Reisebericht Rumänien März / April 2005

Rumänienfahrt Ostern 2005 -  vom 24. März  - 3. April 2005

Um ehrlich zu sein, hatte ich vor der Fahrt ziemlichen Bammel davor, überhaupt nach Rumänien zu fahren. Man hatte mir zwar weitgehend nur Gutes und Schönes über diese Fahrten erzählt, aber dennoch blieb ja die Tatsache bestehen, dass ich in ein mir absolut fremdes Land mit einer total anderen Kultur fahren würde - weit weg von zu Hause, wo ich es doch gewöhnt war, mich maximal 600 km allein und ohne meine Mutter von meiner Heimatstadt zu entfernen.

Nach einigem Hin und Her ging es dann am 23. März nach Bayreuth. Von dort fuhren wir am nächsten Tag zur Raststätte Jura, wo wir dann endlich auf die Gruppe trafen. Die Aufregung vor dem Treffen war natürlich megagroß; wer sind die Leute, wie sind die Leute - wie das halt so ist. Zu meiner großen Überraschung und Freude waren ziemlich viele junge Leute mit von der Partie. So war es auch überhaupt kein Problem, die ersten Bekanntschaften zu schließen, und rückblickend kann ich sagen, dass wir in Rumänien eine sehr schöne, harmonische und gesegnete Gemeinschaft hatten, für die ich sehr, sehr dankbar bin.

Nach ungefähr 20 Stunden Autofahrt und wenig Schlaf kamen wir am nächsten Morgen zu noch sehr nächtlicher Zeit in unserem „Hauptlager" bei Johann und seiner Familie an. Nach einer kurzen Besprechung begaben wir uns, mehr oder weniger torkelnd, in unsere Betten, in denen wir sogar ganze vier Stunden bleiben durften.
Nach dem Frühstück ging es ans Aus- und Umladen, und nachdem das geschafft war, hieß es erst mal einige rumänische Lieder lernen. Man kann sagen, dass dies eine sehr anstrengende und ermüdende Angelegenheit war, die einigen von uns, je länger es dauerte, immer weniger Freude bereitete. Aber als wir sie dann in den Gottesdiensten sangen, kehrte die Freude zurück, und einige bekamen letztendlich vom Singen gar nicht mehr genug.

In den nächsten Tagen waren wir in den verschiedensten Gemeinden, und so unterschiedlich sie auch waren, hatten sie doch etwas gemeinsam: sie waren alle super nett und sehr gastfreundlich, und nachdem die ersten sprachlichen Schwierigkeiten überwunden waren, hatten wir sehr viel Freude und eine schöne Gemeinschaft miteinander. In fast jeder Gemeinde hatten wir die Möglichkeit, die Leute bei sehr leckeren und oft umfangreichen Gerichten kennen zu lernen.

Bei all der Vielfalt, die uns geboten wurde, freute ich mich besonders über das Essen in einem Zigeunerdorf, in dem die ganze Gemeinde zusammenlegte und so für uns Brot mit Butter und etwas Wurst servierte. Überhaupt gefiel nur die Atmosphäre bei den Zigeunern total gut - sie strahlen eine Wärme und eine Leidenschaft aus, bei der man sich einfach nur wohl fühlen kann, so dass es mir jedes mal sehr schwer fiel, die einzelnen Gemeinden zu verlassen.
Auch die Besuche bei den armen Familien und im Gefängnis haben bei mir einen tiefen Eindruck hinterlassen. Es ist echt erschreckend, unter was für Bedingungen manche Menschen dort leben; gleichzeitig ist es sehr beeindruckend, wie sie mit ihrer Situation zurechtkommen.
Das ist etwas, was mich seit meiner Rückkehr nach Deutschland ein klein bisschen ärgert - wir Deutschen haben so viel, geradezu allen möglichen Schnickschnack und kommen weder damit zu recht, noch sind wir besonders damit zufrieden oder gar dankbar. In Rumänien haben viele so gut wie nichts, aber sie holen oft das Beste aus dem heraus und sind zufrieden mit dem, was sie haben. Auch von der Art sind die Menschen dort einfach viel freier und offener.

Im Gefängnis fand ich besonders die Frauen sehr faszinierend, was zum Teil auch daran lag, dass ich mit den Männern wenig Kontakt hatte. Wir brachten ihnen ein paar kleine Dinge wie Seife, Toilettenpapier oder auch Schokolade, worüber sich die meisten so sehr freuten, dass einige von ihnen sogar anfingen zu tanzen. In ihren Gesichtern sahen wir sowohl Kummer, als auch teilweise Härte. Manche waren vom Leben regelrecht abgenutzt und leer, so dass wir uns umso mehr freuten, als zum Ende unseres Besuches bei fast jeder von ihnen ein kleines Lächeln auf den Lippen und ein Funkeln in den Augen zu sehen war. Im Nachhinein fand ich es sein: erstaunlich, was für eine schöne Zeit wir mit diesen Frauen hatten, da ich am Anfang schon etwas Respekt davor hatte, überhaupt in ein Gefängnis zu gehen.

Nun, fast vier Wochen nach meiner Rückkehr, kann ich sagen, dass ich die gesamte Zeit auf der Fahrt einfach nur super, super schön fand; die Leute und die Gemeinschaft waren einfach nur total toll, und ich vermisse die Gruppe sehr; wobei ich zugeben muss, dass ich die Kinder und überhaupt die ganzen Leute, die wir m Rumänien kennen gelernt haben, noch ein ganzes Stückchen mehr vermisse und lieber heute als morgen wieder dorthin fahren würde.
Ich weiß nicht, was Gottes Plan für mein weiteres Leben ist, und ob ich noch einmal die Gelegenheit bekommen werde, die ganzen Leute wieder zu sehen, aber im Gebet bin ich bei ihnen; hoffe und bete für uns, dass ich sie alle im Himmel wieder sehen kann.

Reisebericht einer Mitfahrerin
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