Reisebericht Rumänien August/ September 2010

„Preist den HERRN, alle seine Werke an allen Orten seiner Herrschaft! Preise den HERRN, meine Seele!" Psalm 103:22

Sonderfahrt nach Rumänien, insbesondere zum Zweck eines Gefängnisbesuches

Hierzu haben sich am Freitag, den 27. August 2010, einige junge Leute getroffen, um Hermann in seinem Dienst zu unterstützen. Startpunkt war in Lachen. Auf dem Weg nach Rumänien wurden die restlichen Geschwister - die aus ganz Deutschland gekommen sind - in Altdorf bei Nürnberg eingesammelt. Wir begannen unsere Reise mit ein paar Liedern und gemeinsamem Gebet auf dem Parkplatz. Danach verteilten wir uns auf zwei Autos - einem Mercedes Sprinter mit großem Anhänger, der die ganze Woche unser Gepäck transportierte, und einen
VW Crafter, der mit Nahrungsmitteln für die Reise ausgestattet war und einiges mehr.

Während der 18-stündigen Fahrt hatten wir Gelegenheit, unsere Nachbarn zu beschnuppern. Erste Freundschaften wurden bereits geschlossen, dazu brauchte es manchmal nur einen Blick.
Mit ein bisschen Reden, Spiel und etwas Schlaf näherte sich die Gruppe ihrem ersten Ziel - Petresti. Dort empfing uns Hermanns langjähriger Freund und zugleich Übersetzer herzlich. Nach einer kleinen Erkundigung des Hauses wurde der Hänger mit dem Gepäck der reisenden Geschwister ausgeladen und in die Unterkünfte verteilt, wo erst einmal etwas Schlaf nachgeholt werden konnte. Die Frau des Hauses, Signora, kümmerte sich um unser Wohl und nach einem üppigen Mittagessen warteten schon vier rumänische Mädels darauf, uns Lieder in ihrer Sprache beizubringen. Erste Schwierigkeiten wurden schnell behoben, so dass wir in relativ kurzer Zeit einige Lieder gelernt hatten. Dazu wurde erst einmal die Aussprache Wort für Wort erlernt, so dass man uns wohl einigermaßen verstanden haben wird. :-) Der Gesang wurde von vielen Instrumenten (Geigen, Gitarren, Cello und Akkordeon) unterstützt.

Um auch etwas von der schönen Umgebung mitzubekommen, wurde ein Berg in unmittelbarer Nähe angesteuert. Das Highlight hierbei war die Fahrt über rumänische Straßen und Feldwege auf der Ladefläche eines Dacia`s. Mit einer schönen Aussicht konnten wir die gerade gelernten Lieder intensivieren.

Nach einer erholsamen Nacht folgte für manche Geschwister der vielleicht bisher längste Gottesdienst mit Drei- und Dreiviertelstunden am Stück. Es gab viele kleine Beiträge (Lieder, Gedichte, Gebete, ...) von Jung und Alt, die den Gottesdienst positiv belebten. Außerdem durften wir live an einer rumänischen Taufe teilnehmen. Die Geschwister vor Ort kümmerten sich um unser leibliches Wohl. Hierbei wurden die ersten Erfahrungen mit scharfen Peperoni gemacht, die die eine oder andere Träne verursachten. :-) Anschließend fuhren wir zum nächsten Gottesdienst in Petrila. Bewundernswert war das große Orchester, das fast ausschließlich aus Kindern und Jugendlichen bestand. Der „richtige" Dirigent bekam rege Unterstützung von einem drei- oder vierjährigen Jungen, der gleich von allen ins Herz geschlossen wurde. Auch in dieser Gemeinde wurden wir wieder hervorragend bewirtet. Im Anschluss hatten wir unser Lager für die nächsten zwei Tage im Altersheim in Lupeni aufgeschlagen.

Montag, den 30. August 2010, hatten wir den Vormittag, um wieder etwas das Land zu erkunden. Als Ziel sollte uns eine orthodoxe Kapelle dienen, wo Hermann sich erhoffte, einen ihm bekannten Priester wieder zu treffen. Da dort eine herrliche Akustik herrschte, bat Hermann die rumänischen Schwestern ein Lied mit ihren zwei Geigen und der Gitarre zu spielen. Den Priester haben wir leider nicht  angetroffen, dafür kamen drei „Touristen" vorbei, die sehr religiös erschienen, jedoch nicht im Besitz einer Bibel waren. So kam es, dass eines der rumänischen Mädchen ihre private Bibel an sie verschenkte. Begeisterung an diesem Tag rief ein Braunbär hervor, der bereits in den letzten Jahren immer wieder von deutschen Missionsfahrern besucht und gefüttert worden war.
Nachmittags durften wir den Bewohnern des Altenheims ein paar Lieder singen. Hermann und ein junger Bruder konnten ihnen ein paar Mut machende Worte aus der Bibel weitergeben, die die Heimbewohner sehr berührten.
Am Abend durfte unser Team eine weitere Gemeinde mit Gesang und Wort unterstützen. Anschließend gab es wieder ein reichhaltiges leckeres Essen für uns.

Dienstagmorgen brachen wir unsere Zelte ab, um eine Zigeunergemeinde anzusteuern. Der Weg führte uns durch die Karpaten, wo wir Gottes wunderbare Schöpfung bestaunen durften. Während dieser Fahrt mussten wir einen unfreiwilligen Stopp von einer guten Stunde einlegen, da Sprengungsarbeiten vorgenommen wurden, die Straße somit gesperrt war und es keine Ausweichroute gab. Zuerst vertrieben wir uns die Zeit mit biblischen Wissensfragen, die ein Bus dem anderen über Funk stellte - was übrigens die komplette Woche über gerne gemacht wurde. Irgendwann kam jemand auf die Idee, den anderen Wartenden Traktate vorbeizubringen, woraufhin ein paar Jungs von uns loszogen. Die rumänischen Mädels packten ihre Geigen und die Gitarre aus und veranstalteten ein kleines „Straßenkonzert", währenddessen an anderer Stelle etwas Unterricht in Sache Akkordeon spielen erteilt wurde.
Der Zigeunergemeinde wurde Bescheid gegeben, dass wir später kommen. Dadurch hatten wir sogar noch die Möglichkeit, ein paar armen rumänischen Menschen im nächsten Dorf einige Lieder zu singen und einen Psalm vorzulesen.
Am Abend folgte noch ein zweiter Gottesdienst. Hier waren viele Kinder dabei, dass neben der Predigt von Hermann und einem jungen Bruder auch noch extra für sie eine Geschichte erzählt wurde. Zum Schluss gab es sogar noch für jeden ein Stofftier und Schokolade.
Danach wurden wir beim Pastor dieser Gemeinde zum Abendessen eingeladen, was wieder einmal hervorragend geschmeckt hatte! Die Mädels durften dort auch Quartier beziehen, während die männlichen Mitfahrer die Bänke im Gemeindesaal bezogen. Als Dusche diente hier ein Eimer Wasser, so dass Rumänien von unseren Jungs richtig live erlebt werden konnte. :-)

Am nächsten Morgen wurde das Frühstück von den Brüdern vorbereitet, so dass die Mädels nur noch aus ihrem Quartier geholt werden mussten. Danach hatten wir den Vormittag Zeit, sämtliche Literatur zu stempeln und somit für unseren Einsatz im Gefängnis vorzubereiten.
Für den Nachmittag war geplant, zusammen mit einigen Geschwistern der örtlichen Gemeinde zwei Dörfer zu besuchen und dort Gottesdienst zu halten. Hier durften wir neben Liedern und dem Wort Gottes auch Literatur weitergeben.

Donnerstag ging es weiter in die Nähe von Craiova, wo wir in einer Gemeinde unser Lager aufschlagen durften und wieder bestens verpflegt wurden. Auch an diesem Tag hatten wir die Möglichkeit, etwas von der Landschaft mitzubekommen. Dazu fuhren wir mit unseren Bussen an die Donau, die hier die Grenze zu Bulgarien ist. Der Weg dorthin führte uns durch ehemaliges Überschwemmungsgebiet, wo einst viele, viele Obstbäume auf einer Länge von 60 km standen; jetzt war dort nur noch Unkraut zu sehen - alles zerstört. Die Fahrt an sich war auch schon ein Erlebnis; diese Strecke würde in Deutschland wohl nicht mal als Feldweg bezeichnet werden können und wurde somit als „Stoßdämpferteststrecke" deklariert. :-) Da die Zeit jedoch drängte, machten wir nur einen kurzen Stopp an der Donau, wo wir kurz die Füße ins Wasser streckten und fuhren dann gleich zum nächsten Gottesdienst. Auch hier durften wir anschließend Literatur und Schokolade verteilen.

Der Freitag führte uns ins Hochsicherheitsgefängnis nach Craiova, jedoch hatten wir nichts verbrochen, sondern wollten auch hier unseren Dienst für den Herrn tun. Eine kurze Sicherheitskontrolle und schon wurden wir - in Zweierreihen aufgestellt - durch einige Türen hindurchgeführt, bis wir in einem Saal ankamen, wo die Gefangenen schon auf uns warteten. Auch hier sangen wir diese wunderbaren rumänischen Lieder; die rumänischen Mädchen hatten Lieder und ein Gedicht vorgetragen. Die Augen wurden feucht und die Herzen weich und offen für das Evangelium wie selten an diesem Platz. Während den Liedern, als wir vorne standen, konnten wir die Männer etwas beobachten. Es war einfach beeindruckend, wie diese uns gebannt zuhörten, teilweise sogar mitsangen. Auch während der Predigt von Hermann war kein Laut zu hören, sie waren ganz friedlich, lauschten der Botschaft. Einige Männer hatten sogar Tränen in den Augen!
Am Ende bekam jeder Gefangene eine Tüte mit Früchten, Hygiene-Artikeln und Süßigkeiten sowie ein neues Testament geschenkt. Von der mitgebrachten Literatur konnten sie sich selbst auswählen soviel sie wollten. Als weiteres Angebot gab es bereits frankierte Briefumschläge, dass die Männer die Möglichkeit haben mit der Außenwelt in Kontakt zu treten und auch an einem Bibelfernkurs teilzunehmen. Die Zeit im Gefängnis war einfach total gesegnet! An dieser Stelle ist Gott ein großer Dank auszusprechen!! Bis kurz vor dem Besuch im Gefängnis war noch nicht klar, ob unsere Minderjährigen überhaupt teilnehmen dürfen. Des Weiteren durfte auch noch der Bruder mit ins Gefängnis, der sich erst eine Woche vorher gemeldet hatte, dass er gerne mitfahren würde. Alle bekamen sie die Genehmigung aus Bukarest, was absolut nicht selbstverständlich ist.

Aber damit noch nicht genug, was wir erlebt hatten, und wofür wir Gott einfach nur dankbar sein können! Als wir wieder in unseren Bussen saßen, kam nach ein paar Minuten von Herman die Durchsage: „Es ist etwas ganz Schlimmes passiert..." Wir hatten vor dem Gefängnisbesuch noch Rast bei McDonald gemacht, damit noch mal jeder zur Toilette konnte. Hier hatte Herman seine Bauchtasche mit 6.000 Euro Spendengeldern vergessen - und das in einer Stadt wie Craiova, die die höchste Kriminalitätsrate in Rumänien aufweist. Die meisten von uns hatten an dieser Stelle komplett ihren Glauben verloren und konnten teilweise auch gar nicht mehr beten. Dennoch konnten wir diese Geschichte nur unserem Herrn anbefehlen. So fuhren wir direkt zu McDonald - ohne jegliche Hoffnung. Dort angekommen, ging Hermann hinein und ihm kam schon freudestrahlendes Personal entgegen. Dieses hatte die Tasche - Gott sei Dank (!!!) kein Gast oder sonst unehrlicher Angestellter!!! - gefunden und sichergestellt. Hier durften wir hautnah erleben, wie sehr wir doch von unserem Herrn und Heiland abhängig sind, er muss uns niedrig halten, damit wir nicht stolz und hochmütig werden. Herr, dir sei Lob, Preis, Dank und Anbetung!

Nach diesen Erlebnissen ging es zurück nach Petresti - dem rumänischen Startpunkt -, um Kraft für die Heimfahrt zu schöpfen. Nach einem leckeren Abendessen, einer guten Nacht, dem guten rumänischen Brot zum Frühstück, wurden die Autos wieder bepackt und die Reise zurück nach Deutschland angetreten.
Auch auf der Heimfahrt durften wir wieder Gottes Bewahrung und Fürsorge erleben.

Samstagmorgen stieß ein Bruder zu uns, der mit nach Deutschland wollte. Dieser hatte einen Hängerführerschein, so dass Hermann nicht die ganze Fahrt allein bewältigen musste. Zum anderen kannte er sich hervorragend mit Autos aus, was wir auch noch gut gebrauchen konnten. Ziemlich am Anfang der Fahrt bemerkten wir ein Quietschen, was auf die Bremsen zurückzuführen war. An der nächsten Tankstellte, wurde das rechte Hinterrad abmontiert und die Männer hatten sich um die Bremse gekümmert, so dass wir weiter nach Hause fahren durften und dort sicher und bewahrt angekommen sind.

Dieser Bericht soll einen kleinen Eindruck geben, was wir Geschwister in dieser Woche Rumänien erlebt haben und vor allem unseren Herrn groß machen, der diese Fahrt ermöglicht, Türen geöffnet, Bewahrung und gute Gemeinschaft und Gespräche zwischen uns Geschwistern - deutschen sowie rumänischen - geschenkt hat.

Gleichzeitig dürfen wir den Dank in unser Gebet einschließen und auch besonders für die rumänischen Geschwister beten. Sowie für alle, die von Gottes guter Botschaft hören durften, davon lesen durften bzw. immer noch dürfen. Ganz besonders wollen wir an die Männer denken, die im Gefängnis sitzen und sie vor Gott bringen. Möge Gott zu ihren Herzen reden, sie verändern und zu sich ziehen.

Zum Schluss möchten wir uns bei allen bedanken, die uns im Gebet begleitet, die Fahrt finanziell mit unterstützt und Literatur und Auto zur Verfügung gestellt haben.

Zwei Mitfahrerinnen
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