Reisebericht Ukraine März / April 2004

„Ehe ich von DIR gedemütigt ward, irrte ich; nun aber befolge ich dein Wort“ Psalm 119:67

Ukrainefahrt vom 31. März bis zum 11. April 2004

„Die Welt macht Ökumene - und wir Himmelmene!"

Als wir am Mittwoch, den 31. März 2004, um 7:00 Uhr in Neustadt/Lachen unsere Ostfahrt begannen, wussten wir nicht, wie tief diese Aussage (in Nonnenmiss von einem Bruder ausgesprochen) auf uns zutreffen würde. Der Herr Jesus Christus, unser HERR und Heiland band uns mit Seinem heiligen Band der Liebe zusammen. Wir sind zwar verschieden, aber mit der gleichen Liebe geliebt und dem gleichen Blut erlöst, was uns allein angenehm vor Gott macht. Es ist so wunderbar, dass Gott Jeden als ein Original schuf, um Anderen dienen zu können und sich auch dienen zu lassen in den Mängeln. Bei Heilbronn durften wir zwei zugestiegene Schwestern in unsere Arme schließen. Ein Bruder aus Bayreuth und vier Cottbusser Geschwister stießen später zu uns.

Am 2. April 2004 um 1:30 Uhr kamen wir müde, aber glücklich, in Schlangendorf bei Pastor Eduard und seiner Frau Anda an. Aus Mariupol kamen zu unserer Freude noch Bruder Jura und Judith dazu. Bruder Eduard war sehr gnädig mit uns, so dass er uns am ersten Tag nicht ganz verplant hatte, sondern uns Zeit zum Ausruhen und zur Gemeinschaft untereinander gab.
Abends hatten wir einen Gottesdienst in Schlangendorf. Das Thema war: „Der Mensch, der sich nicht verändern kann. Und Gott, der sich in Seiner Liebe auch nicht verändern kann." So erkannten wir aufs Neue unsere Unfähigkeit, uns von der Sünde zu befreien. Wie schwer haben wir doch oft aus uns gekämpft, um unser Herz zu verändern. Und wenn es mal nicht nach unserem Willen geht, dann nur deshalb, weil Er uns so liebt und unser Herz durch schwere Zeiten zubereiten will.

Am Samstag haben wir das Landwirtschafts - Projekt der Gemeinde von Schlangendorf besucht. Leider waren die Arbeiter schon weg, und wir konnten keinen Gottesdienst mit ihnen halten. Einige von uns nahmen sich Zeit, die Felder des Agrarprojektes zu besichtigen. Zum Mittagessen haben wir hohen Besuch empfangen dürfen. Der orthodoxe Priester Alexander kam mit einem seiner Gemeindemitglieder, welcher auch Alexander heißt. Der Zweite hat viel Einfluss in der Umgebung. Der Priester hat noch vor ein paar Jahren einen Artikel in der Zeitung gebracht, in dem er die Gläubigen der Stadt Bratislav und Umgebung schmähte. So war es ein Wunder vor unseren Augen, dass er sich nun dafür einsetzte, dass wir am Ort eine Evangelisation halten können. All das wäre vor ein paar Jahren nicht möglich gewesen. Wir sehen, dass wir mit unserer Kraft nicht kämpfen können. Bruder Eduard erzählte uns, dass sie überlegt hatten, einen Gegenartikel zu schreiben, aber irgendwie wurden sie verhindert und dann geriet es in Vergessenheit. So hat Gott selber für seine Kinder gestritten und die Herzen nach Seinem Wohlgefallen gelenkt.
Drei unserer Brüder führten um 15:00 Uhr die Kinderstunde im Ort durch. Einige begaben sich in die Polizeistation, um dort alles wegen der bevorstehenden Evangelisation zu klären. Die Polizisten sagten uns ihren Schutz zu und versprachen für Ordnung zu sorgen. Auch das ist ein Wunder Gottes. Früher kam ein Christ in die Polizeistation, um verhört und vielleicht sogar gefoltert zu werden, und heute sagt die Regierung uns ihren Schutz zu.
Um 16:00 Uhr trafen wir uns zum orthodoxen Gottesdienst. Priester Alexander erzählte uns die Geschichte der Kirche und erklärte die einzelnen Bereiche. So erfuhren wir, dass eine orthodoxe Kirche dem jüdischen Tempel nachgebaut ist. Die Kirche hat viele Heiligenbilder, Ikonen und einige Reliquien, die in Ehren gehalten werden. Der Priester erklärte uns, dass die Orthodox - Gläubigen nicht das Bild anbeten, sondern der gemalten Person gedenken. Leider ist das dem Volk, das die Bilder abküsste, nicht bekannt. So suchen auch sie Erlösung, die doch nur bei dem Herrn Jesus zu finden ist. Wir waren zum ersten Mal in so einem Gottesdienst. Die Reaktionen waren verschieden. Da wir uns nicht in den Vordergrund drängen wollten, blieben wir als Beobachter und doch Beter für die verlorenen Seelen, die in Traditionen Erfüllung suchen, im Hintergrund. Bitte betet für diese Menschen.

Am Sonntag waren wir in einer Gemeinde in Bratislav zum Morgengottesdienst um 08:00 Uhr eingeladen. Hier ging es um Leid. Wir leiden gerne um der Sünde Willen, aber wir murren, wenn Gott Seine Hand ausstreckt, um uns durch Leid zu segnen.
Nach einem reich gedeckten Tisch begaben wir uns zum Kulturhaus, wo die bevorstehende Evangelisation stattfinden sollte. Sofort war ein Polizist zur Stelle. Da wir nur am Club unter polizeilichem Schutz standen, durften wir nur am Kulturhaus einladen. Da wir aber mehr Menschen erreichen wollten, kam jemand auf die Idee, uns in drei Gruppen zu teilen. Die Erste blieb am Kulturhaus, die zweite wurde ins Museum eingeladen und die dritte ging „ganz unauffällig" auf den Markt. „Zufällig" nahm jemand eine Gitarre mit, die dort eher selten ist. So wurden wir nach einiger Zeit gebeten, Lieder zu singen. Wir mussten diese Bitte zuerst abschlagen, weil wir das ja nur am Kulturhaus durften. Die Frauen bestanden aber darauf, und sagten, dass sie uns vor der Polizei beschützen werden, falls diese kommt. Über diese offene Tür haben wir uns sehr gefreut und sangen von unserem Heiland. So verbreitete sich die Nachricht, dass eine deutsche Gruppe im Kulturhaus Programm macht, in Windeseile. Sogar in den Geschäften, die nicht beim Markt lagen, haben wir die Menschen über die Deutschen reden hören. Wir legten alles in Gottes Hand und baten, dass der Herr uns die rechten Leute schickt, die ER nun zu Sich rufen möchte. Wie groß war dann die Überraschung, als der Saal sich immer mehr füllte. Priester Alexander kam in seinem Gewand. Wie glücklich waren wir, auch sein einflussreiches Gemeindeglied mit seinem Geschäftsfreund Igor zu begrüßen. Mit einigen technischen Problemen war auch dieser Gottesdienst zu Ende. Der Herr Jesus Christus hat Gnade geschenkt zur Wortverkündigung, den Liedern und Gedichten. Wir merkten, wie die Menschen angesprochen waren. Einige, die am Anfang spöttisch gelächelt haben, waren sehr nachdenklich geworden. Viele waren von der Retterliebe Gottes überwältigt. Unser Dienst war ein Säen. Der Herr sollte selber das Gedeihen geben. Auch wenn wir jetzt vielleicht keine Frucht sahen, waren wir doch sicher, dass Gott selber in den Herzen weiter arbeiten wird. Sogar der Priester musste bei der einen oder anderen Aussage beschämt den Kopf senken. Obwohl er um 16.30 Uhr zu seinem eigenen Gottesdienst gehen wollte, blieb er wider Erwarten bis zum Schluss und verließ mit uns als Letzter das Kulturhaus. Bitte betet für ihn und die zwei Freunde, Alexander und Igor.
Nach der Evangelisation ging es dann sofort in Schlangendorf weiter. Einige Jugendliche, die besonders auf Wunder und fleischliche Zeichen bauten, sprachen mit uns. Ja, wir erlebten auch außergewöhnliche Wunder. In Herzen, wo Hass regierte, durfte nun Liebe einziehen. Auch sie durften die Gnadenbotschaft hören. Das Thema der Predigt waren die Gebote Gottes. Durch diese erkennen wir erst, wie verdorben unser Herz ist. So haben wir oft gute Vorsätze, uns zu verändern. Doch die guten Vorsätze zerplatzen, und es bleibt die Verzweiflung über das Versagen. Gerade für Solche jedoch kam der Herr Jesu. Solche will Der verändern, Der allein Wollen und Vollbringen schenken kann.

Der 5. April 2004 war unser letzter Tag in dem schönen Schlangendorf am Dnjepr. In den Schulen im Dorf durften wir von der Liebe Gottes weitersagen.
Nachmittags fand wieder die Kinderstunde statt. Die Kinder freuten sich sehr und sangen uns ein Lied. Sie legten sogar ihr sauer erspartes Taschengeld zusammen, um uns etwas zu schenken. Bei der Übergabe des Geschenkes betete ein Mädchen für die Gemeinde und uns um Gottes Segen. Im Gottesdienst ging es darum, dass Gott Geschichte macht, und wir Menschen schreiben sie nur auf. Aber die größte Geschichte ist, die Gott in unseren Herzen tut.

Am Montag ging es weiter nach Nikolajew, wo die Geschwister schon sehnsüchtig auf uns warteten. Dort trafen wir auch eine Gruppe aus Freiburg, die bereits seit einer Woche das Gemeindehaus dort von innen ausbaute. So durften unsere Brüder gemeinsam in einem warmen Zimmer schlafen. Eine Schwester aus der Gemeinde hat die Schwestern aufgenommen.
Abends fuhren wir mit Bruder Gena ins Taubstummenheim. Hier wurde die Geschichte über die armen Kinder erzählt, die bei einem reichen Bauer gearbeitet haben, damit sie sich etwas zum Essen kaufen konnten. Der Bauer bezahlte sie in einer Summe. Weil die Kinder aber Freunde waren und sich nicht streiten wollten, gingen sie zu einem alten gläubigen Mann im Dorf, damit er ihnen das Geld teilte. Der Mann fragte sie: „Wie wollt ihr, dass ich teile, wie Gott oder wie Menschen?“ Ohne lange zu überlegen sagten sie dann: „Wie Gott teilt, weil Gott gerecht teilt." So teilte er ihnen das Geld wie Gott teilt. Einem gab er 5 Griwni (Ukrainische Währung), dem anderen nur einen, dem anderen gar nichts usw. Teilt denn Gott so unterschiedlich? Ja, denn diese Liebe teilt oft anders als wir Menschen. Jeder bekommt unterschiedlich. Das ist eine Probe, wie wir damit umgehen. Ob wir dem was geben, der weniger bekam? Jeden Tag leben wir in diesen Dingen. Der Eine wird stolz, weil er mehr hat und der Andere neidisch, weil er weniger oder nichts hat. Unsere Gaben sind uns gegeben, damit wir mit ihnen einander dienen und nicht mit ihnen angeben.
Danach kamen die Geschwister aus Nikolajew und aus Freiburg ins Taubstummenheim zum Gottesdienst, wo wir eine schöne Gemeinschaft miteinander hatten.

Auch der Mittwoch hatte seine Aufgaben für uns. Gleich um 10:00 Uhr ging es in ein Internat mit ca. 300 Kindern. Hier befinden sich Kinder, die ohne Eltern sind, deren Eltern im Gefängnis sind oder deren Eltern das Sorgerecht entzogen worden ist. Der Direktor ist ein Mann, der Religion zwar zulässt, aber gegen bestimmte religiöse Strömungen ist, die die Kinder beeinflussen wollen. Sie sollten selber entscheiden, welcher Kirche sie angehören wollen. Die Menschen wollen die Kinder nicht zu Gott, sondern in ihre Kirche bekehren. So durften wir wieder, ohne auf unsere so verschiedene Gemeindezugehörigkeit zu achten, ganz kindlich von Gottes Liebe zeugen. Danach fuhren wir gleich ins nächste Heim. Es war eine geschlossene Anstalt für behinderte Kinder.
Nachmittags ging es nach Johannthal zu Schwester Olga. Olga ist eine ältere Schwester, die in dem Dorf Kinderarbeit macht. Sie hat sehr viele Hindernisse, aber sie ist voll Vertrauen auf den allmächtigen Gott. Im Kulturhaus, eine ehemalige luth. Kirche, durften wir einen Gottesdienst halten. Wir freuten uns sehr, dass einige Ungläubige aus dem Dorf dabei waren. Pastor Sergej unterstützt die Gemeinden in diesem Umkreis. Am Donnerstag früh hatten wir eine sehr schöne Andacht mit dem Wort aus Prediger 11:1-4: „Lass dein Brot über das weite Meer fahren, denn du wirst es nach vielen Tagen wieder zurückkommen sehen.... Wer auf den Wind achtet, der sät nicht, wer nach den Wolken sieht, der erntet nicht." Auch wenn wir jetzt keine Frucht sahen, so sollen wir doch Gottes Wort weitersagen. Unser Herr wird selber die Frucht zu Seiner Zeit bringen und an den Herzen arbeiten.
Um 12:00 Uhr fuhren wir auf eine kleine Insel von Nikolajew. Dort befindet sich eine geschlossene Anstalt für schwer erziehbare Kinder. Das sind Kinder und Jugendliche im Alter von 10-18 Jahren. Insgesamt sind es 120 Kinder, davon 20 durch das Gericht Verurteilte, zum Teil Straßenkinder. Freudig wurden wir begrüßt. Wir schlossen diese Chaoten sofort ins Herz und sie, glaube ich, uns auch, weil sie mit der Gruppe im Herbst auf jeden Fall rechnen. Alle wollten sie gerne Schafe sein und liebe Herzen haben. Aber sie erkannten doch, dass wir alle das nicht sind und haben. Aber gerade dafür kam ja unser Heiland, der allein die Herzen mit seiner Liebe erneuert.
Nach dem Mittagessen ging es wieder in ein Dorf, wo es nur eine kleine Gemeinschaft mit ein paar Schwestern gibt. Dort war der Gottesdienst draußen. Wie dankbar waren wir, dass es nicht geregnet hat und auch einige Menschen kamen. Aus dem Gottesdienst wurde eine kleine Evangelisation. Wir sind sicher, dass Gott auch da in den Herzen weiter arbeiten wird, und dass er mit jedem Menschen dort sein Ziel hat.

Der 9. April 2004 war unser letzter Tag in der Ukraine. Einige freuten sich auf die Heimat, andere musste man fast für die Rückfahrt in die Busse hinein schieben. So trauerten wir zusammen um die Gemeinschaft, die wir zu Hause nicht mehr haben werden und freuten uns auf unsere Lieben daheim.
Um 18:00 Uhr war der Karfreitagsgottesdienst. Zusammen betrachteten wir Psalm 38. Der HERR, Jesus Christus, hat für uns gelitten. Er hörte die Lästerung und hörte sie doch nicht. Er ließ sich nicht provozieren - für uns. Er starb - für uns. Aber die Verheißung erfüllte sich am dritten Tag: das Grab war leer - für uns.
Nach einem langen Abschied mit Tränen, Küssen und Umarmungen fuhren wir um ca. 22:00 Uhr Richtung Deutschland los. Der Herr bewahrte uns durch alle Grenzen, so dass wir fast problemlos überall durchkamen. So kehrten wir zwar müde, traurig, aber doch auch glücklich, zerbrochen unter dem Wort Gottes und sehr erquickt zurück. Neustadt erreichten wir ca. 11:00 Uhr.

In Allem haben wir das Wirken Gottes gesehen. Auch wenn unser Dienst nur in Schwachheit geschah, kann Gott aus allem Stümperhaften Gutes machen. Er kann aus unseren Fehlern Frucht schaffen. Bitte betet, dass die wahrhaftige Botschaft die Menschen erreicht und sie in ihren Herzen begleitet. Der Herr segne uns und behüte uns in Seinem Segen, dass wir nicht stolz über dem gegebenen Segen werden und gebe uns in diesem Allen Seinen Frieden.
„Ach, die elende Selbstsucht und Großtuerei,
wie raubt sie den Blick für Den, ´der Sich Selbst entäußerte und Knechtsgestalt' annahm.
Wenn wir noch mit unseren Machwerken beschäftigt sind, erkaltet die bräutliche Liebe zu JESUS mehr und mehr;
alles wird zu einer christlichen Routine - und wir bemerken es nicht.
Der Herr JESUS steht schon längst draußen vor der Türe, und wir hören nicht einmal mehr Sein Klopfen,
weil wir in der selbstsicheren Annahme sind, es sei alles in bester Ordnung.
Es klappt alles so reibungslos - bis eines Tages alles zusammenklappt',
wenn Gottes Hand über uns kommt und Er ´niederreißen muss', was wir geglaubt haben."
Ganz herzlich danken wir für alle Gebete, Gaben und Mithilfe für diese Fahrt.
Gott, dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus gebühren Lob und Dank für Alles!

Bericht einer Mitfahrerin
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