Reisebericht Moldavien Juli / August 2009

Moldawienfahrt vom 29. Juli 2009 bis 11. August 2009

Psalm 14:3 „Aber sie sind allesamt abgewichen und allesamt untüchtig; da ist keiner, der Gutes tue, auch nicht einer.“
Römer 3:24 „Und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christum Jesum geschehen ist.“

Die Fahrt begann am Mittwoch, den 29. Juli 2009, beim Treffpunkt in Altdorf bei Nürnberg. Von dort aus startete der Konvoi mit vier Sprinter-Bussen, einem Minivan und einem Mercedes, den wir der Gemeinde in Edinet schenken wollten, voll gepackt mit Hilfsgütern, Matratzen und Gepäck. In Österreich machten wir eine längere Rast, weil auf einen weiteren Bus gewartet werden musste. Dort übten wir auf dem Parkplatz unsere russischen und rumänischen Lieder und trugen bei dieser Gelegenheit einem rumänischen LKW-Fahrer ein paar davon vor. Die Route ging durch Ungarn und Rumänien, wo wir uns länger bei Jo­hann in Sebes aufhielten und dort eine Gelegenheit zum Duschen und eine Mahlzeit bekamen. An der rumänisch-moldawischen Grenze mussten wir zwei Stunden warten, bis der Schichtwechsel vorüber war, und noch mal drei weitere Stunden, bis sämtli­che Formalitäten, Kontrollen und Diskussionen durchgeführt waren. Freitagabend kamen wir in Bratuseni an und wurden gleich sehr großzügig verköstigt.

Samstag war der erste geregelte Tag. Frisch ausgeschlafen fuhren wir auf den Markt von Bratusani und machten einen Evangelisationseinsatz. Die Leute waren sehr begeistert; nur ein orthodoxer Priester schimpfte, dass wir es wagten an einem Feiertag hier zu predigen. Am Nachmittag wurden Lebensmittel für arme Familien gekauft und anschließend abgefüllt und in Kartons gepackt.

Am Sonntag waren wir zu einem Taufgottesdienst in der Gemeinde von Large (Koseute) eingeladen. Hermann war es wichtig, sich in den Predigten und auch bei Liedvorträgen vor allem auf die Demut vor Gott und den Menschen zu konzentrieren, weil er aus seiner Erfahrung weiß, dass Ostmenschen im Allgemeinen sehr stolze Individuen sind. Dieser Gottesdienst wurde unter anderem von drei Mädchen aus der Gemeinde dort durch Lieder musikalisch unterstützt. Sie machten auf uns durch ihre perfek­te Art sofort den Eindruck sehr eingebildet und fromm zu sein. Daher hatten wir auch Bedenken, als sie uns nach dem Gottes­dienst fragten, ob sie uns für den Rest der Fahrt begleiten könnten. Hier sieht man wie Gott diese Fahrten nicht nur nutzt, um den Menschen in Moldawien sein Wort näher zu bringen, sondern auch an uns Fahrern zu arbeiten. Als wenig später eines der Mädchen unter Tränen ein Zeugnis über ihr Leben ablegte, merkten wir, wie lebendig ihre Beziehung zu Gott war, und erkann­ten, wie Gott mit diesem Erlebnis uns unseren eigenen Hochmut vor Augen bringen wollte.

Nach einer Kinderstunde in Bratusani am nächsten Tag wurden drei Gruppen gebildet, die zu armen und kranken Menschen in der Umgebung fahren sollten, die teilweise zu schwach waren, um selbst in den Gottesdienst zu kommen. Dort verteilten wir die Kartons mit Lebensmitteln, Kerzen, Zahnbürsten und Literatur und hielten eine kleine Andacht und sangen Lieder. Er war sehr eindrücklich zu sehen, in welchen Verhältnissen diese Menschen jeden Tag leben und von ihnen zu hören, welchen Belas­tungen sie ausgesetzt sind.

Dienstags besuchten wir den Kindergarten von Bratusani. Zuerst gab es für die Kinder ein buntes Programm aus kurzen Erzählungen, Liedern und Instrumentalstücken, dann besichtigten wir das Haus. Es fiel auf, dass alle Räume zwar gut aber recht mädchenorientiert eingerichtet waren und es nur wenig Spielzeug für Jungen gab. Bedenklich dabei ist, dass viele Jungen sowieso schon ohne männliche Bezugsperson aufwachsen müssen, da der Vater entweder verschwunden oder Alkoholiker ist. Der Nachmittag war frei und einige von uns fuhren an einen recht schlammigen See, wo wir Fische fingen. Das Ganze endete in einer großen Reinigungsaktion mit dem Brunnenwasser auf dem Gemeindegelände. Die Fische verspeisten wir zum Abendessen. Allerdings beklagten sich am nächsten Tag einige über Darmprobleme und...

Am Donnerstag fuhren wir zum Evangelisieren auf den Markt von Schofrikani und hielten im Garten des sich noch im Bau befindlichen Gemeindehauses dort einen Gottesdienst. Am Nachmittag fuhren wir nach Edinet, und mit überschwänglicher Freude waren wir mit den Zigeunerkindern in der Kinderstunde beisammen, zu der wir am Tag zuvor eingeladen hatten. Diese zweistündige Openair Kinderstunde im Stehen war für die Kinder kein Problem; sie waren alle sehr aufgeweckt und man konnte in ihren Augen so eine ehrliche Freude entdecken. Trotzdem blieben sie die ganze Kinderstunde brav und ruhig. Danach verteilten wir an sie Schokolade, Literatur und Zahnbürsten. Nach dem Kindergottesdienst um 18 Uhr trafen wir uns alle miteinander (Erwachsene und Kinder, alle) in dem gemieteten Club (Kulturhaus) zum Evangelisationsgottesdienst. Für die Zigeunerjugend hatten wir um 21 Uhr ebenfalls einen Evangelisationsgottesdienst. Eine Familie durfte den Heiland finden. Etliche taten Buße wegen ihrer groben Art in ihrer Ehe. Eine uns seit langem bekannte Zigeunerin wollte wieder mit uns kommen und unterstützte uns von da an mit ihrer grandiosen Singstimme. (In Moldawien ist es für die Romas eine Ehre, sie mit Zigeuner anzusprechen).

Als wir am Samstag das Jugendgefängnis in Lipkani besuchten, waren die Jungen allesamt sehr reserviert, hörten aber den Ansprachen und Liedern aufmerksam zu. Um sie etwas zu aktivieren, haben wir ein Trampolin mitgenommen, das sie nach dem Gottesdienst gemeinsam aufbauen sollten. Mit der Zeit tauten sie auf und es ergaben sich viele Möglichkeiten zum Spielen und Gespräche fuhren. In der Zwischenzeit gingen einige von uns in ein Gefängnis innerhalb dieses Gefängnisses, welches für straffällige Polizisten und Beamte eingerichtet war. Dort hausten ausschließlich große, muskulöse Kerle, die zu Beginn wenig Interesse zeigten. Aber mit der Zeit kamen immer mehr. Interessant war, dass sich die Männer ganz liebevoll um die Kätzchen kümmerten, die bei ihnen lebten. Ein Gefangener, der scheinbar an diesem Tag entlassen wurde, nahm sich sogar eins mit. Schön, dass Gott diesen Menschen auch jemanden geschenkt hat, dem sie in ihrer rauen Situation ihre Liebe schenken können. Am Ende des Gottesdienstes, als wir Literatur, Seife, Zahnbürsten, Schokolade und Wollsocken verteilten, kamen die Männer ganz erleichtert auf uns zu und gaben uns selbst gemachte Geschenke wie zum Beispiel ein verziertes hölzernes Schmuckkästchen.

Am Sonntag drauf fand wieder ein Taufgottesdienst statt - diesmal in der Gemeinde von Bratusani. Wir fuhren alle hinaus zu einem See, der nicht so schlammig und verschmutz war. Wir sangen Lieder und Hermann betonte, dass es bei der Taufe vor allem auf die innere Taufe des Fleisches ankommt, das in den Tod dahin gegeben wird. Vor dem Gottesdienst wurden die Busse schon weitestgehend gepackt, sodass anschließend nur noch das Gepäck verstaut werden musste. Dann machten wir uns auf den Heimweg.
Wir machten noch einen Zwischenstopp in einer größeren Gemeinde in Balti, wo neben uns noch ein Pastor aus Weißrussland zu Besuch war, der vom Bau seines Gemeindehauses erzählte und die Gemeinde um eine Geldspende bat. Nachdem der Leiter der Gemeinde von Balti sagte, man sollte mit dem Körbchen doch speziell zu den Deutschen gehen, reichte es Hermann leer zurück und er verkündete, dass wir schon bei den vorherigen Stationen leer gemolken wurden, und das restliche Geld brauchten wir für den Sprit zur Heimfahrt. Nach dem Gottesdienst haben wir gemerkt, dass die Batterie vom Bus aus Bamberg ausgelaufen war und sich sofort entlädt. Das hieß, dass wir ihn bei jedem Anlassen an den unmöglichsten Stellen anschieben oder überbrücken mussten. Glücklicherweise konnten wir bei Johann in Rumänien die Batterie austauschen.

Die Fahrt hat uns vor allem geholfen, zu erkennen, wie man sich als Christ in einer Gruppe aus lauter unterschiedlichen Persönlichkeiten und mit tausend verschiedenen Macken zu recht findet, wo sich die Menschen an jeder Ecke reiben und es Missverständnisse und Unklarheiten in der Organisation gibt. Ein erfolgreiches und gesegnetes Zusammensein und Zusammenarbeit ist nur möglich, wenn man sich klein machen lässt und unter die anderen stellt - vor allem, wenn es um Dinge geht, die etwas Erfahrung erfordern.
Durch Gottes Gnade sind wir während dieser Fahrt wunderbar behütet worden und es sind keine schlimmen Unfälle passiert. Gott sei Dank für diese Fahrt. Danke für euer Mittragen, Mitbeten, Mithelfen und Mitlieben. In Gedanken fahren viele Herzen mit uns.

Bericht eines Mitfahrers
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