Reisebericht Ukraine April 2006

Ukrainefahrt Ostern 2006 -  vom 7. - 21. April 2006

Am Freitag, dem 7. April 2006, machten sich vier Kleinbusse auf den Weg in die Ukraine. Voll gepackt mit Hilfsgütern fuhren wir 43 Stunden lang ohne Pannen oder anderen Zwischenfällen zu unserem ersten Einsatzort nach Schlangendorf (russisch: Smeevka am Dnepr) Im Herzen bewegte uns die Frage, was uns wohl dieses Mal erwarten würde. Doch steht über Freude und Leid unser Herr, aus dessen liebender Hand wir alles nehmen möchten.
Die lange Fahrt war interessant für uns gewesen, weil verschiedene Rätsel unsere Gehirnzellen auf Trapp hielten. Außerdem hatten wir Freude an Gottes Schöpfung gehabt. Als die Sonne über den weiten Feldern unterging, dachten wir an den Herrn Jesus. Niemand kann in die helle Sonne sehen. Wie viel weniger kann der Mensch Gott in seiner Heiligkeit sehen. Jedoch kann man die Sonne anschauen, wenn sie am Horizont untergeht. Wir dürfen Gott sehen, wie ER in Jesus Christus zu uns herabkommt. Wie ER am Kreuz sein Blut vergoss, das rot ist wie die untergehende Sonne. Seit ER zu uns herabkam, müssen wir den Himmel nicht mehr aus unserer Kraft erreichen. ER hat uns doch erreicht und unsere Hand ergriffen. „ER hat zu viel an uns gewandt, um uns wieder loszulassen."

In Schlangendorf wurden wir freudig begrüßt, und auch Lena aus Moldavien erwartete uns schon sehnsüchtig. Dort durften wir in verschiedenen Gemeinden dienen. Bei den Einsätzen wussten wir uns auf Gott geworfen. Allein der Herr Jesus öffnet ein Herz durch das Evangelium, wie eine Knospe sich bei der Sonne öffnet. So fragte einst ein Mädchen einen Seelsorger: „Was muss ich lassen, wenn ich Jesus folge?" Der Bruder antwortete: „Du darfst alles lassen, weil Du nun Jesus hast." Wozu brauche ich eine Taschenlampe, wenn die helle Sonne scheint?“ Bei IHM hört der Zwang auf.

Wir bekamen die Möglichkeit, zwei Schulen zu besuchen. Ein Bruder erzählte von einer Vogelspinne, die er sich kaufte. Als er damit nach Hause kam, wurde seine Frau zornig. In dem Unglück, nun die Spinne weggeben zu müssen, fand der Bruder dennoch Trost. Denn nun wusste er endlich, dass seine Frau für ihren Zorn auch den Herrn Jesus braucht. Auch sie kann nicht aus sich gut sein. Nun hatte die Hälfte der Kinder Mitleid mit der Vogelspinne, wobei die andere Hälfte mit der Frau mitfühlte. Aber alle freuten sich, dass bei Jesus der Zwang aufhört, gut aus sich selbst sein zu müssen. Wahre Gemeinschaft entsteht eben, wo wir als Sünder zusammenkommen. Bei Hausbesuchen gingen wir zu kranken und alten Geschwistern. Wir durften von Dem zeugen, Der uns bis ins Alter tragen will. ER gibt den Müden Kraft, dass sie es im Müdesein aushalten können.

Wir besuchten auch eine große Gemeinschaftslandwirtschaft (ähnlich einer früheren Kolchose), die von der dortigen Kirche ins Leben gerufen wurde. Dort sahen wir die Schweinezucht und den Gemüseanbau. Für die landwirtschaftlichen Arbeiter hielten wir einen Extra-Gottesdienst im Freien. Etliche der Zuhörer waren berührt, andere hingegen hielten sich mit uns auf Abstand. Zum Abschluss besuchten wir auch einen Ostunternehmer (ähnlich eines Mafiosi´s) der eine ganze Ölfabrik besitzt.

Am Karfreitag (Termin in Deutschland) ging es dann zu unserem nächsten Einsatzort, nach Mariupol. Diese Stadt am Asowschen Meer im Osten der Ukraine hat 500000 Einwohner. Sie machte einen echt erbärmlichen Eindruck: Sie hat eine riesige, verrostete Stahlfabrik, die die ganzen Abgase in die Stadt beförderte. Auf den Müllbergen suchten Menschen nach etwas Essbaren, weil sie zu Hause nichts hatten. Bei uns läuft man auf den Müllbergen der Sünde, um die Leere im Herzen zu füllen, die allein der Herr Jesus stillen kann.
In einem Altersheim erzählten wir von Dem, Der unser Leben in Seiner Hand hält. Wir leben unser Leben vorwärts, doch können wir es nur rückwärts verstehen. Dann werden wir sehen, dass alle Seine Wege, Wege der Liebe waren. Nur dieses Wissen befreit uns von der Bitterkeit über die Dinge, die uns erdrücken wollen. Nur ein Demütiger kann nicht in seinem Stolz verletzt werden. Der größte Segen ist es doch, wenn wir im Segen Gottes gering bleiben dürfen.
In einem christlichen Waisenheim erzählten wir von Dem, Der die aufnimmt, die von Menschen verlassen sind, Der allein volle Genüge geben kann. Wir waren bei einem deutschen Prediger eingeladen, der mit vielen Drogenabhängigen segensreich arbeitet.

Am Sonntagnachmittag hat er mit Menschen, die sonnst nichts zu essen haben, in einer familiären, schönen Atmosphäre eine gesegnete Tischgemeinschaft. Mit ihnen durften wir geistliche Gemeinschaft haben und sie mit Predigt und Liedern erfreuen. Gläubige, die keine Liebe für die Verlorenen haben, verurteilen die verlorene Sünderwelt.
Die dortige Psychiatrie hatte einen sehr freundlichen Chefarzt. In Wirklichkeit kam es mir dort so vor, als wären wir in einem Gefängnis, weil alle Fenster mit Stahlzäunen abgedichtet waren und dies als „selbstmordsicher" galt. In der ersten Etage waren die Alkoholiker, die nach einem durchzechten Wochenende auf Entzug gekommen waren. Wenn wir den Trost im Herrn Jesus nicht haben, an welchen Quellen würden wir ihn dann suchen? Auf vier Etagen durften wird das Evangelium weitersagen. Ein kranker, kaputter Jugendlicher kannte alle christlichen Rockgruppen und spielte auch in einer solchen. Nach der Extase kommt eben der Fall. Die Musik der Hölle ist Heulen und Zähneklappern, auch wenn diese mit christlichem Text unterlegt ist. Wie man keinen Vogel hören kann, wenn ein LKW vorbeifährt, kann man bei einer solchen Musik nicht die zarte Stimme Dessen hören, DER zu unserem Gewissen reden möchte. Der Herr vermag ein zerbrochenes Herz zu heilen, wenn man IHM nur die Bruchstücke überlässt. Er wirft nicht weg, was bei Menschen hoffnungslos ist. Die menschlichen Versuche, sich durch fleißiges Bibellesen, gute Vorsätze und brav sein, rein zu waschen, helfen wenig. Einer kam in unsere Tiefe und gab Sein Blut, das uns weiß wie Schnee wäscht. In einem Obdachlosenheim trafen wir die Gestrandeten der Gesellschaft. Männer hatten abgefrorene Gliedmaßen und konnten sich nur mit Mühe fort­bewegen. Zwei junge Männer erzählten strahlend, wie sie nach 15 Jahren Gefängnis nun wieder einen Frühling in Freiheit erleben dürfen. Doch kann unsere Tiefe nie so tief sein, dass Er uns nicht herausziehen kann. Auch in Mariupol waren wir in verschiedenen Gemeinden eingeladen. Ein junger Bruder bedankte sich, weil er endlich mal etwas vom Stolz hörte, über den so wenig gesprochen wird, und der doch eine der größten Sünden ist, denn Hochmut kommt vor dem Fall. Demütig ist doch nur der, der unter sei­nem Stolz leidet. Ein anderer Bruder fragte: „Führt ihr die Gottesdienste immer so ruhig? Und doch steht man am Schluss vor Gott." Dank Gottes Hilfe konnten wir auch viel Literatur mitnehmen und die Gemeinden damit reichlich versorgen (bis zu siebzig verschiedene Titel und Traktate). In den Schulen und Waisenheimen konnten wir zur Freuden aller viel Schokolade verteilen.

Zum Abschied von der Ukraine gingen wir auf die Straße zu einem Einsatz. Ein Teil von uns sang Lieder, die anderen verteilten Traktate und Einladungen. Wie die Sonne das Wachs weich und den Schlamm hart macht, so macht das gleiche Evangelium den einen Menschen härter und bringt ihn tiefer ins Verderben, während es das andere Herz erweicht und den Sünder errettet. Viele Menschen wollten das Wort nicht annehmen, und einer meinte sogar er wolle „noch leben". Ein anderer fragte, ob wir wirklich an solchen„Dreck" glauben würden. Als wir dann von dem Heiland erzählten, verfinsterte sein Antlitz sich noch mehr. Doch viele hörten auch den Beiträgen zu und ein beladender Mensch fragte, ob Gott alles vergeben könne. So gab der Herr auch hier Seinen Segen, und wir durften ein Geruch zum Leben für die einen und ein Geruch zum Tode für die anderen sein. In unserer Gruppe waren auch etliche Jugendliche dabei gewesen. Sie hatten uns mit ihren Fragen viel Freude gemacht und brachten sich mit ihren Gaben gut ein. Körperlich kaputt, aber im Geist getröstet, machten wir uns auf den 50 Stunden langen Heimweg.

Einen herzlichen Dank an alle, die mit Gebet und Spenden diese Fahrt möglich machten!
Möge Gott sein Werk weiterführen!

Bericht von Mitfahrern

"Was Gott einst in Dir begann, das wird ER auch vollenden. Schaue Dich nicht selber an, bleib in Seinen Händen! Sei getrost, nach jeder Nacht, folgt ein neuer Morgen. Jesus hat die Übermacht, lass IHN für Dich sorgen."
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