Reisebericht Rumänien Dezember 2012


„Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesum Christum, ...“
Römer 5:1


Rumänienfahrt 2012

Wir können’s ja doch nicht lassen von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben. Deshalb gibt es auch wieder einen Bericht über unsere Erlebnisse während unserer letzten Fahrt des Jahres nach Rumänien vom 30. November bis 9. Dezember 2012. Für das Wörtchen „wir" stehen: Sieben Brüder und eine Schwester mit ihrem sechsjährigen Sohn.

Einige Stunden später als erwartet, trafen wir am Samstag zur Mittagszeit bei einem herzlichen und uns sehr vertrauten Bruder in Siebenbürgen ein. Denn der Ausfall der Batterie eines unserer beiden Sprinter-Busse verzögerte unsere Ankunft.

Den kommenden Morgen, also am Sonntag, den 2. Dezember 2012, feierten wir unweit unseres Ankunftsortes in einer Gemeinde den ersten Gottesdienst dieser Fahrt.
Harald* beginnt die erste Predigt mit dem Bibelwort aus Sacharja 9:9
„Du Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir....". Er stellt fest, dass es sich in der Welt so verhält, dass „der Kleinere", sich an „den Größeren" wenden muss. So kommt beispielsweise eine Behörde nicht zu uns, wenn wir ein entsprechendes Anliegen klären wollen. Und wenn in früherer Zeit ein Volk seinen König zu sprechen begehrte, war es gezwungen, vorher um Audienz bei Ihm zu ersuchen. Auch Kinder kommen gewöhnlich zu ihren Eltern, wenn sie etwas auf dem Herzen haben. So dürfen wir uns als die Kinder Gottes oder auch noch als vielleicht noch Fernstehende im Gebet an Jesus wenden. Es mag Zeiten geben, da fühlen wir uns unwürdig, da denken wir: „jetzt können wir nicht mehr kommen". Genau aber dann passiert das Wunder: Da kommt ER zu uns!

Danach ergreift Hermann das Wort. In diesem spricht er unter anderem über die Verse 1 bis 11 des 5. Kapitels des 1. Briefes des Apostel Paulus an die Thessalonicher. Vor über zwanzig Jahren war er zum ersten Mal in Rumänien. Damals dachte er, dass wir uns im Westen schon weit in der Endzeit befinden. Es war möglich, dass einige Familien ohne das Fernsehen leben konnten.
Heute dagegen verbringen die Jugendlichen bei uns im Durchschnitt 7,5 Stunden täglich im Internet, mit dem Handy oder vor dem Fernseher. Wir haben in Deutschland eine Millionen SMS-Süchtige und vier Millionen psychisch Kranke. Die Kommunikation über das Handy läuft zwischen Jungen und Mädchen immer schamloser ab. Hier bietet ihnen unsere moderne Informationstechnologie die Möglichkeit, ganz ungeniert und hemmungslos miteinander zu kommunizieren, wie es sonst im alltäglichen Leben nicht zu finden ist.

Am Abend sind wir zu Gast in der Gemeinde des Bruders (der uns auch diesmal wieder so herzlich bei unserer Ankunft und dann auch noch zum Schluss dieser Reise in sein Haus aufgenommen hat). Der Leiter der Gemeinde begrüßte uns dort wieder herzlich. Er kündigt das erste gemeinsame rumänische Lied an und fügt noch hinzu:
„Wir wollen uns bei dieser Gelegenheit auf das anschließende Gebet vorbereiten. Bitte betet dafür, dass es in Zukunft weniger Abtreibungen gibt."

Das Gemeindehaus einer Zigeunergemeinde, das wir am kommenden Dienstagabend besuchten, schien aus allen Nähten zu platzen, nachdem sich eine große Kinderschar, Erwachsene und ältere Menschen zu unserem Gottesdienst auf engem Raum eingefunden hatten. Ein Bild, wie wir es in unserer Gesellschaft heute selten erleben. Alle Anwesenden warteten gespannt auf das, was jetzt geschehen würde. Nachdem wir den Auftakt mit rumänischen Glaubensliedern, instrumentalen Stücken und einem Gedichtvortrag gaben, strömten die Kinder nach vorne, um uns und den anderen Gemeindemitgliedern ein Weihnachtslied zu singen. Aus kleinen Mündern erschall ein kräftiger Gesang, der den ganzen Raum erfüllte.
Hermann sagte dann:
"Es ist sehr schön bei euch zu sein. Wir sind aber nicht hier, um irgendetwas zu erleben, sondern um Gemeinschaft mit Jesus zu haben, der viele gerecht machen kann. Zu seiner Zeit gab es viele Gerechte in Israel. Die konnte er aber nicht gerecht machen, weil sie sich selber für gerecht hielten."

Zum Höhepunkt dieses Abends kam es durch das Verteilen von Stofftierchen und Schokolade an jedes Kind dieser Gemeinde. Auf einmal wurden die bis dahin ruhig ausharrenden jungen Leutchen mit ihren braunen Gesichtern und schwarzen Haarschöpfen quicklebendig. Buben und Mädchen rutschten vom Schoß ihrer Eltern oder größeren Geschwister und wedelten mit erhobenen Armen den Überbringern der Gaben entgegen, um baldmöglichst ein solches Kleinod in den Händen zu halten.

Wir betreten das Schulgebäude der christlichen Schule in einer großen Stadt der Walachei am Mittwochmorgen. Über das Treppenhaus gelangen wir in eines der oberen Stockwerke. Eine Lehrerin erwartet uns bereits auf dem Flur und geleitet uns in ein noch leerstehendes Klassenzimmer. Kaum sind wir eingetreten, da erscheinen auch schon die Schüler. Es sind aufgeweckte junge Leute etwa im Alter von 16 bis 19 Jahren.
Wie schon im letzten Jahr begrüßte uns dort der Direktor, ein sehr freundlicher und sanfter Mann mittleren Alters. Er hat sich durch sein warmherziges Wesen den Respekt und die Anerkennung seiner Schüler erworben. Dies kommt ihm bei der Bewältigung der schwierigen Aufgabe eines Schulleiters sehr zu gute. Wir erleben, wie Gott durch ihn ein Wunder an dieser Schule in Rumänien vollbringt.
Als Hermann dann seine Worte an die Schüler richtet, kommt es mir vor, als spreche ein Vater zu seinen lieben Kindern. Denn er ermahnt sie in Liebe sich ihre Schönheit, Reinheit und Keuschheit zu bewahren. Dieser kurze Appell ließ schon bei vielen tiefe Dankbarkeit erkennen.
Dann spricht Hermann über 1. Samuel 8:1-9. Wir finden hier Menschen die gewinnsüchtig sind. Das sind die Söhne Elis. Den Verantwortlichen im Volk bleibt das nicht verborgen. Sie überlegen, was denn nun zu tun sei und kommen zu dem Entschluss: Wir benötigen ein neues System, wie es in der Welt zu finden ist. Wir wollen auch einen König, der uns regiert.
Übertragen wir das auf unsere Zeit, dann könnten wir sagen: Unsere Väter hatten veraltete Gedanken. Wir aber müssen modern sein. Aus unseren Liederbüchern streichen wir alle konservativen Lieder, die uns Hemmschwellen geben. Heute in unserer postmodernen Zeit wird alles, was sich Jahrzehnte lang bewährt hat, auf einmal über Bord geworfen. Etwas Neues muss her.
Jetzt sind wir Jüngeren also aufgefordert uns zu entscheiden, ob wir wirklich diese modernen Werte haben wollen. Wollen wir wirklich unser Inneres dieser korrupten Denkart aussetzen? Spätestens wenn die Not in ein Menschenleben dringt, merkt man auf einmal, das, worauf unsere Hoffnung beruhte, lässt uns jetzt im Stich.
Die Ältesten in Israel hätten aber auch sagen können: Eli, wir beten für deine Söhne. Wir tun alle Buße und bitten Gott, dass er es schenken möge, dass deine Söhne uns führen und leiten können, so wie es dem Willen des Allmächtigen entspricht.

Nachdem wir einer weiteren Schulklasse das Evangelium von Jesus sagen durften, erwartet uns noch etwas Besonderes. In der Bibliothek treffen wir auf eine kleine Abordnung des Ministeriums, die aus einem Mann und zwei Frauen besteht. Ausgerechnet heute befinden sie sich an dieser Schule, so dass wir unweigerlich zusammentreffen mussten.
Den Herrn im dunklen Anzug interessierte, welchen Eindruck wir von dieser Schule mit nach Hause nehmen. Hermann antwortete ihm darauf: Wenn Schüler auch einmal mit fremden Personen konfrontiert werden, dann widmen sie dem Redner auch einmal mehr Aufmerksamkeit als dem Lehrer, den sie sonst vor sich haben.

Wir verabschiedeten uns voneinander mit einem Lied in rumänischer Sprache. Im Gegenzug überraschte uns der Chef der Delegation mit der Aussage: Die Liebe Jesu schenkt Freude in unsere Herzen und bewirkt auch, dass uns gelegentlich die Augen feucht werden.

Nun begeben wir uns wieder auf den Weg, um ein Gefängnis mit ca. 950 Inhaftierten zu besuchen.
Auf einem nahe gelegenen Parkplatz treffen wir mit einem Angehörigen einer Baptisten-Gemeinde zusammen. Aus dem Kofferraum seines PKW's kommen lauter Geschenktüten zum Vorschein, unsere Gaben für die Häftlinge. Damit beladen und ebenso mit christlicher Literatur ausgestattet, setzten wir uns in Bewegung.
Nachdem wir alle einer gründlichen Sicherheitskontrolle unterzogen wurden und diese ohne jegliche Beanstandung von statten ging, wurde uns freier Zutritt hinter die Gefängnismauern gewährt.
Wir sind die ersten im Saal und haben ein wenig Zeit um noch unsere Vorkehrungen für den Gottesdienst zu treffen. Nach und nach kommen die Gefangenen herein. Zunächst sind es nur wenige, dann werden es immer mehr, bis auch der letzte freie Stuhl besetzt ist.
Wir finden keine Arroganz auf den Gesichtern dieser Menschen, die vielleicht schon längere Zeit hier ihr Dasein fristen. Es sind Menschen mit dem Wunsch, vielleicht gerne wieder in Freiheit zu leben, noch einmal neu beginnen zu dürfen. Mit aufmerksamer Miene verfolgen sie die Predigt und unseren Gesang.
Hermann wünscht allen Zuhörern, dass sie nicht so weiterleben wie bisher, sondern dass ihr Leben vor Gott einen unvergänglichen Stellenwert erhält. Zur weiteren Ermutigung erhält jeder Gefangene am Ende der Versammlung eine Geschenktüte und christliche Literatur.

Donnerstag durften wir in einem Hochsicherheitsgefängnis in einer der größten Städte Rumäniens zwei Gottesdienste durchführen, einen vormittags und den anderen nachmittags.
Es ereignet sich zu Beginn des zweiten Gottesdienstes, als plötzlich ein Mann auf den vordersten Plätzen beim Gebet auf die Knie ging. Zuerst dachten wir, dass er bete; vielleicht war es ja auch so. Aber die Ewigkeit holte ihn für immer von hier ab.
Der treue Bruder im HERRN und Leiter der Gemeinde einer Gemeinde dieser Stadt begann mit der Wiederbelebung. Schließlich kamen Träger mit einer Bahre und brachten den Mann nach draußen. Erst später erfuhren wir, dass er verstorben war.

Abends kamen wir dann noch zu einem Gottesdienst in der sehr gastfreundlichen Gemeinde dieses Bruders zusammen, wo wir danach auch übernachteten. (Auf unseren Wunsch hin, gab uns ein lieber Bruder mit seiner Frau danach auch noch ein extra Ständchen. )

Am nächsten Tag besuchten wir das Jugendgefängnis dieser Stadt, wo wir die jugendlichen Häftlinge mit zwei Festgottesdiensten im Herzen erfreuen durften. Weihnachten bedeutet für sie etwas ganz Besonderes, Licht in der Finsternis. In beiden Gottesdiensten war die Freude groß über die gut gefüllten Geschenktaschen und der christlichen Literatur.

(Ein weiterer Gottesdienst führte uns am Abend dieses Freitags auch noch in eine kleine Gemeinde in ein abgelegenes Dorf. Das Gemeindehaus war sehr schön. Jedoch fehlte diesem noch ein wärmender Ofen, so dass einige von uns sehr frohren.
Harald* machte sich Gedanken über unseren Zustand als moderne Menschen. Danach griff Hermann dieses Thema weiter auf, um uns den Ausweg zu zeigen.

Auf den Weg in die Karpaten erfreuten wir uns am Samstagvormittag daran, einen Zwischenstopp bei unseren lieben Geschwistern einer schönen und gemütlichen Zigeunergemeinde zu machen, um mit ihnen, wie auch in den letzten Jahren, wieder einen gesegneten Gottesdienst zu halten.
Wie es schon gar nicht anderes zu erwarten war, verköstigten uns diese Lieben danach auch wieder mit den feinsten Gaumenfreuden. An so etwas kann man sich gerne gewöhnen. Wir wissen aber auch, dass dies ein großes Opfer für unsere Geschwister, ein echter Liebesbeweis ist.)

Den letzten Gottesdienst dieser Fahrt feierten wir mit unseren Geschwistern einer Stadt im Kreis Hunedora am Sonntagvormittag. Unser Bruder Harald* wählte als Predigtentext 2. Könige 5. Naemann war im Krieg ein erfolgreicher Mann mit stolzem und hohem Angesicht. Durch kleine gezielte Überfälle gelang es den Aramäern immer wieder, den Israeliten Schaden zuzufügen.
Nun war Naemann aussätzig geworden. Das ist ein Bild für die Sünde, die uns anklebt und träge macht.
Einmal führten die Aramäer ein Mädchen aus Israel gefangen fort. Es wäre doch für das Mädchen möglich gewesen, sich anzupassen. Vielleicht hätte sie Karriere machen und hohes Ansehen erwerben können. Sie aber wusste: All das ist vergänglich. Das Mädchen hätte ihren Glauben für sich behalten können, aber sie verrät demjenigen, der die Streifzüge anführte - Naemann -, dass er Hilfe bei einem Propheten in Israel finden kann, in dem von ihm bekriegten Land. Der Glaube dieses Mädchens ist sehr groß.
Jesus greift dieses im Neuen Testament im darin enthaltenen Buch des Arztes Lukas im Vers 27 des 4. Kapitels auf und lobt ihr Vertrauen zu Gott. Zuvor wurde noch nie ein Mensch außerhalb des Volkes Israel vom Aussatz geheilt.

Nun schließe ich aber an dieser Stelle meinen Bericht. Denn wollte ich auch noch über den Einsatz in einem Internat, sowie in einem Altenheim (wo wir unter anderem auch einen Gottesdienst feierten ), das Schneeräumen auf dessen Parkplatz und die abenteuerliche Fahrt auf den winterlichen Straßen zur Gemeinde eines Bruders berichten, würde die Zeit, die mir jetzt noch zur Verfügung steht, nicht ausreichen.

Zum Schluss sei aber noch folgendes erwähnt: Dort, wo wir Gemeinden besuchten und Glaubensgeschwister antrafen, fanden wir große Dankbarkeit für unser Kommen und eine herzliche Bruderliebe. Wir wissen, wir haben diese Liebe nicht von Natur aus. Jesus schenkt sie uns, wenn wir IHN darum bitten, wenn ER unsere Herzen regieren darf. Diese Liebe gipfelt am Kreuz auf Golgatha, dem Ort, an dem Jesus am Kreuz für unsere Sünde starb, damit wir leben.
Bei jeder Gelegenheit, sei es auf der Straße oder ganz persönlich, durften wir SEINE Bewahrung und Hilfe erfahren, wenn uns zum Beispiel auf einmal Müdigkeit und Erschöpfung überfielen und wir dann oftmals weit hinter unserer hohen Berufung zurückblieben und SEINEM Wesen nicht mehr entsprachen. Doch da geschah das Wunder: Denn dann kam JESUS zu uns und richtete uns wieder auf.

Wir wollen IHM allein danken und IHM allein die Ehre geben, JESUS, dem Sohn des lebendigen Gottes, unserem Heiland und Erlöser. Wir danken IHM für SEIN Wirken, schon lange bevor es die Fahrten nach Rumänien gab, für das, was ER in den letzten Jahren in diesem Land geschehen ließ, für seine große Gnade während dieser Fahrt und für alles Mittragen im Gebet.

Bericht eines Mitfahrers


*Name auf Wunsch des Bruders geändert

Hinweis: Dieser Bericht ist zum Schutz von Personen und Einrichtungen von uns ganz minimal abgeändert worden. Die in den Klammern gemachten Anmerkungen wurden von uns nachträglich hinzugefügt. Außerdem haben wir in diesem Bericht im Nachhinein noch Korrekturen von Fehlern in der Historie der hierin geschilderten Ereignisse vorgenommen und den Gesamttext zum Teil zum besseren Verständnis abgeändert. - Wir bitten um Euer Verständnis dafür. Dankeschön!

Die eingefügten Aufnahmen der Predigten und Lieder können oben rechts über den Download-Button herunter geladen werden.

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