährt nun schon seit etwa 20 Jahren in den Osten. Ich glaube, sein wichtigstes Anliegen ist es, den Menschen vom Evangelium und von der Gnade zu erzählen. Aber man wollte auch verhindern, dass das westliche Wohlstandsevangelium zu sehr an Einfluss auf die Gemeinden gewinnt. Neben Moldawien finden auch Fahrten nach Kasachstan, in die Ukraine und Rumänien statt.
Unsere Gruppe setzte sich zusammen aus Männern, Frauen, Kindern und Jugendlichen, von denen viele russisch sprachen. Die russische Sprache spielt neben der Landessprache Moldowenisch eine große Rolle, da das Land früher zur Sowjetunion gehörte. Manche von uns haben gepredigt, konnten singen, übersetzen oder ein Instrument spielen. Für mich war es die erste Ostfahrt und wohl eines der schönsten Geschenke, die Gott mir gemacht hat. Ich wusste, ich werde dort engen und tiefen Kontakt zu Geschwistern haben, welchen ich zu Hause sehr vermisse. Jedoch wusste ich vorher nicht, ob es wirklich Gottes Wille ist, dass ich dort mitfahre. Ich hatte Bedenken, da ich kein russisch spreche, kein Instrument kann und auch erst seit einem Jahr gläubig bin. Deshalb schämte ich mich, auf Mission zu fahren, da ich ja doch nichts Brauchbares und Gutes vorzuweisen habe. Doch Hermann nimmt auch Menschen mit, die solche Dinge nicht können. Oder vielmehr führt der Herr sie dorthin.

Bereits als wir in Moldawien ankamen, wurden wir mit Dingen konfrontiert, die es bei uns in Deutschland nicht gibt. Beispielsweise gibt es sehr viele Alkohol- und Suchtkranke. Die Mafia hat großen Einfluss und Macht, wodurch viele illegale Dinge ablaufen, die bei uns gar nicht möglich wären. Die Landschaft dort ist sehr flachwellig und zu 80% Kulturland durch die sehr fruchtbare Schwarzerde. Zudem ist das Klima sehr warm und trocken, weshalb viel Wein und Obst angebaut wird.
Leider gab es im Frühjahr eine große Dürrezeit, wodurch die bewirtschafteten Felder größtenteils vertrocknet sind. Dazu kamen sehr schlimme Hagelstürme. Uns wurde von einem Fall berichtet, wo die faustgroßen Hagelkörner bei einem Mädchen schwere Verletzungen hervorriefen. Aber neben weiteren solcher Fälle wurden auch viele Dächer und Felder verwüstet. Die zerstörten Gärten und Felder stellen eine große Not für das Land dar. Vor der Unabhängigkeit in den 90er Jahren war Moldawien eine der wohlhabendsten Sowjetrepubliken. Aber seither verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage drastisch, und Moldawien ist einer der ärmsten Staaten Europas. Es lebt hauptsächlich von der Landwirtschaft sowie der damit verbundenen Industrie. Wein, Obst und Gemüse sind Hauptexportartikel und somit die einzige wichtige Einnahmequelle für das ohnehin schon so arme Land. Auf dem Weg zu unserer Unterkunft sahen wir viele zerstörte Felder und teils abgemagerte Tiere. Aufgrund des Mangels an Nahrung sind die Menschen gezwungen, schon jetzt ihre Wintervorräte zu verbrauchen. Da Moldawien nicht zur EU gehört, erhält es wenig außenpolitische Unterstützung und es könnte zu größeren Hungersnöten kommen. Zudem haben die Menschen nicht die nötigen Mittel, um die durch den Hagel zerstörten Dächer zu reparieren. Wir sind sehr dankbar für alle Spenden, die wir erhalten haben und für den Kauf von Grundnahrungsmitteln wie Reis, Nudeln, Mehl und Salz verwenden konnten. Diese wurden später zusammen mit Waschmittel, Kerzen, Schokolade und Literatur an arme und hilfebedürftige Familien verteilt.

Als ich dies alles sah, wurde mir klar, wie gut es uns geht, und wie viel Segen wir von Gott erhalten haben. Alles kommt aus seiner Hand und er gibt es, wem er will. Doch ist Geld und Wohlstand nicht alles. Ich erkannte, dass diese Menschen dafür andere wertvolle Dinge haben. Ich denke dabei ganz besonders an Gastfreundschaft. Die Art und Weise/wie die Menschen uns empfingen, war sehr eindrücklich für mich. Unsere Unterkunft war diesmal im Gemeindehaus in Bratuschani. Dort hatten wir sehr gute und saubere Unterkünfte im Vergleich zum allgemeinen Lebensstandart der Moldauer. Es gab geflieste Toiletten (natürlich Plumpsklo´s) und eine Dusche mit sonnenerwärmtem Wasser, welche die Brüder für uns gebaut hatten. Das Essen, das uns die Schwestern der Gemeinde zubereiteten, war immer sehr reichlich. Auch in anderen Gemeinden wurde uns über die Maßen viel und gut aufgetischt. Ich habe oft besser gegessen als in Deutschland. Und für die Menschen dort bedeutete das wirklich ein großes Opfer. Manchmal kamen die Kinder der Gläubigen nach uns ins Zimmer und aßen unsere übrig gebliebenen Reste. Es hat einige von uns sehr beschämt, dass Menschen mit einem erheblichen Mangel an Nahrung dennoch so viel geben möchten. Aber ich meinte nicht nur das Essen. Bei unserem ersten Gottesdienst in Bratuschani wurden wir von den Geschwistern begrüßt, die zu uns in die Gemeinde kamen. Ich erschrak erstmal, als mich die vielen Frauen voller Freude im Gesicht, umarmten und auf die Wange küssten. Einmalig! Diese Kultur, Offenheit und Freundlichkeit war einfach schön. Das gleiche durften wir erleben, als wir in einer kleinen Arztpraxis Traktate verteilten. Mit etwas Angst und Bedenken fragten wir vorsichtig, ob wir wohl ein paar Traktate verteilen dürften. Als Reaktion darauf führte man uns in der Praxis herum und das gesamte, etwa 10 Manngroße Personal, verließ seine Arbeit und setzte sich erwartungsvoll zu uns. Da wir nur zu fünft waren, wurden wir nervös und wussten nicht so richtig, was sie nun von uns hören wollten. Dann erzählte einer spontan sein Zeugnis und alle hörten gespannt zu. Der Herr hat so viel Segen geschenkt bei unseren Einsätzen, dass wir selbst manch­mal vor Freude weinten.
Besonders gesegnet waren auch unsere Markteinsätze Die meisten von uns sangen oder predigten während andere Traktate verteilten. Wir freuten uns alle sehr, als die Menschen so zahlreich und interessiert zu uns kamen und zuhörten. Für mich war diese Fahrt wirklich ein ganz besonderes Erlebnis.

Es war mir anfangs nicht bewusst, dass ich dort auch so viel Leid sehen werde. Unsere Aufenthalte waren hauptsächlich in ländlichen Gebieten, wo man sich unter Geschwistern sehr viel unterstützte. Anders als in Deutschland kommt nicht jeder, der alt und krank ist, in ein Altenheim. Da die Menschen nicht in dem Maße staatliche Unterstützung haben wie wir in Deutschland, sind sie sehr auf die Hilfe untereinander angewiesen. Besonders in den Familien konnte man viel Aufopferungsbereitschaft sehen. Eine Mutter, die ein behindertes Kind zur Welt bringt, erhält weder Hilfe von außen, noch gibt es Behindertenheime. Dafür darf sie es lieben, ernähren und, so Gott will, lernen, sich selbst aufzuopfern. Anders als in einer durch Individualismus und Wohlstand geprägten Gesellschaft kann man Werte erfahren, die woan­ders schon durch Selbstverwirklichungsstreben in Vergessenheit geraten sind.

In Moldawien gibt es sehr strenge Gesetze, wie wir durch den Aufenthalt im Jugendgefängnis mitbekommen haben. Es kommt vor, dass ein 14 jähriger Junge für mehrere Jahre ins Gefängnis muss, nur weil er einen kleinen Diebstahl begangen hatte. Manche werden erst im Gefängnis richtig kriminell durch die Dinge, die sie dort erleben. Es war sehr schön zu sehen, wie diese Jungs der Botschaft vom Evangelium zuhörten. Als man in die Augen dieser Jungs sah, konnte man erkennen, wie die Botschaft von unserem Heiland in einigen arbeitete. Es ist schön, so etwas mitzuerleben. Nach unserem Gottesdienst erhielt jeder Junge noch ein Buch und Schokolade. Ich hoffe sehr, dass diese Bücher ihnen helfen werden und Trost spenden können in dieser schweren Situation. Die Bücher berichten vom Evangelium und stellen Jesus allein in den Vordergrund. Dass Jesus gekommen ist für Menschen wie sie, die Schuld begangen haben und Sünder sind. Jesus kann Menschen erwählen, die in einem Loch wohnen, wie diese Jungs und nichts haben.
Es war schön, dass man in vielen, ganz individuellen Sachen helfen konnte. Zum Beispiel konnten Dachreparaturen, die Heizung einer Schule und einige Operationen finanziert werden. Kinderreiche Familien bekamen eine Waschmaschine, und wir ernteten gemeinsam Kartoffeln. Ein sehr großes Sortiment an Bibeln, Literatur und Traktaten wurde bei Einsätzen verteilt sowie verschiedenste Kleidung, welche dringend gebraucht wurde. Durch die Spenden konnten wir auch wieder viele Bücher in russischer und rumä­nischer Sprache an die rund 20 Gemeinden verschenken.

Der für mich wichtigste und unvergesslichste Einsatz war im Waisenheim. Dort saßen so viele kleine und hübsche Kinder vor uns. An ihrer Reaktion auf unseren Gesang, die Musik und Worte erkannte man ihre Armut. Sie erstaunten, als hätten sie vorher noch nie Gesang gehört. Einige von unseren rumänischen Mädchen machten Spiele nach dem Gottesdienst, worüber sich die Kinder sehr freuten. Anschließend bekam jedes Kind noch einen Pullover, Mütze, T-Shirt, Hose und Schuhe, da die Kinder selbst kaum Kleidung besitzen. Dann erhielt jeder noch eine Tafel Schokolade und ein Buch. Es war wirklich ein schöner Tag für die Kinder. Aber auch wir können dankbar sein, solche Wunder erleben zu dürfen. Als etliche von uns die Kleider verteilten, haben die Kinder ein paar von uns mitgenommen und ihre Zimmer gezeigt. Ich glaube, ich kann dieses Elend gar nicht richtig beschreiben. Es gab Zeiten, in denen 18 Kinder in einem ganz kleinen Raum wohnten, wo sie kaum Platz hatten. Die Fensterscheiben waren völlig kaputt, und ich wollte mir gar nicht vorstellen, wie kalt es dort im Winter ist. Sie haben kaum Zudecken und besitzen höchsten ein Buch, etwas zu schreiben oder einen Kamm. In diesem Waisenheim gibt es keinerlei Menschenrechte für die Kinder. Wenn die Mädchen älter sind, werden manche für schlimme Dinge verkauft und weg gegeben, so hat man uns erzählt.
Unsere Gruppe wuchs mit der Zeit von 30 Leuten auf etwa 50. Manche kamen aus der Ukraine, Rumänien oder waren ehemalige Waisenkinder, welche nun erwachsen sind. Sie berichteten uns von ihrer Zeit im Waisenheim und wurden sehr betrübt über ihre Erinnerungen. Ich sah, wie eine Frau weinte, da sie weiß, was die Kinder durchmachen. Oft denke ich noch an die Kinder dort. Danach kann ich Gott nur für meine Kindheit danken. Es muss furchtbar für ein Kind sein, wenn man aufwächst, ohne von jemandem geliebt zu werden. Niemand gibt ihnen einen „Gute-Nacht-Kuss" oder umarmt sie, wenn sie Trost brauchen. Deshalb ist es für diese Kinder sehr wichtig, dass man ihnen das Evangelium erzählt. Aber vor allem von ihrem Vater im Himmel, der sie eh und je geliebt hat.

Viele von unserer Gruppe gehörten bereits Jesus und wurden zerbrochen zu neuem Leben (vom Leid zur Freude). Andere waren vielleicht noch auf der Suche nach einer tiefen und lebendigen Beziehung zu ihm. Vielleicht gab es auch welche, die erst auf der Fahrt erkannten, dass sie geistlich tot sind oder fromme Schauspieler. Doch es war mit Sicherheit für uns alle eine wichtige Erfahrung. Die Art, wie man hier miteinander umgeht, singt, lacht und sich austauscht, ist selten. Manche von unseren, gerade jungen Gruppenmitgliedern, kannten so etwas vorher noch nicht. Es entstehen so tiefe und schöne Beziehungen, wenn man sich in stressigen und bewegenden Momenten erleben darf. Weil man von früh bis spät zusammen ist und sich aushalten muss :-), lernt man sich einfach anders kennen. Oder wenn man gemeinsam beim Gottesdienst erleben darf, dass man als Deutscher angenommen wird und es den Menschen gefällt, wenn einer unserer Brüder predigt. Man freut sich gemeinsam, wenn man in den Augen sieht, dass ihre Herzen berührt werden. Dies alles erhoffen wir uns auch auf unseren nächsten Fahrten.

Im November geht es in die Ukraine und im Dezember nach Rumänien. An dieser Stelle wollen wir auch wieder allen treuen Betern, Spendern und Mithelfern danken!
„Wie nun durch eines Sünde die Verdammnis über alle Menschen gekommen ist, also ist auch durch eines Gerechtigkeit die Rechtfertigung des Lebens über alle Menschen gekommen. Denn gleichwie durch eines Menschen Ungehorsam viele Sünder geworden sind, also auch durch eines Gehorsam werden viele Gerechte.“ Römer 5:18-19
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