Reisebericht Rumänien März 2008

„Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig."

Rumänienfahrt
März 2008

Psalm 23:1 „Der HERR ist mein Hirte!“ Immer wieder wurde das Wort vom guten Hirten während der ganzen Rumänienfahrt angesprochen.

Unsere Reise begann am 13. März 2008 von Neustadt aus nach Rumänien mit 18 Geschwistern, viele davon Jugendliche. Ich musste an Samuel Hebich denken, denn von ihm wird berichtet, dass er mit suchender, herzgewinnender Liebe sich dem Geringsten nahte und es oft unmöglich war, ihm auszuweichen, denn selbst den Fliehenden lief er mit jugendlichem Eilschritt nach und warf den Haken eines göttlichen Wortes ins Herz und Gewissen. Das Wort von der Sünde und Gnade, vom Tod und Leben, von ewiger Errettung und ewiger Verdammnis, das ist das Netz. Den Stolzen schmetterte er mit dem mächtigen Zeugnis von Gottes Heiligkeit und Gericht in den Staub. Dem Selbstgerechten deckte er mit schonungsloser Hand den dunklen Abgrund seines Herzens auf. Den Spötter brachte er mit der scharfen Geißel weniger Kernsprüche zum Schweigen. Die suchende Seele umfasste er mit herzgewinnender Liebe und führte sie zum Tröster und Nothelfer aller Heiden. Ach, könnten wir doch Samuel Hebich gleichkommen.

Am 15. März 2008 besuchten wir das Zigeunerdorf Loman, wo wir eingekauftes Mehl verteilen konnten. Draußen versammelten wir uns, um die Botschaft vom Evangelium zu hören.
Anschließend spielten wir mit den vielen Kindern auf dem Hügel Fußball und anderes.
Abends fuhren wir zum Gottesdienst nach Rosia de Secas. Der Gemeindeleiter dort ist auch der Bürgermeister. Ein sehr sicherer Bruder, zu viel Stolz. Um ein Zeugnis für die Dorfbewohner zu sein, holen Gemeindemitglieder die orthodoxen Kirchengänger mit dem Gemeindebus von ihrer Messe ab. Das ist ein offenes Zeugnis, da die orthodoxe Kirche nicht gerade anmutig gegenüber den Gläubigen ist. Ich will mich fragen, ob ich nur den Text oder ob ich den Hirten aus Psalm 23 kenne. - Kenne ich Text, dann ist es nur Wortphilosophie. Kenne ich den Hirten, dann ändert sich mein Leben.

Der nächste Tag war ein Sonntag, an dem wir uns morgens zum Gottesdienst in Petresti versammelten.
Anschließend fuhren wir nach Petrilia zum Abendgottesdienst. In Lasers Mega-gemeinde. :-)
Nach dem Gottesdienst fuhren wir in das Altenheim in Lupeni, welches unsere neue Unterkunft wurde. Durch unsere jugendliche Lautstärke hat sich aber keiner stören lassen, im Gegenteil, wir wurden gut aufgenommen und auch leiblich versorgt. In der Nacht, als wir zurückkamen, putze das Personal noch den durch uns verschmutzten Boden. Der Bruder Jakob Messarosch, der das Heim leitet, wird dort geliebt und ist für viele wie ein Vater. Er hat uns selbst gesagt, dass er keinen Lohn dafür erwartet; sein Lohn ist die Liebe, die er bekommt. Das Altenheim erfüllt alle staatlichen Auflagen. Leider darf kein Waisenheim zusätzlich darin eingerichtet werden, was ursprünglich geplant wurde. Im Monat hat das Altenheim eine Stromrechnung von 800 Euro. Einer unserer Brüder spaltete zur Freude aller Holz zum Heizen. An einem Tag konnten wir auch einen kleinen Gottesdienst durchführen und die Alten in den Zimmern kurz besuchen.

Am 17. März 2008 fuhren wir nach Straja auf die Berge in das wunderbare schneebedeckte Skigebiet. Dort erquickten wir uns brüderlich im Schnee mit interessanten Schnee-Ringkämpfen.
Abends fand noch mal ein Gottesdienst in Lupeni statt. Das Altenheim ist an die Gemeinde angeschlossen. Eine unserer jüngsten Mitfahrerinnen hat sich dort ganz inniglich verliebt … in ein kleines Straßenhündchen :-).

Wenn es freie Zeit gab, so wurde diese von manchen zum Traktate verteilen genutzt. So auch am 18. März 2008, als wir dann auch Lebensmittel einkauften und in Tüten verteilten für arme Familien. Beim Austeilen der Tüten konnten auch einige in die "Wohnung" mitgehen. In einer Wohnung lebt ein blindes Ehepaar, die Frau ist auch noch taub. Irgendwie müssen sie versorgt werden. Abends kamen wir dann in Vulcam zum Gottesdienst zusammen. Die Gemeinde grüßt euch mit 1. Mose 31:49 und Hebräer 10:35-37. Die Gemeinde hat ein großes Projekt vor - ein neues, größerer Gemeindehaus und anschließend ein Altenheim.

Am 19. März 2008 wurden wir nach Petrila zu einer Familie eingeladen, die uns in einem Gottesdienst kennen gelernt hat. Vor neun Jahren kam er von Halle in Deutschland in ein kleines Dorf in Siebenbürgen. Dort hat er seine Frau kennen gelernt und gemeinsam nahmen sie Kinder aus Zigeunerdörfern und liegen gelassene Kinder aus Krankenhäusern auf. Vor sechs Jahren zogen sie dann nach Petrila und mit Gottes Hilfe konnten sie auch trotz skeptischer Kostenüberschlagung im Glauben ein Heimhaus bauen. Viele Jahre gingen sie in eine amerikanisch geprägte Gemeinde; jetzt befindet sich die Gemeinde in einer sehr schwierigen Situation. Grobe Verletzungen und Hochmut haben das Gemeindeleben entseelt. Einer wählte sogar den Freitod, viele sind geistlich entschlafen. „Ich bin in die Irre gegangen wie ein verlorenes Schaf; suche deinen Knecht!“ (Psalm 119:176). Das Zeugnis war nicht nur erschütternd, sondern auch warnend. Wir können im Gebet um Heilung bitten. „Er heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden“ (Psalm 147, 3). Der frühere Pastor der Gemeinde, ein Amerikaner, spielte eine wesentliche Rolle im jetzigen Zustand der Gemeinde. Er hat sich an Kindern vergangen. Er ist jetzt in USA und steht vor Gericht. Sollen die Hirten nicht die Herde weiden? ... , „aber die Herde weidet ihr nicht“... „Das Schwache stärkt ihr nicht, das Kranke heilt ihr nicht, das Verwundete verbindet ihr nicht, das Verscheuchte holt ihr nicht zurück, und das Verlorene sucht ihr nicht, sondern mit Strenge und Härte herrscht ihr über sie“ (Hesekiel 34, 4).
Abends fuhren wir zum Gottesdienst nach Anioasa. Eine sehr arme und interessante Gemeinde. Die Schwiegertochter des Ältesten ist sehr krank. Allein um im Krankenhaus aufgenommen zu werden, brauchten sie 600 €. Die Teenager in der Gemeinde waren offen für Gespräche. Auch dort konnten wir ein paar Bücher zurücklassen, zum Beispiel: „Jesus unser Schicksal“ (Autor Wilhelm Busch) Einer der Jugendlichen erzählte von seinem Schicksal. Er hatte einen Unfall mit Strom und sein rechter Arm musste amputiert werden. Manch ein Lamm muss erst vom Hirten ein Bein gebrochen bekommen, um dann, durch die liebevolle Pflege des guten Hirten, vertrauen zu lernen und willig dem Ruf des Hirten zu folgen. Er verbindet, wenn er verwundet; auch Heilung wirkt seine Hand, wenn er schlägt. (Hiob 5, 18).

Am 20. März 2008 fuhren wir 120 km weiter nach Alimpesti zu einer jungen Gemeinde. Jeden Sonntag fährt ein Bruder aus Lupeni diese Strecke, um die Gemeinde zu betreuen. Mitten im Gottesdienst kam ein vornehmer Mann aus Neugier in den Gottesdienst. Gegen Ende hat er sich gemeldet und erzählt, dass ihm der Kontrast zwischen der Gemeinde und der orthodoxen Kirche aufgefallen ist. Er hat erzählt, dass in der orthodoxen Kirche Geld veruntreut wurde und diese Art Gottesdienst und solche Lieder hat er noch nie erlebt. Auf diese Art wurde er angeregt, Gott zu suchen.
Nach dem Gottesdienst hatten wir eine schöne Gemeinschaft beim Essen. Unbefangen wurde miteinander gesungen und sich gefreut. Die Gemeinde lässt euch mit 2. Johannes 8 grüßen.

Von dort aus fuhren wir nach Craiova, wo wir am nächsten Tag das Gefängnis besuchten. Eigentlich muss man angemeldet, genehmigt und volljährig sein, um in das Gefängnis zu kommen, aber durch Gottes Wunder durften wir alle hinein. Einige durften dann in den Zellen Geschenktüten verteilen. Einige fühlten sich überfordert. Dann konnte ein Gottesdienst vor Männern, die wegen Mord oder Vergewaltigung im Gefängnis sind, gehalten werden. Anschließend erzählte der Gefängnispsychologe von den Nöten der Gefangenen. Das Gefängnis erhält Geld für das Nötigste, wie Reparaturen, Lebensmittel usw., aber kein Geld für Ausbildung und Vorbereitung der Gefangenen auf das Leben nach dem Gefängnis. Außerdem erzählte er uns, dass viele der Gefangenen, die lange Zeit im Gefängnis sind, allein gelassen, vereinsamt, von Freunden und Familien, sich zu Gott wenden. Von den Spenden wurde Geld für Ausbildungsmaterial und Fenster dagelassen. Abends kamen wir zum Gottesdienst wieder zusammen.

Am nächsten Tag fuhren wir weiter nach Butoiesti und Filiasi zum Gottesdienst. Faliasi ist eine sehr dynamische Zigeunergemeinde. Von dort auch Philipper 4:8-9 als Grußwort.

Am 23. März 2008 kamen wir wieder zum Gottesdienst zurück nach Petresti (Grußvers: 5. Mose 18:13).
Abends fuhren wir nach Garbova. Der Gemeindeleiter hat uns sehr beeindruckt. Er ist ein fürsorglicher Hirte der Gemeinde. Schon viele Jahre dient er vor Ort mit seiner Frau, obwohl sie als Sachsen die Möglichkeit hatten nach Deutschland zurückzukehren. Die Arbeit unter den Zigeunern ist nicht leicht. Die Haustürklinke ist schon ganz kaputt, weil viele sich hilfesuchend zu ihnen wenden. Auch beim Bau des Gemeindehauses mussten sie sich auf Gottes Gnade verlassen, denn hätten sie sich auf die Menschen verlassen, dann wären sie wirklich verlassen. Und so baten sie auch nicht um Geld, sondern um Fürbitte.

Am 24. März 2008, unserem letzten Tag, fuhren wir noch mal weiter weg nach Hodac; in eine Zigeunergemeinde. Die Zigeuner sind sehr musikalisch, doch es fehlt ihnen auch an rechter Speise. Wenn die Schafe auf die Weide kommen und von dem Klee fressen, bekommen sie Blähungen oder schmerzhafte Koliken. Wer weidet sie auf grünen Auen und zu frischem Wasser? Für viele kam die Frage auf, ob hier die Schafe geweidet werden oder Böcke belustigt? Der Liederdichter Philipp Spitta schrieb mal: "Wie sträubt sich der Mensch gegen die Aufdeckung seines Inneren! Wie gern sucht er die schlimme Krankheit, die an der Wurzel seines Lebens nagt, zu verdecken! Wie ward mir, als ich zum wahren Bewusstsein meiner selbst kam! Da fühlte ich ganz meine tiefe sündige Natur, aber in dem Augenblick auch das Heil der Erlösung. Wer die einmal geschehene Erlösung durch den Tod des Heilands ergreift und dann nicht fahren lassen kann, dass muss ein seliger Christ sein."

Dienstag, den 25. März 2008 fuhren wir dann wohl behütet vom HERRN nach Hause. Vielen Dank für das Mittragen im Gebet und Mithelfen jeglicher Art! Betet, dass die viele verteilte Literatur gelesen wird, dass sie zur rechten Zeit gelesen wird und diese nicht verloren geht.

Bericht eines Mitfahrers
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