Reisebericht Moldavien August 2010


„Heilige sie in deiner Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit.“
Evangelium des Johannes 17:17

Moldawienfahrt vom 1. August 2010 bis 14. August 2010

Lange Vorbereitungen, in verborgener Arbeit von liebenden Händen geleistet, ermöglichten auch dieses Jahr die Fahrt nach Moldawien. Nachdem die Literatur geholt wurde, die humanitäre Hilfe gepackt war, die Autos geladen waren und auch der LKW bereit war, konnte die Fahrt losgehen.

Am 1. August 2010 fuhren vier Busse um 8:00 Uhr von Neustadt an der Weinstraße los. In Altdorf kamen zwei Busse dazu und unsere Gruppe war mit 15 Kindern und Jugendlichen und 20 Erwachsenen vollständig. Darunter waren drei ganze Familien und vier Väter mit ihren Kindern. Für die Zeit der Fahrt jedoch gehörten jedem Erwachsenen alle Kinder, da jeder Teilnehmer für das Wohl der Kinder mitverantwortlich war. Soweit es ging, wurden sie in Andacht, Gottesdienst, Tagesprogramm und Unternehmungen berücksichtigt. Was Kindern gefällt, langweilt Erwachsene selten und was sie verstehen, können Erwachsene auch gut merken.
Wir fuhren mit auf die Fahrt und durften für unseren inneren Menschen so manche Dusche erleben. Wie furchtbar ist der innere Schmutz der Suche nach Ehre, Größe und Prestige und wie sehr ekelte auch ich mich vor mir, als ich den an mir selber wahrnahm, obwohl der mit einer so frommen und ordentlichen Hülle umkleidet war.
Bibelrätsel in allen Schwierigkeitsgraden von „Wer kämpfte gegen David" bis „Welches sind die sieben Säulen der Weisheit aus Sprüche 9:1", ließen keine Langeweile während der Fahrt aufkommen. Die Kinder machten fast eine Art Wettkampf, wer es in der Nacht am längsten als Beifahrer aushält. Sie hatten somit auch ihr Abenteuer.
Zwischendurch ein wenig Schlaf und ein paar interessante Gespräche, schon waren 22 Stunden um und wir kamen 6:00 Uhr (2. August 2010) in Rumänien bei Johann an.

Nach einer leckeren Mahlzeit und etwas Schlaf ging es am Nachmittag weiter nach Moldawien. Dieses Land mit einer Fläche wie Nordrhein-Westfalen und einer Einwohnerzahl von 3,3 Millionen (wie Berlin) ist arm und lebt größtenteils von der Landwirtschaft. Die Regierung ist korrupt. Sie ließen unseren LKW trotz Flutkatastrophe nicht hinein. Nur um für ihre Partei Werbung machen zu können, hätten sie diesen rein gelassen, um dann unter ihrem Namen Hilfsgüter zu verteilen. Jedoch werden unsere Hilfsgüter nur unter dem Namen des Herrn Jesus verteilt. In der rumänischen Moldau herrscht auch große Not durch die Überschwemmungen, und so wurde der LKW dort abgeladen und die Hilfsgüter dort verteilt.
Weil es auch in Moldawien keinen Menschen gibt, der nicht von dem Herrn gesucht und geliebt ist, durften wir von der Liebe Dessen weitersagen, Der allein jeden Mangel ausfüllen kann. Vor allem aber mangelt es oft an Demut. Wer jedoch diesen Herrn lieben gelernt hat, will keine eigene Größe mehr, weil er das Licht des Schöpfers in sich hat.

Am Dienstag (3. August 2010)kamen wir um 7.00 Uhr in Bratuschani wohlbehalten und kaputt an. Lager bereiten, Lieder üben, duschen und schlafen füllte die Zeit bis 19:00 Uhr aus, und da begann schon der erste Gottesdienst.
Nicht das Bemühen um eigene Größe hilft uns, angenommen zu werden. Nur als Bettler werden wir des Himmels Erben. Diese Botschaft war unsere Hoffnung während der ganzen Fahrt.

Am Mittwoch den (4. August 2010) kauften wir Mehl, Reis, Zucker, Nudeln und Buchweizen. Diese Lebensmittel füllten wir in Gefrierbeutel, um sie an die Armen zu verteilen. Wir nahmen sie samt Bibel und Gitarre. Wir brachten damit neben dem Brot für den Leib auch das Brot für die Seele in die Häuser.
Im Abendgottesdienst hörten wir von Gesetzesmenschen, die etwas leisten und sich beweisen können. Der geistlich Arme aber kann nur kommen zu Dem, Der die Fülle für uns hat. Freiheit von der Jagd nach Verdienst und Anerkennung gibt es bei diesem Herrn, dem Herrn Jesus Christus.

Der Donnerstag (5. August 2010) begann mit einem Einsatz auf dem Markt. Die Sünde will der Mensch umsonst haben, und die Gnade möchte er sich verdienen. Die Sünde aber kostet den ganzen Körper, das Evangelium allein stillt allen Durst. Die Menschen hörten zu und Gott wird weiter an ihnen arbeiten. Außerdem hatten wir regelmäßig viele Besucher in der Kinderstunde. Der Same wurde dort gesät. Die Frucht wird die Ewigkeit zeigen. Nach dem letzten der zwei folgenden Gottesdienste kamen wir um 24:00 Uhr erschöpft zurück, um 6 Stunden später wieder vom Akkordeon geweckt zu werden.

Am Freitag (6. August 2010) ging es nach Lipcani in den Norden. Im Gefängnis hatten wir zwei Gottesdienste. Die Jugendlichen hörten von Dem, Der sie in Liebe anschaut und Der gerade den an sich selbst Zerbrochenen bei sich haben möchte. Nach einem reich gesegneten Mahl folgten noch drei Gottesdienste. Wobei die ganze Gruppe nur körperlich anwesend war und einige immer mal wieder vor Erschöpfung einschliefen. Der letzte Gottesdienst war unter freiem Himmel. Ein Schwarm von Mücken stürzte sich auf uns. Kinder schrieen, weil sie sich nicht wehren konnten. Trotz Wärme waren im Nu alle in Decken und Pullis eingehüllt. Ein Bruder machte ein qualmendes Feuer, das dann einen Teil der Mücken verjagte. Gegen 23.00 Uhr erhielten wir ein Abendessen, das in Liebe zubereitet nach einem solchen Tag besonders gut schmeckte. Müde, aber gesegnet kamen wir nach Mitternacht in unsere Betten.

Am Samstag (7. August 2010) waren wir auf einer Jugendkonferenz eingeladen. Wir hörten von den sechs Geheimnissen. Geheimnisse, die wir nicht schauen können. Gott gab uns als besondere Gabe das Geheimnis des Körpers. Dieses Geheimnis vor der Zeit zu schauen, raubt dem Geheimnis die Schönheit und es bleibt nicht Geheimnis, was nur im Geheimnis wahre Schönheit hat. Am Abend waren wir in einer großen Gemeinde zu Gast. Wie an vielen Orten fiel dort besonders deutlich auf, dass zirka 70 junge Schwestern, aber leider nur 30 junge Brüder im Gottesdienst anwesend waren. 70 Schwestern mit Kopftuch, nach Gemeindeordnung gekleidet. Schwestern, die auch gern Mutti werden und Familienglück erfahren möchten. Doch steht in den Augen eine unheimliche Angst. Die Angst, allein zu bleiben. Eine Angst, die oft totgeschwiegen und mit leeren, frommen Worten weggeredet wird. Wenn diese Angst nicht zur Ruhe in der Liebe des Herrn Jesus kommt, zieht diese Angst so manche Sünde nach sich. Eine liebe Schwester von uns wurde beim hinausgehen spöttisch und verächtlich von den Jugendlichen gemustert. Auf eine andere Schwester schauten dieselben Augen voller Neid. Wir fuhren weg, aber wie viele können aus solchem Elend der Rivalität und Geltungssucht nicht wegfahren? Wie viel verborgenes Leid gibt es unter so manch frommer Gottesdienstkleidung? Was wird im Gemeindeieben nicht alles totgeschwiegen?

Der Sonntag (8. August 2010) begann am See mit einer Taufe. Drei Menschen gaben dem Herrn ihr Herz. Ja, so ein schmutziges, nutzloses, verdorbenes Ding nimmt der Herr in Seiner Gnade an und schenkt Leben, wo die Sünde alles tötete. Nach einem reichen Mittagessen ging es in eine Gemeinde, die sich extra für uns zum Gottesdienst traf. Es war, wie die ganze Zeit über, sehr heiß gewesen. Oft wedelten wir in den Gottesdiensten uns Luft zu. Am Abend half auch mal eine Wasserschlacht zur Abkühlung. Der letzte Gottesdienst war in Balti, der zweitgrößten Stadt des Landes.
Die Gemeinde lehnte uns anfangs eher ab. Aber Gottes Wort öffnete die Herzen. Am Ende sagten wir, dass wir zu den Zigeunern gehen, um zu missionieren. Dafür gaben sie uns Benzingeld. Es war das erste Mal, dass eine Gemeinde uns Geld gab. Drei anstrengende Tage lagen damit hinter uns.

Der Montag (9. August 2010) sollte nun für die Kinder sein. Wir gewannen 3:2 ein Fußballspiel gegen die Kinder im Dorf. Die Kinder hatten die Fahrt gut mitgemacht. Sie hatten sich in den Gottesdiensten durch Instrumentbegleitung beteiligt und waren still geblieben. Ein Küchenplan teilte ganz gerecht jeden drei Mal zum Tischdecken und zum Abwasch ein. Drücken war nicht möglich, weil die Planung streng überwacht wurde. Denn wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen. Wer in der Sache Gerechtigkeit lernen will, der kann es von Kindern erfahren. :)
Am Abend ließ ein Mann mit Pferdewagen die Kinder mal mitfahren. Damit hatten sie auch ihre schönen Erlebnisse. Der verlorene Sohn wollte heim, der Daheimgebliebene hatte die Begierde nach draußen.
Saubere Erlebnisse sind für Kinder wichtig, sonst kommt später die Sehnsucht nach boshaften Erlebnissen im verdorbenen Herzen hoch. Ein Gottesdienst unter dem Sternenhimmel beendete den Tag.

Der Dienstag (10. August 2010) begann mit einem Markteinsatz in Edinet. Der Herr plante für uns, was wir nicht planen konnten. Wir hatten die besten Parkplätze und einen guten Stand für das Programm. Es ergaben sich viele Gespräche und Literatur wurde verteilt. In manchen Augen stand das Elend geschrieben. Einer aber hat Gedanken der Liebe mit ihnen. Vom Markt ging es zu einer Zigeuner-Familie. Sehr arm wohnend, haben sie uns im Freien nach ihrer Art bewirtet. Dann fuhren wir zu einem Gemeindehaus, wo viele Kinder versammelt waren. Wir sangen mit ihnen, sagten ihnen viel und sie konnten lang zuhören. Als wir fragten, ob es unter ihnen auch Streit gibt, sagten alle nein. „Beim Verteilen der Schokolade werden wir es sehen." war unsere Antwort. Warum belügen wir uns selbst gern über unseren wahren Zustand? Warum gehen so wenig zu dem Arzt der Seele? Sind wir noch zu gerecht, zu gut und zu satt? Oder meinen wir, dass uns der Arzt anklagt und sich dafür rächt, weil wir krank sind? Wen Gott heilen will, den führt Er zuvor in Not. Solange wir in uns selbst Kraft haben, haben wir kein Vertrauen zu Gott, dem Arzt. Von da aus ging es zum letzten Gottesdienst zu einer Gemeinde, die sich in einem alten Kino trifft. Es war eine schöne Gottesdienstgemeinschaft, und doch war das Interesse bei den Musikeinlagen lebendiger als bei der Predigt. Der Gemeindeleiter bestätigte uns traurig, dass die Jugendlichen am Wort kein Interesse haben und nur Musik machen möchten. So hindert eine Gabe, zum Geber selber durchzudringen. Wie werden wir Jugendliche den Kampf gegen die Sünde aufnehmen können? Ohne Jesus sind wir Menschen, die ihren Launen und Begierden leben. Wir hörten von den Sünden im Jüngerkreis. Da ist von Ehebruch und Alkohol nicht die Rede. Aber der Drang nach oben, die Sucht, etwas darzustellen, eine Rolle zu spielen, all diese Sünden waren ungebrochen in ihnen. Es sind unsere Sünden. Wie oft meinen wir, eine so wichtige Botschaft zu haben und wie schnell sind wir beleidigt, wenn wir zurückgestellt werden? Aber dann war alles doch nur ungestillter Ehrgeiz.

Der Mittwochmorgen (11. August 2010) war für unsere Kinder. Wir fuhren mit ihnen zum See und etliche waren auch im See. Manche freiwillig, andere unfreiwillig, aber alle hatten Freude. :-)
Am Nachmittag ging es nach Gaspar. Umgeben von herrlichen Sonnenblumenfeldern, liegt der idyllische Ort. Der Gemeindezaun besteht aus einem Maisfeld.
Was kann die Blume der Sonne geben und was gibt die Sonne der Blume? Was konnten wir dem Herrn in dieser Fahrt bringen und was gab ER uns? Der Gottesdienst war so schön, dass die Brüder immer noch weiter predigen wollten. Jedoch der Hunger trieb uns und die Geschwister in Bratuschani warteten auf uns. Die Liebe der Brüder verstand uns, der Gottesdienst wurde beendet, wir konnten noch etwas essen und kamen mit nur 10 Minuten Verspätung zum Abendgottesdienst an.

Am Donnerstag (12. August 2010) war unsere letzte Kinderstunde. Es kamen manche zum ersten Mal, und wir konnten noch einmal den Herrn Jesus vor die Herzen der Kinder malen. Mit Traurigkeit über den Abschied und Freude auf die Heimat packten wir unsere Sachen und versuchten, noch einen Platz in der Dusche zu ergattern. Am Nachmittag ging es dann zu unserem Abschlussgottesdienst.
Am Abend, nachdem das gezählte Geschirr samt allem Gepäck und den Essenskisten in den Autos verstaut war, verabschiedeten uns die Geschwister sehr herzlich. Sie waren uns lieb geworden. Treu hatten sie uns gedient. Liebende Hände bereiteten leckere Speisen und reinigten für uns die Toiletten.

Am Freitagmittag (13. August 2010) kamen wir in Rumänien an, wo eine kräftige Mahlzeit auf uns wartete. Nach etwas Schlaf ging es am Abend weiter.
Die Fahrzeit war gefüllt mit Gesprächen über Erlebnisse, Herzensanliegen und Fragen. Viel zu schnell waren wir in Altdorf, wo wir uns von vielen Geschwistern verabschiedeten. Gegen 18:00 Uhr (14. August 2010) erreichten wir wohlbehalten Neustadt, wo wir auseinander gingen.

Im Namen unserer ganzen Gruppe und der moldowenischen Geschwister sei hiermit ein herzlicher Dank ausgesprochen an alle, die diese Fahrten durch ihre Gebete und Gaben möglich machten. Viele Notleidende kamen zu unserem Quartier, erzählten uns ihr Elend und wir brauchten sie nicht mit leeren Händen fortzuschicken. Wir sind weg, die Literatur ist da und der Same fällt in die Herzen und bringt Frucht für die Ewigkeit. Gemeinden haben etwas Geld bekommen für wichtige Ausgaben. In Kindergarten und Gefängnis konnten wir durch kleine Gaben unsere Liebe praktisch zeigen. Für die Schule kauften wir noch Medikamente sowie die nötigen Produkte für die Renovierung. In vielen dankbaren Augen durften wir den Dank entgegennehmen, der eigentlich Eurer treuen Unterstützung gilt, ohne die alles nicht möglich gewesen wäre.

Bericht eines Mitfahrers
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