Reisebericht Rumänien Dezember 2004

„So ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind, die nicht nach dem Fleisch wandeln,
sondern nach dem Geist."
Römer 8:1

Rumänienfahrt im Dezember 2004

Am Donnerstag, den 3. Dezember 2004, fuhren wir von Neustadt an der Weinstraße Richtung Rumänien. In Heilbronn stiegen die letzten Geschwister zu, und die Gruppe war mit 18 Personen vollzählig. Die Sonne schien hell auf die Straßen, und wie es in unseren Herzen aussah, wusste nur DER, DER auch die tiefsten Geheimnisse unseres Herzens kennt. Die Brüder in den Autos wussten den Weg zum Ziel und hatten einen genauen Plan. So weiß auch der gute Hirte einen Weg zu unseren Herzen zu finden. Sein Plan für unser Leben ist lauter Güte. Die Geschwister vertrauten den Brüdern, die uns richtig fuhren. Wie viel mehr vermag ER, Jesus Christus, uns auf rechter Straße zu leiten um seines Namens willen, auch wenn wir oft keinen Ausweg mehr sehen.

Am Freitag kamen wir nach 22 Stunden Fahrzeit ohne Zwischenfälle dank Gottes Gnade gut an.
Bei der Familie von Johann konnten wir uns dann ausschlafen und uns auf alles vorbereiten. Wir übten rumänische Lieder, wobei uns klar war, dass die Herzen eher durch Mitleid mit uns, als durch unsere Gesangskunst gewonnen werden. :-) So passten die Lieder gut zur Botschaft, dass sich Gott in den Schwachen verherrlicht. Der Herr Jesus zeigte seine Stärke ja darin, dass ER Selbst am Kreuz in Schwachheit ausharrte. So hält Er uns auch oft in Schwachheit, dass wir von unserer Vielfältigkeit (Christus und meine Kraft) in die Einfältigkeit (Christus allein) wachsen können. („Denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark") Stärke bedeutet, in der Verachtung stille zu halten und nicht auf zu begehren. „Lass dein Sorgen sein, ER will dein Alles sein." Der Herr Jesus war gehorsam dem Vater gegenüber. Er tat nur, was ER den Vater tun sah. Wie viel tun wir, ohne aber Frucht zu bringen, nur weil wir unser eigenes Werk aufbauen wollen?

Am Samstag fuhren wir weit in das Landesinnere, Richtung Lupeni. Die Gastfreundschaft der Geschwister hat uns immer sehr bewegt, und es war einfach schön bei ihnen, weil alles mit Liebe zugerichtet war. Wir schliefen in einem Altenheim, das noch im Umbau war. Die Geschwister in dem Ort hatten ein verfallenes Mehrfamilienhaus von der Stadt, welches in liebevoller und zeitaufwendiger Arbeit zu einem Heim für alte und obdachlose Menschen hergerichtet wurde. Trotz Notheizung war es nachts sehr kalt gewesen. Wir mussten dann an die Menschen denken, die nur kalte Wohnungen haben. Wie wenig Wärme gibt es in unseren Herzen? Warum ist so wenig in dieser kalten Endzeit davon zu spüren? Gott sucht uns und wirbt in Liebe durch Freude und Leid um unsere Herzen. ER will uns auf seinen Schultern zurücktragen in SEINE Gemeinschaft. Wir besuchten auch kranke und arme Menschen, die Hilfe brauchten. Mit den finanziellen Gaben, die Gott uns durch liebe Geschwister anvertraut hat, konnten wir vor Ort viele Lebensmittel einkaufen und den Bedürftigen helfen. Wenn wir mit dem Ziel leben, glücklich zu werden, werden wir enttäuscht; wenn wir aber in unserem Leben Andere glücklich machen, erleben wir das wahre Glück.

Nach drei Tagen fuhren wir zurück zur Familie von Bruder Johann, durften uns dort duschen und erholen, um gleich für den neuen Einsatz bereit zu sein.
Wieder unterwegs, quer durch Rumänien Richtung Osten, überholten wir Zigeunerwagen und jagten die Berge hoch, um zu unseren Geschwistern zu kommen. Wir besuchten eine Zigeunergemeinde, die neu gebaut hatte. Letztes Jahr hatten wir uns noch in einen zehn Quadratmeter großen Raum gequetscht und nun stand schon ein Rohbau da. Aus Freudigkeit kauften wir den Geschwistern Fenster, Isoliermaterial, einen Ofen, Glas, Nägel, Isolierfolie und so weiter, damit das Gemeindehaus winterfest gemacht werden konnte. Wir übernachteten in einem anderen Gemeindehaus. Ein Wasserschlauch, der nach draußen ging, und ein Plumpsklo um die Ecke hatten den hygienischen Bedürfnissen der Gruppe Genüge getan. Die Schwestern hatten zwei kleine Spiegel, etwa eine Handfläche groß, dabei, die für alle genügten, welch ein Erlebnis! Vor allen Dingen war die Gemeinschaft miteinander einfach schön gewesen.

Wir besuchten noch zwei Zigeunergemeinden. Marian, ein rumänischer Bruder, erzählte uns am Abend, wie alles entstanden war. Er wurde von seinem Arbeitskollegen, einem Zigeuner, eingeladen. Als er kam, war das ganze Haus voller Menschen und er „musste" uns erzählen, wie der HERR ihn aus dem Schlamm der Sünde gerettet hat. So begann der HERR hier Seine Gemeinde zu schaffen. In einem Dorf begann Marian das Evangelium den Kindern zu erzählen, die sich dafür schlagen ließen und sich bei ihm unter dem Sofa vor den zornigen Eltern versteckten. Er wollte aufgeben, doch die Kinder mahnten ihn zur Treue. Auf Tränensaat kommt doch Freudenernte, und so durften die Kinder und Marian auch erleben, wie die Eltern zum Glauben kamen. Hier baut DER, DEM alle Gewalt gegeben ist, Selber Seine Gemeinde. In der Natur besteht Leben aus Blühen und Welken. Leben hat Not und Freude, Weinen und Lachen. Warum ist bei uns so oft nur Disziplin, tote Höflichkeit und damit totes Wesen? Heute gibt es in diesem Dorf eine Schule, die von zwei jungen Schwestern aus der Gemeinde geleitet wird. Beide haben nur dürftige Ausbildung und bringen den Kindern bis zur 4. Klasse Lesen und Schreiben bei. Im Gemeindehaus bekommen die Kinder ein warmes Essen und Hausaufgabenbetreuung. Mit einer Geldspende durften wir diese Arbeit bei den Zigeunern unterstützen. Ein Bruder unserer Gruppe war Arzt. Dank Gottes Gnade konnte er vielen Kranken in diesem Zigeunerdorf helfen.




Dann ging es nach Kraiova in eines der schlimmsten Hochsicherheitsgefängnisse Rumäniens. Doch wurde die Tür zum Gefängnis für uns verschlossen. Eine fremde Gruppe machte dort heimlich Aufnahmen, verteilte illegal Drogen und alles kam an die Öffentlichkeit. Dazu war es der Freitag vor den Wahlen. So wollte die Gefängnisleitung kein Risiko eingehen, eine ausländische Gruppe hineinzulassen. Wir kamen ja nicht in unserem Namen und so hat DER, DEM kein Ding unmöglich ist, uns im letzten Moment die Tür dann doch geöffnet, damit wir den Gefangenen sagen konnten, dass wir alle Gefangene sind: Gefangen in uns selber, Gefangen in und durch die Sünde. Blumen öffnen sich bei Licht, doch unsere sündigen Herzen für die Finsternis. Aber EINER ist da, DER allein die Türen öffnen kann. Der das tut, was unsere Disziplin, unsere Gebete und Werke nicht erreichen können. Sein Gebet für uns, Sein Werk auf Golgatha, ist genug für uns! Das allein ist unser Trost.
Dann ging es zurück zu unserer Gastfamilie von Bruder Johann.

Am Samstagmorgen besuchten wir ein Zigeunerdorf nahe Pitresti. Bei dem Gottesdienst unter freiem Himmel waren auch viele Kinder anwesend. Ein Bruder aus der Gruppe sprach über das Wort aus Johannes 3:16 „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben." Nach der Predigt nahm er eines der Kinder auf den Arm, um noch deutlicher zu zeigen, wie Christus uns in die Arme nimmt. Da die Strassen dort sehr matschig waren, wurden die Hosen dieses Bruders schmutzig. Hier wurde uns der Unterschied zwischen Gott und Mensch deutlich, denn wenn der Herr Jesus uns in die Arme nimmt, wird er durch unseren Sündenschmutz nicht schmutzig! Er bleibt rein und deshalb dürfen auch wir rein in IHM sein.

Nach einem Gottesdienst ging es dann wieder Richtung Heimat. Neustadt erreichten wir nach 19 Stunden. Jeder zog dann wieder seinen Weg. Aber jeder durfte beschenkt nach Hause gehen. Vielleicht auch mancher beschämt, weil er sich auf der Fahrt erkennen durfte; beschämt, weil der Neid doch noch im Herzen wohnt; beschämt über die Geltungssucht, sich in den Mittelpunkt stellen zu müssen. Ach, hier wird viel offenbar. Vieles, was wir am Anderen sehen, ist ja nur ein Spiegelbild dessen, was in unseren Herzen geschieht. Manche unserer Kämpfe sind nach außen hin sichtbar, andere geschehen unsichtbar im Inneren. Beides zeigt uns Christus in Seiner Gnade und gebraucht es, um uns dadurch im Glauben reifen zu lassen. Der HERR Jesus beschenkt die, die beschämt sind über sich selbst, schenkt ihnen das Kleid Seiner Gerechtigkeit. Und wenn wir IHN haben, haben wir alles, was wir brauchen.

Bericht zweier Mitfahrer
Voll Dankbarkeit blicken wir zurück auf das vergangene Jahr. Wir wurden bewahrt über Bitten und Verstehen. Alles Dienen durften wir durch Seinen außergewöhnlichen Segen vollbringen. Ob in der Ukraine, Kasachstan, Moldavien oder Rumänien, überall waren die Türen und die Herzen offen für Sein wunderbares Evangelium. Starke wurden klein und Kleine wurden gesichert. Danke für alle Gaben, für Alle, die mitgefahren sind, Danke für alles Tragen und Ertragen. Dankbar sind wir, dass Gott in seiner Gnade alle Fahrzeuge schadlos erhalten hat. Danke für jede Geldspende, und wenn nicht immer ein Dankeschön von uns kommt, so wird der Himmel es einst danken. Voll Zuversicht blicken wir ins neue Jahr und wollen weiterhin, so Gott will, Botschafter an Christi statt sein, und der Herr uns grenzenlos Dienste tun lässt. Wir wünschen Euch Allen ein gesegnetes neues Jahr und ein liebevolles Miteinander und Verstehen. ... Eure Hermann und Inge
Das Zeugnis von Bruder Marian aus Pitesti findet Ihr als Audiodatei auf unserer Seite "Zeugnisse" unter der Rubrik "Predigten & Gedanken" > "Audiodateien" mit dem Titel "Des HERRN Werk im Zigeunerdorf" oder klickt zum Hören einfach hier >
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