Reisebericht Rumänien Dezember 1999

Rumänienreise vom 8. bis zum 16. Dezember 1999

Um viertel nach fünf trafen wir uns zum Frühstück und brachen dann um sechs Uhr zur Fahrt auf. Bei den Kasernen in Neustadt trafen wir den Großteil der Truppe, der sich fertig gemacht hatte zur Abfahrt nach Rumänien. Zwei LKWs und drei Kleinbusse mit Anhängern standen voll beladen bereit. Nach kurzen Anweisungen und einer kleinen Vorstellungsrunde hatten wir eine Zeit des gemeinsamen Gebets.

Die meisten kannten sich nicht untereinander, denn wir kamen aus verschiedenen Orten und Bundesländern. Und dennoch fühlten wir uns miteinander verbunden, denn der Herr Jesus war unser aller Mittelpunkt. Jetzt war es höchste Zeit zur Abfahrt. In der Nähe von Heilbronn kam ein weiteres Fahrzeug mit drei Russlanddeutschen zu unserer Gruppe dazu.

Die erste Bewahrung erlebten wir kurz danach. Der Anhänger eines LKWs bremste plötzlich ohne ersichtlichen Grund. Doch der Fahrer merkte es noch rechtzeitig, so dass kein Unfall passierte. (Der Anhänger musste wieder zurückgebracht werden vom Abschleppdienst, weil er nicht so schnell zu reparieren war).

Auch in Bayern und Österreich stießen noch einige Geschwister zu unserer Gruppe dazu. Zum Schluss bestand unser Konvoi aus acht Fahrzeugen mit 22 Personen. An der österreichisch-ungarischen Grenze wurden wir recht schnell abgefertigt. An der rumänischen Grenze mussten wir aber dafür neun Stunden warten, bis die ganzen Formalitäten abgewickelt waren.

Die erste Stadt, durch die wir in Rumänien führen, machte einen sehr heruntergekommenen Eindruck. In einem alten Kraftwerk, das zuerst verlassen, verkommen und uralt aussah, brannten noch Lichter - es schien noch in Betrieb zu sein??! An einer Ampel lief ein Straßenkind auf unser Auto zu, stieg ungefragt auf die Stossstange und fing an, die Frontscheibe zu putzen (in der Hoffnung sich deutsches Geld zu verdienen). Als wir die Stadt verlassen hatten, wurde die Landschaft sehr abwechslungsreich: kleine, teilweise uralte, urige Dörfer, Hügel, Berge, Felder und Obstwiesen.

Um 22 Uhr kamen wir sehr müde bei Johann in einem transsilvanischen Ort an. Dort erlebten wir die erste rumänische Gastfreundschaft. Beeindruckend fand ich, dass wir mit Herzlichkeit und Fürsorge aufgenommen wurden, obwohl wir nur eine der vielen Gruppen waren, die bei Johann verpflegt wurden. Ein Teil der Hilfsgüter wurde dort schon abgeladen, um bedürftigen Geschwistern zugute zu kommen.

Wir Frauen waren bei Viktor und seiner Frau untergebracht. In einer kleinen armselig wirkenden Hütte stand ein gedeckter Frühstückstisch, an dem uns seine Frau und ihre älteste Adoptivtochter bewirteten. Dabei erzählte sie uns, dass sie bis jetzt schon neun Kinder aufgenommen haben. Eigene Kinder haben sie nicht. Ein kleiner Junge, der erst vor kurzem in die Familie aufgenommen wurde, frühstückte mit uns. Seine Mutter starb, sein Vater war Alkoholiker - und so trieb sich das Kind fast immer auf der Strasse herum. Jetzt war es Mitglied einer großen Familie und man sah ihm an, dass es glücklich war.

Über drei Stunden Fahrzeit benötigten wir nach Lupeni, das am Fuße der Kaparten liegt. Gleich bei unserer Ankunft wurden wir in einer Gemeinde schon erwartet, um den Gottesdienst dort mit Zeugnissen, Liedern und Predigten zu gestalten, die von Johann ins Rumänische übersetzt wurden. Am Abend besuchten wir noch das dazugehörende Kinderheim. Wir sangen einige christliche Kinderlieder. Einer aus unserer Gruppe erzählte den Kindern spontan eine Geschichte. Müde und erfüllt von den vielen Eindrücken des Tages durften wir Schwestern für drei Tage eine sehr gut eingerichtete Wohnung beziehen, während die Männer in der Kirche übernachteten. Ein lautes Quieken weckte uns am frühen Morgen. Es war eines von vielen Schweinen, das in der vorweihnachtlichen Zeit von den Stadtbewohnern am Straßenrand geschlachtet wurde. Bei Tageslicht sahen die Häuser der Stadt furchtbar schmutzig, kasernenhaft und trostlos aus. Unter Ceaucescu entstand diese, wie auch andere Städte in der Gegend, um Arbeiter für das Braunkohlebergwerk zu gewinnen. Jetzt sind die Bergwerke stillgelegt. Ein Grossteil der Menschen (85%) verlor ihren Arbeitsplatz. In ihren Gesichtern zeichnen sich Ratlosigkeit und Hoffnungslosigkeit ab. Diese Gegend zählt zu den ärmsten in Rumänien. Auch die Glaubensgeschwister sind von der Arbeitslosigkeit betroffen. So war das Teilen der Hilfsgüter gerade für diese Geschwister ein Zeichen der brüderlichen Liebe und Anteilnahme.

Danach ging es nach Petrila, einer Arbeiterstadt, in der es ebenfalls große Bergwerke gab. Schwarz-dunkel gefärbte Baracken und Reihenhäuser. Dreck, Schmutz, Müll und qualmende Kamine - überall. In das städtische Krankenhaus brachten wir Krankenhausbetten und anderes Mobiliar. Viele Mitarbeiter kamen zum Ausladen. Sogar der Krankenhausdirektor kam und half selbst auch mit. Danach bot sich die Gelegenheit vielen Mitarbeitern und Patienten die frohe Botschaft des Evangeliums zu sagen, auch durch Lieder, die wir in rumänischer Sprache sangen.

Wie freuten wir uns, als wir in der nächsten abendlichen Veranstaltung der dortigen Gemeinde in Petrila den Krankenhausdirektor sahen. Jeweils nach den Gottesdiensten gab es Möglichkeiten mit den Gemeindemitgliedern in Englisch oder durch Übersetzer ins Gespräch zu kommen.

Ziemlich zum Schluss unserer Reise besuchte ein Teil der Gruppe einige arme Familien. Es sind Gemeindemitglieder in einem Ort in den Kaparten, in der Bruder Laser der Pastor ist. Er selbst verteilte die Kleider und Lebensmittel unter die Geschwister in seiner Gemeinde. Es hat mich stark beeindruckt, mit welcher Herzlichkeit Bruder Laser die Kinder mit Namen begrüßte. Er wusste um die einzelnen Nöte und Probleme. Zuerst führte er uns zu einer Familie mit 17 Kindern. Der älteste Sohn war ca. vier Monate zuvor bei einem Arbeitsunfall im Bergwerk ums Leben gekommen. Dennoch konnte man keine Verbitterung verspüren. Im Gegenteil: Sie strahlten eine lebendige Hoffnung und Liebe aus. Jeder half mit, auf dem kleinen Hof mit allerlei Tieren und Gemüseanbau. Und auf welch engem Raum lebten sie doch zusammen! Bei der anderen elfköpfigen Familie erlebten wir auch, dass sie sich sehr über unseren Besuch freuten. Neun blasse Kindergesichter, im Alter von sechs Monaten bis 14 Jahren, schauten uns mit großen Augen an. Die Mutter und einige ihrer Kinder liefen barfuss herum, weil sie kein Geld für Schuhe hatten. Die Mutter selber und das zweitjüngste Mädchen sind asthmakrank und der Vater arbeitslos, was keine Seltenheit ist. Er hilft viel in der Gemeinde mit. Wie dankbar waren sie über die mitgebrachten Kleider und Pullis!

Unterwegs umarmte Bruder Laser ein kleines Mädchen, das von der Schule kam und sehr schielte. Es hatte kein Geld für einen Optiker - und auch ihm durfte geholfen werden. Es ist eine so große Not dort und gerade da erleben die Menschen oft die Realität Gottes. So erzählte uns eine Frau, wie sie den Herrn um Geldhilfe bat. Niemandem sonst erzählte sie von ihrer Not. Zur rechten Zeit sandte der Herr Menschen, die ihr den ganzen Betrag für ihre Schulden gaben, ohne davon zu wissen. Ja, der Herr hilft über Bitten und Verstehen!

Für uns war die Rumänienreise ein sehr eindrucksvolles Erlebnis - sowohl die Fahrt, als auch die Menschen in ihren Lebensumständen kennenzulernen. Beeindruckt hat uns besonders die Liebe und die Verbundenheit unter den rumänischen Christen.

Reisebericht einer Mitfahrerin


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