Reisebericht Ukraine November 2004

„Denn unser Ruhm ist dieser: das Zeugnis unsers Gewissens, dass wir in Einfalt und göttlicher Lauterkeit, nicht in fleischlicher Weisheit, sondern in der Gnade Gottes auf der Welt gewandelt haben, allermeist aber bei euch." 2. Korinther 1:12

Reisebericht der Ukrainefahrt vom 3. November bis 17. November 2004


Am Mittwoch, den 3. November, ging es los. Die Gruppe bestand aus sieben Schwestern und zehn Brüdern; darunter einige erfahrene Ostfahrer und ein paar, für die es die erste Ostfahrt war. Nachdem alle Geschwister unterwegs auf verschiedenen Plätzen zugestiegen waren, ging's in einer zirka zweitägigen Fahrt, bei der wir durch Polen reisten, Richtung Ukraine.
Wir waren mit drei Fahrzeugen unterwegs; über Funk blieb man mit den anderen Fahrzeugen m Verbindung. Tag und Nacht wurde gefahren, wobei sich die Fahrer abwechselten. Mit der Zeit gewöhnte man sich auch daran, dass die Polizei uns immer wieder anhielt, doch gab es in der Hinsicht keine größeren Aufenthalte. In jedem Auto gab es Proviant und Matratzen zum Schlafen. Es war eine schöne Fahrt, und man hatte Zeit, um die Geschwister kennen zu lernen. Zeit zum Lesen oder Ausruhen.

Dank Gottes Hilfe und ohne große Zwischenfälle erreichten wir unseren ersten Aufenthalt: Schlangendorf. Dort wohnten wir bei Eduard und seiner lieben Frau Anda, die genügend Platz für uns alle hatten.

Wir erlebten einige schöne Tage dort, die mit verschiedenen Einladungen und Einsätzen gefüllt waren: Gottesdienste in Gemeinden und in einem Clubhaus; ein Gottesdienst für die Arbeiter eines landwirtschaftliches Projektes und Einsätze in den Schulen.

An einem Tag machten wir Hausbesuche; wir teilten uns in Gruppen auf und besuchten verschiedene Leute. In den Häusern sangen wir Lieder, es wurde aus der Bibel vorgelesen und mit den Menschen geredet. Da war zum Beispiel eine alte Oma, die ziemlich teilnahmslos im Bett lag; ob die Worte und Lieder wohl ihr Herz erreichen konnten? In einem anderen Haus trafen wir eine noch ziemlich rüstige Frau, die uns verschiedene Gedichte vortrug. Bei einem alten Ehepaar, das wir besuchten, starb der Sohn vor kurzem. Der kleine alte Opa wirkte niedergeschlagen. Möge er wirklich getröstet werden und Hoffnung bekommen durch unseren Herrn Jesus Christus! So machte jede Gruppe interessante Erfahrungen im Kontakt mit den einheimischen Menschen dort.
Zwischen den Emsätzen gab es verschiedene Aufgaben zu erledigen, wie zum Beispiel Küchendienst, Schokolade für die Kinder einpacken oder man nutzte die Zeit zum Ausruhen, Reden oder nahm sich Zeit zur Stille. Wir lernten hier auch das Wasser zu schätzen, denn es gab hier nicht zu jeder Zeit Wasser aus der Leitung.

An einem Abend gab es eine Bibelarbeit, bei der wir die Seligpreisungen Jesu und die Weherufe der Pharisäer gegenüberstellten. Bin ich ein „Pharisäer" oder ein „Armer im Geist" ? Den Pharisäern wird das Himmelreich verschlossen, aber die Armen im Geist haben die Verheißung des Himmelreichs. Wir sollen christusähnlicher werden und nicht moralische Verbesserungen vornehmen. Es wurde eine Abhandlung vorgelesen, die sehr bewegend war. Der Schreiber schreibt ganz offen und ehrlich über seine Kampfe, das Bewusstsein seiner Sünde aber auch die Sehnsucht nach Gott. Und er suchte nach Hilfe, nach Begleitung in seinen Fragen und Kämpfen. Wie vielen jungen Menschen mag es ähnlich ergehen, und wie viele sind mit ihren Fragen, Problemen, Kämpfen etc. alleine, weil sie niemanden haben, der sie ernst nimmt, dem sie sich anvertrauen können?! Unsere Jugend braucht echte Vorbilder, Menschen die ihnen ein Leben mit dem Herrn Jesus vorleben. Gesetzliche Moralprediger oder Prediger, die das Evangelium zu einer billigen Angelegenheit machen, gibt es genug, doch wo sind die Väter und Mütter in Christus, an denen junge Menschen sich orientieren können?

Es ist interessant, wie Gott immer wieder Kontakte schenkt. So war der orthodoxe Priester mit seinem Freund und dessen Frau an einem Abend bei uns zum Abendessen eingeladen. Schön, dass der Herr hier eine Türe geöffnet hat; mögen sie aus der toten Religion zum lebendigen Glauben an den Herrn Jesus Christus finden!

Am 8. November reisten wir weiter nach Nikolaev. Ein Teil der Gruppe wohnte im Gemeindehaus, die anderen in der Wohnung des Gemeindeleiters Jura und seiner lieben Frau Nelly, die uns ihre Wohnung überließen.
Als Gruppe nahmen wir uns immer wieder Zeit zum Gebet, zur Andacht; aufrüttelnd waren Berichte über unsere verfolgten Geschwister in verschiedenen Ländern. Was für ein Gegensatz zu unserem oft so trägen und bequemen Christentum! Da werden sie hingemetzelt und müssen viel Leid und Demütigung erleben - sollte uns das nicht anspornen, unserem Herrn Jesus kompromisslos und treu zu folgen und alle Halbheit abzulegen?

An verschiedenen Orten waren wir zu Einsätzen eingeladen, auch in Kinderheimen: Da schauten uns viele erwartungsvolle Kinderaugen an. Was haben diese Kinder wohl alles schon hinter sich? Wie viele Verletzungen, Enttäuschungen haben sie erlebt? Ein Bruder sagte ungefähr so: "Augen, die glänzen, sind Augen, die geweint haben".

Auf einer Insel lebten Jungs, die entweder vorbestraft sind oder keine Eltern mehr haben. Wir durften sie wieder besuchen. Es war eine wunderbare und erlebnisreiche Begegnung für uns als auch für die Jungs. Auch in einem Heim für taubstumme Kinder durften wir ein Programm machen. Die Kinder bekamen auch Süßigkeiten, Schriften, Kalender zum Anma­len. Was für eine Chance, dass wir ihnen die Hoffnung weitergeben konnten und den Weg zeigen durften zu dem, der die Quelle des Lebens ist, Jesus Christus - dort, wo heimatlose Kinder wirklich eine Heimat finden können. Golgatha - Heimat für Heimatlose!

Ein besonderes Vorrecht war die Einladung in einer Uni. Der Dozent ließ uns mit den Studenten alleine, sie sollten ungezwungen mit uns Gemeinschaft haben können. Wir fragten uns, wie die Botschaft bei den Studenten wohl ankommen würde?! Doch es war eine sehr positive Resonanz. Wir gaben ihnen auch Schriften zum Lesen. Wie erfreut waren wir, dass am Abend drei von ihnen in den Gottesdienst kamen, einer davon war der Klassensprecher.
Wir konnten auch ein Altenheim besuchen und den alten Menschen dort, deren Leben fast vorbei ist, noch von der Liebe Gottes zu uns Menschen erzählen.
Abends fand in der Gemeinde immer ein Gottesdienst statt, den wir als Gruppe gestalten durften. Die Predigten waren ermutigend, ermahnend, und man wurde herausgefordert, sein Herz vor Gott zu überprüfen: Wo stehe ich? Wo suche ich Trost und Halt? Wie gut, dass es einen Ort gibt, wo unsere Seele zur Ruhe kommen kann, einen Ort, wo wir zu Hause sind - am Kreuz, bei dem Herrn Jesus Christus!
Hier ist der Platz, wo wir eins werden mit dem Bruder, mit der Schwester. Das war auch eine der wertvollen Erfahrungen auf dieser Fahrt: Wir haben uns zum Teil vorher nicht gekannt, aber die Liebe Jesu Christi schafft Einheit trotz unterschiedlicher Herkunft, Gemeindehintergrund, Charaktere. Wir dürfen uns finden am Kreuz; dort fallen die Masken, dort müssen wir keine Fassade aufrichten, wir dürfen sein, wer wir sind - offen und ehrlich, und wir können unsere Lasten, unser egoistisches Ich abgeben. Jesus Christus schafft Persönlichkeiten, Er schenkt uns Seine Identität! Die Menschen sollen nicht zu einer Gruppierung gezogen werden, sondern zu dem Herrn Jesus Christus selbst. Bei den russischen Predigten übersetzten uns unsere russisch sprechenden Geschwister. Vielen Dank an Euch!

Jura und Roma, unsere ukrainischen Geschwister, die mit uns mitgereist sind, mussten uns überraschend schnell verlassen, da Jura's Frau, die schwanger ist, gesundheitliche Probleme hatte. Es war schön, dass sie einige Zeit bei uns dabei sein konnten.

Unser dritter Aufenthalt war in der Nähe von Odessa, wo wir bei Bruder Alexander und seiner lieben Frau Olga wohnen konnten. Auch hier durften wir noch an verschiedenen Orten dienen, und am Montag, den 15. November, war es auch schon wieder Zeit zum Aufbruch. Nach dem Frühstück gab's noch eine Gebetsgemeinschaft, dann musste aufgeräumt und die Autos beladen werden.

Am 17. November kamen wir dann dank Gottes Gnade wieder gut zu Hause an. Wie auf der Hinfahrt, so hatte auch bei der Rückfahrt an einem Zwischenstopp eine liebe Familie an uns gedacht und uns warme Getränke und Brötchen zu bereitet. Danke!

Ich bin dankbar für diese Zeit, es war eine wertvolle Bereicherung, und wir durften so viel Schönes erleben: Die Liebe und Fürsorge der ukrainischen Geschwister, die vielen offenen Türen im Land, gute Gemeinschaft in der Gruppe, und sicher hat jeder für sich individuell was mitgenommen an geistlichem Segen.

Dem Herrn sei Dank für alles, auch für die Bewahrung, denn es ist nicht selbstverständlich, dass man wieder gut zu Hause ankommt.

Nun steht Jeder wieder an seinem Platz, aber der HERR ist da, der tiefe Grund unserer Freude bleibt: „Jesus, meine Freude, meines Herzens Weide, Jesus meine Zier. Ach, wie lang, wie lange, ist dem Herzen bange und verlangt nach dir. Gotteslamm, mein Bräutigam, außer dir soll mir auf Erden nichts sonst lieber werden!"

Danke an alle, die während der Fahrt für uns gebetet und auch an die, die im Hintergrund mitgewirkt haben! Danke auch für die finanzielle Hilfe, die uns die Möglichkeit gibt, den Mensch dort in besonderer Not zu helfen.

Bericht eines Mitfahrers
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