Reisebericht Rumänien Dezember 2010


„Ich will in dir lassen übrig bleiben ein armes, geringes Volk, die werden auf des Herrn Namen trauen.“ Zephania 3:12

Rumänienreise vom 3. bis 13. Dezember 2010

Am 3. Dezember 2010 machte sich um 5:00 Uhr morgens ein Bus aus Berlin über Cottbus Richtung Süden auf den Weg. Vier Stunden später fuhren zwei Busse aus Neustadt/Lachen los. In Nürnberg war die Gruppe, bestehend aus 12 Geschwistern, beisammen. Deutschland lag unter einer Schneedecke und die Furcht vor Glatteis hat uns beten gelehrt. Im Vertrauen zu Dem, Der auch das Wetter in Seiner Hand hält, fuhren wir weiter. In Ungarn wurde der Schnee weniger und wir kamen bei milden Temperaturen am Samstag, dem
4. Dezember 2010, um 9:00 Uhr bei Johann in Rumänien an. Gestärkt durch ein gutes Frühstück ruhten wir uns erst einmal von der Fahrt aus.
Am Abend lehrten uns rumänische Schwestern die Aussprache rumänischer Lieder. Nur in dieser Sprache können uns die Menschen dort verstehen. So redet der Herr mit jedem Menschen in seiner Sprache. In der Sprache, die das Herz verstehen kann. Dass ER reden kann, war unser größter Wunsch. Denn ohne Sein Reden sind wir den Lügen der Menschen schutzlos ausgeliefert.

Der nächste Tag war ein Sonntag, der mit einem Gottesdienst begann. Wir hörten von dem, was der Mensch machen kann: Viele Worte ohne Liebe, Heiligkeit durch selbst erwählte Geistlichkeit, sündigen, ohne über sich weinen zu können. Wer diese Hilflosigkeit an sich selbst erfahren hat, wird erfahren, was der Heiland dann machen kann an und mit uns.
Durch die Karpaten fuhren wir nach Lupeni. In einer Evangelisation durften wir Den bezeugen, Der jeden Menschen sucht und zu Sich ziehen will. Viel Jugend war anwesend. Im Kampf um die Keuschheit sind in jedem Herzen Fragen und Nöte verborgen. Da brauchen wir die Stimme des Hirten, der allein uns vor dem Abgrund, der in uns ist, bewahren kann. Ein Riss in einem Deich genügt, und der Damm bricht bei einer Sturmflut in sich zusammen. Dann sind die Bewohner dieser Flut schutzlos ausgeliefert. Was macht ein Riss im Schamgefühl, ein Riss im Gewissen, ein Riss in der Wahrheitsliebe? Wie viele lebendige Wracks gibt es wegen solcher Risse, die doch innerlich tot sind? Doch ein Licht ist in diese Welt gekommen. Einer, Der gerade das Gestrandete liebt und das Verwundete heilen möchte. ER, Der allein unser aller Hoffnung sein kann.

Am nächsten Tag ging es mit Schneeketten hoch in die Berge. Ein herrlicher Ausblick wurde uns ge­schenkt. Schneeballschlacht und Skifahren machten diesen Vormittag zu einem schönen Erlebnis. Mit den Bewohnern des Altenheims sangen wir danach ein paar Lieder und erzählten von Dem, Der uns bis ins Alter tragen will. Als Geschenk erhielt jeder der lieben Alten eine Orange. Die Dankbarkeit in ihren Augen war für uns ein bleibendes Geschenk. Junge Männer von uns weinten, als sie diese Augen sahen. Was braucht der Wohlstandsmensch, um mit glänzenden Augen Dankeschön zu sagen? Am Abend war unser letzter Gottesdienst in Lupeni.

Am Dienstagvormittag packten wir unsere Sachen und fuhren Richtung Craiova. An zwei Stationen hat­ten wir unterwegs Gottesdienste. Singend zogen wir durch einen Teil des Dorfes, und es kamen etliche Bewohner zum ersten Mal dort in den Gottesdienst. Im zweiten Gottesdienst waren viele Kinder anwesend. Es ging um das Hören auf das Wort. Gott sagt im Propheten Arnos, dass man in der letzten Zeit das Wort Gottes suchen wird und nicht finden kann. Heute gibt es viele Geschichten, viel Unterhaltung und viel Moral. Aber in all dem verstummt die leise Stimme Gottes so sehr, dass man Ihn selbst in vielen Gottesdiensten nicht mehr finden kann. Maria aber aus Bethanien (Haus des Elends) hörte die Stimme des Herrn und verstand sein Herz und seinen Weg. Kennen wir das Herz unseres Herrn? Vor einem Jahr wäre dort beinahe ein Heizkessel explodiert, weil die Umwälzpumpe ohne Strom war. Die dreifache Mutter, die uns in der Nacht damals weckte, ist durch einen Unfall im Oktober ums Leben gekommen. Ihre drei Kleinen werden von Geschwistern betreut.

Am Mittwoch waren wir im Hochsicherheits-Gefängnis in Craiova eingeladen. Dort gibt es etliche Lebenslängliche. Keiner von draußen möchte mit ihnen Kontakt haben. Das ganze Jahr ohne einen Liebesbeweis von der freien Welt. Die Geschwister dort packten mit Liebe Weihnachtstüten mit schönen Produkten für uns. Jeder der Gefangenen bekam solch eine Tüte und konnte sich ein christliches Buch aussuchen. Leider gab es Streitigkeiten unter dem Gefängnispersonal. Sie ließen nicht alle vorgesehenen Gefangenen zum Gottesdienst herein. Hier tobte ein Kampf um die Seelen der Menschen. Aus Liebe zu den Verlorenen baten wir die Verantwortlichen nach dem Gottesdienst, noch ein paar Lebenslängliche zubringen. Es kamen noch einmal sieben Gefangene zum nächsten Gottesdienst. Satre sagte: „Wir sind verdammt zur Freiheit." Wir haben die Freiheit, unsere Phantasie zu vergiften, dem Wohlstand hinterherzuhetzen und uns am Käfig unseres Ichs wund zu reiben. Aber ist diese Freiheit nicht Verdammnis? Geschwister in Nordkorea leben in grausamen Lagern. Sie sind frei, für ihren Herrn zu leiden und zu sterben. Wer ist nun gefangen? Manch ein Herz ist im Wohlstands-Gefängnis zerbrochen und schreit nach dem Erlöser. Und vielleicht hat auch im Gefängnis mancher im Herzen zum Heiland gerufen, der doch allein die Herzen frei machen kann. Für Ihn ist keine Kette zu stark.
Als wir bei unserem Nachtlager ankamen, erwartete uns schon ein köstliches Essen. Eine Bibelarbeit beendete diesen segensreichen Tag.

Durch die Fügungen Gottes waren auch dieses Mal die Türen des Jugendgefängnisses für uns am Donnerstag früh geöffnet. Die Gefängnisleitung, das Personal sowie Lehrer und Psychologen und die Gefangenen füllten den Raum. Es waren lauter Jugendliche, denen man gerade jetzt vor Weihnachten die Sehnsucht nach der Familie abspürte. Das Personal gab sich Mühe, die Eltern zu ersetzen und im Gefängnis eine familiäre Atmosphäre zu schaffen, soweit es möglich ist. Man spürte ihnen die Liebe zu den Jungs ab. Ein Junge dichtete ein Gedicht mit Sehnsucht nach dem Vater. Er sprach wohl für alle. Eine Sehnsucht, die aber nur vom himmlischen Vater gestillt werden kann. Von Dem, Der gerade die Unwürdigen annimmt. Der die in Hoffnung setzt, die an ihren eigenen Besserungsversuchen gescheitert sind. Am Ende des Gottesdienstes fragte jemand vom Personal, was wir mit ihrem Herzen gemacht haben. Die Worte ließen es zerschmelzen. Es können nur Gottes Worte gewesen sein, die dies bewirkten. Jeder der Gefangenen bekam eine Geschenk-Tüte und christliche Literatur, außerdem einen frankierten Briefumschlag, um zu Weihnachten nach Hause schreiben zu können. Einige Jungs konnten unsere Lieder mitsingen. Sie kommen aus christlichem Elternhaus. Die Moral kann den Wolf in uns in einen Käfig sperren, aber kein zerbrochenes Lamm daraus machen, das Sehnsucht nach dem Hirten hat. vielleicht ist das Gefängnis der Ort, wohin die Gebete der Eltern ihren Kindern folgen, und Gott eine Herzensarbeit beginnt. Dort werden die Herzensohren eher geöffnet als in der vermeintlichen Freiheit.
Am Nachmittag fuhren wir nach Pitesti.

Dort besuchten wir am Freitagvormittag die christliche Schule. Eine neue Musiklehrerin trug mit den Schülern angenehme, schöne Lieder vor. Hier bemüht man sich, den jungen Menschen gute Allgemeinbildung und gutes Bibelwissen zu vermitteln. Es bleibt aber alles Theorie, wenn nicht der Heiland dieses verborgene Manna in den Herzen zum Leben erweckt. (2. Timotheus 1:3-6) So wurde es ihnen auch durch die Predigt bezeugt. Der Tag endete mit einem Gottesdienst in der Gemeinde in Pitesti, wo wir auch übernachteten. Haben wir Verlangen nach den Antworten des Herrn Jesus? Wir durften erfahren, dass der Herr uns reich beschenkte durch Sein Wort, und das Hineinschauen in Sein Wort gab uns viel Freude.

Am Samstag fuhren wir zu den Zigeunern. Vor wenigen Jahren war der Wohnraum einer Zigeunerfamilie zu klein geworden. Ein Gemeindehaus wurde gebaut. Nun bietet das auch nicht mehr Platz für alle Besucher. Wir kamen ohne Anmeldung, aber der Raum wurde schnell übervoll. Die Ohren lauschten aufmerksam der Botschaft. Auch beim Verteilen von Kleidung und Schokolade ging es verhältnismäßig ruhig zu. Wir würden den Geschwistern gern helfen, mit einem Anbau den Gemeinderaum zu vergrößern. Wer etwas dazugeben möchte, der gebe bitte unter dem Stichwort: „Kathedrale".
Am Abend kamen wir wohlbehalten in Petresti an. Dort bereiteten wir die Autos für die Rückfahrt vor.

Um 8:00 Uhr ging es am Sonntag zum letzten Gottesdienst. Wir trafen noch einmal unsere rumänischen Schwestern, die uns mit Geige, Gitarre und Gesang die ganze Woche kräftig unterstützten. Nach einer kleinen Stärkung traten wir um 13:00 Uhr rumänischer Zeit die Heimfahrt an. Für alles Gute konnten wir nur unserem Herrn danken. Unser Gutes ist nur Stolz und Geltungssucht. Aber ER hat alles gut gemacht. Auch die Stunden, die schwer waren, sind gut bei Ihm.

Froh über das Empfangene und innerlich gestärkt ging es zurück in den Alltag. Dieses Mal trennten sich schon in Ungarn unsere Wege. Ein Bus fuhr über die Slowakei und Tschechien zurück nach Berlin, wo die Geschwister am Montag um 8:00 Uhr ankamen. Die anderen zwei Busse kamen bewahrt um 9:00 Uhr in Neustadt an.

Vielen Dank für alle Gebete und Spenden, die diese Fahrt möglich gemacht haben.

Bericht eines Mitfahrers
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