Reisebericht Ukraine November 2005

Ukrainefahrt 2005: Schlangendorf, Nikolaev

Am 2. November 2005 machten sich drei Busse um 8.00 Uhr von Neustadt auf in Richtung Ukraine. Nachdem unterwegs noch einige Geschwister zustiegen und wir mit 18 Personen vollzählig waren, kamen wir gut durch Polen und erreichten dieses Mal noch im Dunkeln Lvovv. Vereiste, neblige Straßen wechselten sich mit guter Fahrbahn und Sonnenschein ab.

Wir erreichten am 3. November gegen 22.00 Uhr Berislav. Kurz vor dem Ziel fuhren wir siegessicher in eine Straße, in der die Spur neben uns aus einem tiefen Graben bestand. Irgendwann kamen wir auf diesem Sandweg nicht mehr weiter, da sich vor uns unüberwindbare Hindernisse auftaten. Mit viel Mühe und Vorsicht wendeten wir die Autos, wobei wir im Matsch den Hänger abhängen mussten.

So kamen wir verschmutzt, aber dankbar gegen 01:00 Uhr in dem 20 km entfernten Schlangendorf an. Auf diese Weise bereitete der Herr uns gleich am Anfang der Fahrt zu. Zu gern wollen wir vor den anderen glänzen und sie so gewinnen, durch die Schönheit unserer Lieder und Programme, die Schönheit unserer Rede. Doch gleicht diese Schönheit oft nur einem Edelstein, der zwar glänzt, aber dessen Licht kalt ist. Ein wahrer Menschenfischer hängt sein Herz an die Angel. Wenn die Fische dann anbeißen, tut das sehr weh. Wir durften in unserer Armut von der Schönheit des HERRN reden, der unser Alles geworden ist. Als solche, die oft keinen Weg mehr wissen, durften wir auf Den weisen, der nie ratlos ist und immer einen Weg hat. Als Schmutzige durften wir sagen, wo unsere Reinheit ist; als Bettler, wo wir Brot fanden. Endlich führte uns der Heiland dahin, dass wir uns nicht mehr selbst rechtfertigen müssen, weil ER die Sünder rechtfertigt. Wir durften zugeben, dass wir vermurkst sind, und ER sich verherrlicht, wenn ER aus Schrott Edelmetall macht. Unsere Armut ist Sein Weg, sich zu verherrlichen. Mit viel erbauender Literatur bewaffnet, zogen wir nun los zu den Einsatzorten. Viel Segen geht von der Auslegung des Wortes Gottes aus. Eine Schwester sagte: „Ohne das Buch, das ihr mir letztes Jahr gegeben habt, wäre ich Heute in der Welt." Wie viele sitzen in Gemeinde und bekommen Steine statt Brot, Moral statt Evangelium, Gesetz statt den liebenden Herrn, Der alles für uns tat.
In drei Gemeinden durften wir dienen und wurden auch von den Geschwistern bedient und bewirtet. Bei manchen Einsätzen verteilten wir nicht nur Süßes für die Seele, sondern auch Süßes für den Gaumen. Es sollte ein kleines Symbol der Liebe sein. An drei Abenden sprachen wir im öffentlichen Club, wo auch einige Ungläubige angesprochen wurden. Eines Abends sprachen wir über die Reinheit. Da durften wir weinen über unsere Jugend, die so im Schmutz gefangen ist; über unsere Jungs, die durch ihre verschmutzte Phantasie nie echte Väter werden können. Gefaltete Hände sind doch stärker als geballte Fäuste. Wo sind die Männer, die ihre Hände für die Familie falten? Warum verführen Mädchen mit ihrer Schönheit und bekommen Verführte, die nur das ihre suchen? So weint der Herr Jesus über uns alle. ER nur ist unsere Zuflucht in dieser Endzeit. In den Schulen wurden wir herzlich empfangen und durften zur Bildung der Herzen beitragen.

Nach einem Abendessen mit dem orthodoxen Priester und seiner Frau ging es bei Nacht und Nebel dann nach Mariupol, ein Bibelquiz hielt uns wach auf der Fahrt. In dieser Stadt waren wir das erste Mal und man kannte uns nur vom Hörensagen. 30000 Aidskranke gibt es dort. Die Stahlfabrik raucht aus allen Rohren und bei „günstiger Wetterlage" ist sie in der ganzen Stadt zu spüren. Wie viel Elend und Einsamkeit ist auch bei uns hinter den Fenstern der Großstadt verborgen?
Zuerst ging es in ein Altersheim. Dies war gepflegt geführt. Wie schön von Dem zu zeugen, Der uns bis ins Alter tragen will und nie müde wird, für uns zu sorgen. Wie die Sonne jeden Tag neu aufgeht, geht Seine Treue neu über uns auf, die unsere Lasten tragen will. Wir waren in vier Gemeinden eingeladen. Herzen öffneten sich, als wir schlicht in Geistesarmut kamen, um Den groß zu machen, Der unser Trost ist. Manche schauten beschämt nach unten, die anfangs vor uns glänzen wollten. Sie erkannten, dass der eigene Glanz nur kalter Stolz ist, wenn er sich noch so fromm tarnt, und nur durch die Liebe und Wahrheit Herzen gewonnen werden. Die Kirchen werden leerer, die Psychiatrien dagegen immer voller. Nicht die Welt hat zuerst Schuld daran, sondern die, die kein Licht waren. Obwohl sie doch um das Licht wussten. Deren Liebe erkaltet war, weil sie die Liebe selber verließen, um ihre eigene Frömmigkeit aufzurichten.
Vom Chefarzt wurden wir freundlich und herzlich empfangen. Die Kranken öffneten sich bei den ruhigen, gehaltvollen Liedern der Reformation, für die Botschaft von Dem, Der niemanden hoffnungslos lässt. Ein Waisenkind, jetzt erwachen und gläubig, das aus Moldavien zu der Gruppe kam, zeugte von dem Herrn Jesus, der für jeden einen Weg hat, auch da, wo Menschenwege enden.

Nach drei vollen Tagen brachen wir unsere „Zelte" ab, um zu unserem letzten Einsatzort, nach Nikolaev, zu ziehen. Dort waren wir in einem Krankenhaus für Tuberkulosepatienten, (eine schlimme Not). Wenn aber das Herz krank ist, kann nur der Heiland es heilen.
Von den Waisenheimen, die wir besuchten, ist das Heim für Schwererziehbare der Höhepunkt. Der Direktor dieses Heimes sagte, dass die Kranken vor 10 Jahren auf dem gleichen Stand waren wie die Gesunden heute.
Auf dem Markt verschenkten wir das Brot des Himmels (Gottes Wort) und bekamen dafür die Früchte der Erde geschenkt.
Vor Studenten der Universität sprachen wir von der Weisheit Gottes, die sich im Kreuz von Golgatha offenbarte.
Unter anderem haben wir zwei Gemeinden vor Ort unterstützt mit Literatur, Süßigkeiten für Weihnachten und finanziell für die Jahresausgaben, die sie nicht tragen können. Zu oft gleichen unsere Predigten eher einem Eisbrecher, der mit Gewalt aufbricht, was wieder einfrieren wird, als der Sonne des Evangeliums, die sanft und warm das Eis schmilzt. „Wisset ihr nicht, dass euch die Güte Gottes zur Buße leitet?" So viele Beladene meinen, die einzigen zu sein, die Not haben, die viele Tränen haben, aber wenige, die helfen ihre Lasten tragen. Doch der Heiland trägt uns alle miteinander und zählt jede Träne. Gemeinsam durften wir als Sünder nach Golgatha gehen, wo ER unsere Lasten zu den Seinen machte. Oft sprachen wir in den Gemeinden darüber, dass Gott das Arme erwählt. Warum müssen wir in der Gemeinde Reichtum spielen, den Gott sowieso nicht erwählen wird. Warum wollen wir so oft keine Verlorenen sein, solche sein, die keine Not haben? Laue Christen müssen in den Gemeinden unterhalten werden, Echtes braucht keine Unterhaltung, sie wollen direkt von der Quelle des Lebens trinken.

Als Arme und Beschenkte, als Hungrige und Gesättigte, kaputt und erfüllt zugleich fuhren wir Richtung Heimat.

Am 16. November 2005 kamen wir durch des Ewigen Bewahrung wohlbehalten zu Hause wieder an.

Danke für alle Gebete, alles Mittragen, Mithelfen und Mitfinanzieren. Gedenkt in der üppigen Weihnachtszeit hier an Alle, die frieren, hungern, in Zelten wohnen, auf der Flucht, in Lagern hausen, in Verachtung leben; lasset wenigstens ein paar Gebetskrümlein von der reichen Herren Tisch fallen. Auch bei uns gibt es Armut; Einer trage des Anderen Last, auf dass
ihr das Gesetz Christi erfüllt.

Bericht eines Mitfahrers
Nicht Gnad' und Werk, nein, Sünd' und Gnad'
Gott Wundersam gepaaret hat.
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