Reisebericht Moldavien August 2008

Moldawienfahrt im Juli/August 2008


Römer 11:35-36: „Oder wer hat Ihm was zuvor gegeben, dass Ihm werde wieder vergolten?
Denn von Ihm und durch Ihn und zu Ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen"


Es war ein schöner und sonniger Tag, an dem wir nach Moldawien losfuhren. Es war der 23. Juli 2008. Die meisten kannten sich untereinander, so dass bald eine gute Gemeinschaft entstehen konnte. Unsere Gruppe bestand aus zweiundzwanzig Erwachsenen und sechs Kindern. Vor allem die Kinder erfreuten uns auf der Fahrt mit ihrem Gesang. Nachdem wir in Rumänien vier Geschwister bei Johann und Signora abgeholt hatten, fuhren wir weiter nach Moldawien. Bereits während der Fahrt zeigte sich uns Moldawien mit seiner ganzen Pracht: riesige Sonnenblumenfelder, lange Walnussalleen und eine Schar von zwitschernden Schwalben erwarteten uns.

Am Freitag, den 25. Juli, durften wir, dem Herrn sei Dank, wohlbehalten in Bratuschani ankommen.

Am Samstag wurde die erste Kinderstunde gehalten. Da die Kinder durch die Lehre „Gerecht durch Werke" geprägt waren, wurde dort die Kinderstunde angesetzt. Es war köstlich, die moldawischen Kinder zu beobachten. Sie lauschten neugierig unseren Erzählungen, meldeten sich freundlich und geduldig. Man merkte ihnen an, dass sie gut erzogen waren. Besonders interessant war es, zu beobachten, wie empfänglich die Kinder für das Wort und für die Liebe waren.
Tagsüber wurden kranke Geschwister besucht. Man merkte durch diese Besuche, in welchem Überfluss wir hier leben. Wir trafen in der Regel kleine, schmutzige und einsame Häuser vor - aber auch einsame Menschen. Wir hörten aber kein Wort der Klage.
Ein Erlebnis blieb wohl der Gruppe besonders in Erinnerung. Es war dort eine Frau, die uns gerne erfreuen wollte. Sie bemühte sich eifrig drum, uns zu bedienen. So war es nicht möglich, ihr von der Heilandsliebe Trostworte zu sagen. Diese Frau bekam geistlich nichts, weil sie viel hatte. Gleich danach besuchten wir eine andere Frau. Sie konnte uns nichts geben, und so konnte sie nur dankbar das Wort annehmen. Sie bekam viel, weil sie nichts hatte. Jeder kann sich in diesen zwei Frauen wieder erkennen (siehe Martha und Maria).

Am Sonntag, den 27. Juli, besuchten wir zwei Gemeinden: eine reiche und eine arme. Der Unterschied war gewaltig: eine Gemeinde im Überfluss und eine Gemeinde, die sich durch Schlichtheit auszeichnet. Diese einfache Gemeinde erinnerte unwillkürlich an die Gemeinschaft der ersten Christen.

Am Montag durften wir einen unvergesslichen Besuch in einer Zigeunergemeinde in Edinet erleben. Dort gab es zwei junge Männer. Der eine war so sehr damit beschäftigt, die jungen Mädchen zu unterhalten, dass er vom Wort nicht viel mitgenommen zu haben schien. Der andere vergaß buchstäblich alles um sich herum und war nur noch für das Wort da. Man sah es ihm an, dass er jedes Wort wie ein Hungriger verschlang. Der HERR sieht das Herz, auch meins. Er weiß, warum wir in die Gemeinde kommen und womit unsere Gedanken während des Gottesdiens­tes beschäftigt sind.
Diese Zigeunergemeinde überraschte uns durch zwei weitere Begebenheiten. Zunächst mal bekamen wir endlich ein einfaches Essen, was für uns sehr wertvoll war. Nicht dass man die Arbeit der Geschwister nicht schätzt, aber man braucht mehr Mut, einfaches Essen anzubieten. Weiterhin sang uns eine Zigeunerin christliche Lieder in der Zigeunerart vor. Das war köstlich zu sehen, dass der Herr seine Schäfchen überall auf der Welt hat. Sicherlich hat er weniger Vorurteile als wir.

Der Besuch in einem Kinderwaisenheim war für den Dienstag geplant. Wir trafen dort nur wenige Kinder - es waren Kinder, die über die Ferien von niemandem abgeholt wurden. Außer einem Mädchen waren alle geistig behindert. Man hat ihren unschuldigen Kinderaugen angesehen, dass sie Hunger haben, geliebt zu werden. Gibt es in ihrem Leben einen Menschen, der sie so annimmt, wie sie sind? Wenn nicht, dann bin ich so dankbar, dass der Herr sie alle liebt und sie annehmen möchte. Auch wenn sie von ihren Eltern nie die Liebe erfahren haben, dann dürfen sie diese beim Herrn grenzenlos empfangen.

In Erinnerung bleibt wohl auch die Philadelphiagemeinde in Balti, die wir am Mittwoch, den 30. Juli, besucht haben. Es war wohl nicht die Gemeinde, die einen tiefen Eindruck hinterlassen hatte, sondern das Wort, das dort gepredigt wurde: „Du kommst mit deiner Wolfsart nicht in das Himmelreich." Das Wort wirkte im Verborgenen.

Am Donnerstag besuchten wir den ehemaligen Gefängnisleiter in Lipkani. Seinen wunderschön angelegten Garten werden wir wohl kaum vergessen. Wegen eines Stromausfalls konnten wir die Gefangenen dieses mal leider nicht besuchen, doch konnten einige Geschwister erzählen, wie treu sich dieser Mann um sie gekümmert hatte.

Am Freitag konnten sich vor allem die Kinder freuen, weil sie beim Honigschleudern mithelfen durften.

Die Jugendkonferenz fand am Samstag, den 2. August, in Bratuschani statt. Ein Bruder sprach von Geheimnissen, die junge Geschwister bis zur Ehe füreinander bleiben sollten.
Abends waren wir in der Gemeinde in Gaspar. Dort besuchten einige Geschwister einen jungen Familienvater, der an Krebs erkrankt war. Es war nicht einfach zu sehen, dass der HERR solche Wege für seine Schäfchen wählt. Einige Tage später durfte er heimgehen zu seinem Heiland.
Mit Gottes Hilfe durften wir in den Gemeinden die Gottesdienste gestalten. Wir hatten russische und rumänische Lieder gesungen und eine wunderbare Instrumentalgruppe, worüber sich die Geschwister dankbar freuten. Vielen Familien, die durch die Überschwemmungen in dieser Zeit dort (eingestürzte Häuser usw.) oder Krankheit in Not geraten waren, konnten wir materiell und finanziell helfen. Da die Grundnahrungsmittel in Moldawien zurzeit teurer sind als bei uns, hatten wir von hier große Mengen Lebensmittel (Mehl, Milchpulver, Reis, Nudeln, Öl, Margarine, Buchweizen, Salz und Zucker) mitgenommen, die wir dort in familiengerechte Portionen abgepackt und verteilt hatten. Auch das ist Erntedankfest, wo Euer/unser Überfluss ihrem Mangel dient. (2. Korinther 8:14). Herzlichen Dank für alle Hilfe und die Liebe durch Eure Gebete.
Besonders zu erwähnen sind wohl die kurzen Straßeneinsätze. Wenn hier in Deutschland keiner ein Traktat annehmen möchte, so werden sie dort gerne angenommen.

Am letzten Tag fand in Bratuschani die Taufe statt. Eine Frau fiel unter den Täuflingen besonders auf. Während allen herzlich gratuliert wurde, stand sie unbeachtet und einsam da. Während die anderen reichlich Blumen bekamen, hielt sie eine einzige verwelkte Rose in der Hand. Während die Täuflinge vor Freude strahlten, richtete sie ihre traurigen Augen zu Boden. Wer hat von ihnen verstanden, was Taufe bedeutet? Zu dieser unbeachteten, verachteten Frau kam später ein junger Mann dazu. Eine Weile stand er still neben ihr und schwieg. Dann sagte er: „Mama, ich habe kein Geschenk für Sie. Aber ich habe ein Wort für Sie." Er las ihr einige Verse aus der Bibel vor, während sie immer noch mitten im Gedränge still und andächtig neben ihm stand. Was bedeutet Taufe? Dieser junge Mann hat es verstanden. Er war ihr Schwiegersohn.
Der Abschied von den moldawischen Geschwistern fiel uns schwer. Viele lieb gewonnene Seelen mussten wir schweren Herzens verlassen. Dem Herrn gebührt der Dank für diese Freundschaften.

Am Mittwoch, den 6. August 2008, durften wir wohlbehalten zu Hause ankommen. Möge der Herr Gnade schenken, dass das gehörte Wort im Herzen keimt und Frucht bringt. Möge der Herr auch Gnade schenken, seine Gemeinschaft auch hier, wenn wir nicht mehr in der Gruppe sind, zu suchen.

Bericht eines Mitfahrers
„Wir müssen predigen nicht nach der Weise der Doktoren der Theologie, sondern nach der Weise jener ungelehrten, ungebildeten Leute alter Zeit, die mit Jesus gewesen waren und von ihm gelernt hatten.
Brüder, einige von euch haben zuviel Rüstung an!
Legt sie ab, seid einfach, seid natürlich, seid kunstlos, seid geradeheraus, seid voll Vertrauen auf den lebendigen Gott!“
Charles Haddon Spurgeon - britischer Baptistenpastor und Prediger (gelebt vom 19. Juni 1834 bis zum 31. Januar 1892)
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