Reisebericht über die Rumänienreise vom 4. - 14. Dezember 2009

„Der Geist ist's, der lebendig macht; das Fleisch ist nichts nütze. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben."
Johannes 6:63

Rumänien im Winter 2009

Geliebte Freunde und Geschwister! Durch Gottes Gnade konnten auch in diesem Jahr, wider Erwarten, die Fahrten stattfinden. Vor einem Jahr starb am letzten Tag der Rumänienfahrt Hermanns Vati, und seine Mutti wurde ein Pflegefall. Da war es nach menschlichem Ermessen kaum möglich, dass die Fahrten wie bisher weiter gehen. Gott selbst aber sprach das letzte Wort. ER als Anfänger und Vollender der Arbeit gab Gnade und ebnete alle Widerstände, so dass die Fahrten durchgeführt werden konnten. IHM sei Dank dafür! Hermanns Mutter geht es, Gott sei Dank, wieder besser. „Die Sach’ ist Dein, Herr Jesu Christ, die Sach’, an der wir steh’n, und weil es Deine Sache ist, kann sie nicht untergeh’n."

Im Vertrauen auf diesen Herrn und im Misstrauen auf die eigene Kraft fuhren wir am 4. Dezember 2009 um 20 Uhr in Neustadt an der Weinstraße los. Um 22.30 Uhr in Nürnberg war die Gruppe mit 11 Brüdern komplett.

Um 17.00 Uhr am nächsten Tag kamen wir bewahrt in Petresti an. Empfangen mit einem leckeren Abendbrot konnte die Zeit in Rumänien beginnen.

Ein Becher kann nicht den Ozean fassen. So können zwei Seiten diese Fahrt nicht beschreiben. Aber vielleicht geben ja diese Zeilen einen kleinen Einblick über unsere Erlebnisse.

Der erste Tag in Rumänien war ausgefüllt mit Liedern üben, ausruhen und einer Bibelarbeit. Ein rauer Männerchor hatte sich da zusammengefunden. Es klang manchmal sehr arm gegen die kräftigen, ausgebildeten rumänischen Stimmen. Aber unsere rumänischen Geschwister unterstützten uns beim Singen und das erfüllte unser aller Herzen mit reicher Freude. Reich aber ist, der sagen kann: „Ich bin arm, aber ich habe einen reichen Herrn." Von Dem wollten wir ja singen und sagen; als Bettler, die reich beschenkt wurden und anderen Bettlern sagen, wo es Brot zu finden gibt. IHN zu verkünden, bei dem keiner hoffnungslos ist. Der Wege hat, wo Menschenwege enden. Das war unsere Freude und Botschaft. Das göttliche Evangelium in Schwachheit weiterzusagen, dazu braucht man Gottes Kraft.

Unser Bruder C. aus F. übersetzt immer wieder gute Bücher und Schriften ins rumänische und druckt sie in seiner Druckerei für uns. Diese Schriften und Bücher konnten wir in Gemeinden, im Gefängnis, Schulen, auf der Straße und überall verteilen. Vier rumänische Geschwister kamen zur Gruppe dazu und die Fahrt durch Rumänien konnte beginnen. Durch erhabene Gebirge, wilde Flüsse und idyllische Dörfer fuhren wir, Pferdewagen überholend, zur nächsten Herberge. In einem Dorf in der Umgebung von Filiasi hatten Geschwister Raum in ihrem sehr kleinen Haus für uns gemacht. Jedoch fanden wir es besser, im Gemeindehaus zu übernachten. Es war uns schwer, die Liebe der Geschwister nicht anzunehmen. Die wahre Liebe aber sucht das Beste des Anderen und nicht sich selbst. So wurde auch den Geschwistern klar, dass die Gemeinde für uns das beste Quartier ist. So stellten wir nach dem Gottesdienst die selbst gezimmerten Bänke als Betten zusammen, warfen die Wasserkocher an und bereiteten uns ein schönes Abendessen. Jedoch braucht ein Wasserkocher Strom. Kein Problem! Ein alter Stecker raus und Platz war für den Stecker des Wasserkochers. Bis gegen 23.00 Uhr eine allein stehende Mutter Hilfe suchend an unserer Tür klopfte. Sie bewohnt mit ihren kleinen Kindern einen kleinen Raum am Ende des Gemeindehauses. Der Heizungskessel machte sehr laute Geräusche. Es war seine Art, sich zu beschweren, dass man den Stecker der Umwälzpumpe einfach gezogen hatte. Ja, er war so sauer, dass er beinahe explodierte. Schnell gaben wir dem Kessel den Strom zurück und brachten alles wieder in Ordnung. Wieder einmal hielt der Herr schützend Seine Hände über uns.

An einer Quelle im Freien konnten wir uns am nächsten Morgen waschen. Frisch gingen wir dann im Dorf von Tür zu Tür, verteilten Traktate und sprachen mit den Menschen. Manch ein Lied erreichte die Herzen und für ein Gebet waren die Meisten dankbar.
Mit den Bussen ging es danach in ein anderes Dorf. Die Schulleiterin dort verbot den Kindern, zum Kindergottesdienst zu kommen. Wir versammelten uns dort auf einem Hof. Trotz Kälte kamen einige Bewohner und viele Kinder zum Gottesdienst unter freiem Himmel. Im Wohlstand wäre ein solcher Gottesdienst unmöglich gewesen. Aber hier war der Hunger nach dem Brot des Lebens größer als die Bequemlichkeit des satten Wohlstandsmenschen. Macht dieser Wohlstand nicht unsere Herzen arm? Ist die Freiheit, die uns der Wohlstand brachte, damit nicht im Grunde Verdammnis? Die Tochter der Schulleiterin war im Freigottesdienst dabei und wahrscheinlich hatte sie dann ihre Mutter bewegt, dass sie die Schule für uns öffnete.

Am nächsten Tag fuhren wir also wieder ins Dorf direkt in die Schule. Dort verteilten wir Kleidung und Spielzeug von einer christlichen, deutschen Schule. Es war große Freude im Raum, und vor allem durften wir den Kindern vom Heiland erzählen. Es war alles so schlicht in den Dörfern, und wir wurden mit leuchtenden Augen und großer Herzlichkeit empfangen.

Am nächsten Tag ging es weiter nach Craiova ms Hochsicherheitsgefängnis. Das ganze Gefängnis wurde in diesem Jahr wegen der EU umstrukturiert. Fast alle Gefangenen wurden aus anderen Gefängnissen in dieses Gefängnis gebracht. Die Leitung sagte uns, dass dieses Jahr die Insassen nichts von draußen bekamen, nicht einmal einen Bonbon, und dass wir die einzigen sind, die dieses Jahr eine Genehmigung zum Reinkommen und Verteilen erhielten.

Erst am Morgen kam die endgültige Erlaubnis vom Ministerium. Das Gefängnis hat mit großen Mühen unseren Einsatz dort vorbereitet. Nur die Häftlinge bekamen Geschenke, die im letzten halben Jahr keinen Besuch hatten, ebenso die Frauen und alle, die im Gottesdienstraum dabei waren. Es wurden genaue Namenslisten erstellt.
Aber alles, was der Mensch tut, ist nun mal nicht frei vom Menschen selbst. Nicht frei vom Ego des Menschen. Whitefield sagte, dass er nicht beten kann, ohne zu sündigen. Die alte Art schleicht sich gleich einer Schlange auch in den Dienst für den Herrn, sodass wir Brüder Mühe hatten, immer wieder mit unseren Charakteren miteinander zurechtzukommen. Zerstreutheit, Selbstherrlichkeit, Geltungssucht, Rechthaberei,... Das kommt aus dem Herzen aller Menschen. Besonders da, wo man es nicht erwartet und sich sehr geistlich fühlt. Unkraut kann eben auch nur bei Licht wachsen. Gerade unter frommer Selbstherrlichkeit und Sattheit verbergen sich die Sündengräuel Sodoms. Hesekiel 16:49 „Siehe, das war deiner Schwester Sodom Missetat: Übermut, Fülle an Brot und ruhige Sorglosigkeit hatten sie und ihre Töchter. Und doch reichten sie den Elenden und Armen nicht die Hand."
Gott hat sich aber erwählt, was ein Nichts ist. Gerade solche Versager, die an sich selbst zuschanden geworden sind, will ER ja gebrauchen. So war auch der Gottesdienst im Gefängnis gesegnet und der Same des Wortes fiel in die Herzen.
Am Abend fuhren wir nach Pitesti. Dort war für die Schüler der christlichen Schule der letzte Schultag angebrochen. Auch da waren offene Türen für die Botschaft. Wir verteilten kleine Geschenke, und es war große Freude im Raum.
Mittags waren wir zurück im Quartier ohne Kochgelegenheit. Aber Not macht erfinderisch und auch mit Wasserkocher ist es möglich, eine schmackhafte Nudelsuppe zu kochen.

Schon kam der Tag, da wir wieder nach Petresti fuhren. Unterwegs hielten wir, wie jedes Jahr, in einem Zigeunerdorf. Wir halfen damals schon beim Bau der Gemeinde. Fenster und andere wichtige Dinge kauften wir. Der Gemeindegründer war ein Krimineller, der zum Glauben kam. Das Gemeindehaus war dieses Mal voll wie nie zuvor. Daher möchten die Brüder gern anbauen und baten uns um Hilfe. Wer gern etwas dafür geben möchte, schreibe doch bitte beim Verwendungszweck „Kathedrale Zigeunerdorf“. Diese Brüder gehen auch in die umliegenden Dörfer, und auch da fängt der Herr an, Seine Gemeinde zu bauen.

Am letzten Tag in Rumänien waren wir bei einem Taufgottesdienst, der von vielen Geschwistern besucht war. Ein vierjähriger Junge sagte dann: „Ich kann mich nicht taufen lassen, weil ich noch zu sündig bin." Gerade er, der seine Unwürdigkeit erkannte, wäre ein guter Taufkandidat gewesen.
Beim letzten Gottesdienst am Abend verabschiedeten uns die Geschwister mit schönen Liedern und leckerer Pizza.
Voll Freude darüber, dass wir so reich beschenkt worden sind, fuhren wir gegen 21.30 Uhr ab.

Um 12.00 Uhr am nächsten Tag erreichten wir Nürnberg und mussten uns trennen.

Dem Herrn sei Dank für alles!

Bericht eines Mitfahrers
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