Reisebericht Ukraine März / April 2007

„Wohl denen, die ohne Wandel leben, die im Gesetz des Herrn wandeln!“ Psalm 119:1

Ukrainefahrt Os
tern 2007

Am frühen Morgen des 30. März, einem Freitag, ging es los. Drei Busse und ein Anhänger bepackt mit Verpflegung, Gepäck, Gitarren und Schokoladeneiern. Die wertvollste Ladung waren Kisten voll russischen Traktaten, Büchern und Heften - alles christliche Literatur für Groß und Klein.
Nach einem Halt gegen Mittag in Dresden war die Gruppe vollständig, insgesamt 19 Brüder und Schwestern. Nun ging es zügig weiter, in Görlitz über die Grenze und ohne Zwischenfälle durch Polen.

In der Nacht zum Samstag konnten wir nach zwei Stunden Wartezeit die Grenze zur Ukraine überqueren. Hier änderten sich nun die Straßenverhältnisse, aber sie waren längst nicht so schlimm wie befürchtet. Außerhalb der Ortschaften gab es nur wenige schlimme Schlaglöcher, und so wurden wir während der ganzen Fahrt vor Reifenpannen oder anderen Unfällen bewahrt. Dass das nicht selbstverständlich ist, weiß jeder Mitfahrer, und wir durften in vielen Situationen Gottes Schutz erleben. Ich bin sehr dankbar dafür, wie gut Er alles geführt hat. Einmal stand ein Priester am Straßenrand, den wir für eine Strecke mitgenommen haben. Es war eine große Freude zu hören, dass er von der Gnade Gottes erzählen konnte und wusste, dass er Jesus braucht, um zu Gott zu kommen.
Abends erreichten wir gegen 20 Uhr Nikolajev, wo uns Gena und Natascha M. mit einem fürstlichen Abendessen erwarteten.
Die Fortschritte der Bauarbeiten an ihrem Geschäft und den Gemeinderäumen sind beachtenswert, aber noch viel dankbarer machte uns ihre Freude im Herrn und ihr kindlicher Glaube.

Nach einer erholsamen Nacht durften wir am Palmsonntag den ersten Gottesdienst halten.

In den Tagen darauf hatten wir in zwei Kinderheimen die Gelegenheit, Gottes Wort zu verkünden und auch Literatur und Schokolade zu verteilen. Ein besonderes Erlebnis war der Besuch in einer Feuerwache. Die Männer verfolgten aufmerksam die Verkündigung und führten uns dann einen Feueralarm vor.
In Genas Gemeinderaum luden wir an drei Abenden zur Evangelisation ein und durften viel Segen erleben.
Familie M. planen, in einem leer stehenden, verfallenen Gebäude ein Hospiz für Sterbende einzurichten. Es ist ein großes Vorhaben, aber sie vertrauen auf Gottes Hilfe.

Am Morgen des fünften Tages bestiegen wir wieder die Busse und begaben uns auf den Weg nach Mariopol. Unterwegs kam der Eduard dazu, was für uns eine große Freude war. An diesem Tag wurden wir besonders oft von der Polizei angehalten. Jedes Mal wurde uns ein angebliches Vergehen vorgeworfen, wofür wir Strafe zahlen sollten, aber mit deutschen Antworten und Naivität waren die Beamten dann doch davon zu überzeugen, dass bei uns nichts zu holen ist. Für mich war jeder überstandene Polizeistopp eine Gebetserhörung und gebetet wurde immer, wenn der Hermann mit Händen und Füßen verhandelte.
So erreichten wir am späten Nachmittag Juras Familie in Mariopol. Am selben Abend gab es auch noch eine Versammlung mit vielen Menschen aus den umliegenden Wohnblöcken.
Juras Frau, Lena, kümmerte sich rührend um unsere Verpflegung; und die Unterbringung der Brüder erfolgte in der Gemeinde im Nachbarhaus.
Die Tage in Mariopol waren gut ausgefüllt. Leider wurde uns die Erlaubnis für den Gefängnisbesuch nicht erteilt. Stattdessen hatten wir aber Gelegenheit, zusätzlich noch andere Gemeinden und Versammlungen zu besuchen.

Am Gründonnerstag waren wir in Juras Gemeinde zu Gast und feierten mit ihnen das Abendmahl. Beate, ein Deutsche, die dort verheiratet ist, lud uns zu sich nach Hause ein und wir lauschten gespannt ihrer Erzählung von den Wegen, auf denen sie Gott bisher geführt hat.
In Mariopol besuchten wir zwei Kinderheime und die Psychiatrie, wo wir acht Gottesdienste hielten. Überall verteilten wir Traktate, Bücher und Schokoladeneier verpackt in Frühstücksbeuteln. Es war eine große Freude, von den verschiedensten Gemeinden eingeladen zu werden; von der großen baptistischen Zentralgemeinde bis zu einer Zeltversammlung. Überall durften wir Gottes Gnade predigen und seinen Segen erfahren.

Am Ostermontag nach einem Gottesdienst auf dem Land, einer  Straßenevangelisation und einem Abschiedsgottesdienst in Juras Gemeinde ging es nach Schlangendorf, wo wir zwei Uhr morgens wohlbehalten ankamen.

Nach ein paar Stunden Schlaf besuchten wir zwei Schulen und die Landarbeiter und waren am Abend bei einer Gemeinde zu Gast.

Nun brach unser letzter Tag an, und endlich war einmal Zeit für eine Bibelarbeit, so reich ausgefüllt waren die Tage. In Deutschland haben wir Zeit dazu und nutzen sie nicht. Wir unterhielten uns darüber, wie wichtig es war, dass Abraham zuerst Melchisedek und danach dem König von Sodom begegnete. So ist es wichtig, alles zuerst Gott zu bringen, sei es Erfolg,  Anerkennung, Niederlage oder Ärger, bevor unser alter Mensch damit auf seine Weise umgeht. Es geht so schnell, dass wir Gott die Ehre rauben durch Stolz oder Zweifel.
Nach Hausbesuchen und einem Gottesdienst in Eduards Gemeinde wurde gepackt und abends gegen 10 Uhr machten wir uns auf die Reise.

Die Heimfahrt verlief ohne größere Zwischenfalle, und so durften wir alle Freitagmittag, den 13. April 2007, gesund und fröhlich wieder zu Hause ankommen.

Zum Abschluss soll hier noch an ein paar Gedanken aus den vielen Predigten erinnert werden: Wir hatten herrliches Wetter auf der Fahrt. Fast jeden Tag strahlte die Sonne. Ohne sie gäbe es kein Leben auf dieser Welt. Wir brauchen das Licht, aber das Licht braucht uns nicht. Gott brauchte den Menschen auch nicht, aber wir brauchen Ihn. Ohne seine Liebe sind wir der Sünde und dem Tod ausgeliefert. Obwohl wir gegen ihn rebellieren, verlässt er uns nicht. Im Gegenteil, er geht dem irrenden Schaf - uns Menschen - nach, und ruft ihn zur Umkehr. Er will unser Vater sein und uns alles schenken, was wir zum wahren Leben brauchen. Um das möglich zu machen, hat er seinen Sohn auf die Welt geschickt, der für uns am Kreuz blutete und für uns die Versöhnung mit dem Vater teuer erkauft hat. Als Kinder Gottes dürfen wir jeden Tag kostbare Nahrung bekommen durch sein Wort.
Wenn ein Maler ein Portrait malt, dann lässt er die Makel und Schrammen weg und malt dadurch ein Gesicht schöner, als es ist. In der Bibel zeigt uns Gott, wie wir wirklich sind. Wir erkennen, dass wir von uns aus nichts Gutes tun können. Alles was wir anfangen ist durch den Stolz mit Sünde behaftet. Selbst wenn wir etwas zur Ehre Gottes getan haben, kommt sofort der Stolz und die Sucht nach Anerkennung dazu.
In Mariopol auf dem Markt braucht man eine Erlaubnis, um etwas vortragen zu dürfen, nur die Bettler brauchen keine. Als wir eine Kappe auf den Boden gelegt hatten, durften wir bleiben und unsere Lieder singen. Die Kappe war die Erlaubnis. Jetzt blieben die Menschen stehen, und manche warfen sogar Kleingeld in die Kappe. Die Bibel zeigt uns, dass wir nur als Bettler kommen können. Von uns aus können wir Gott nichts bringen, nur unsere Hilflosigkeit und unser Versagen. Wir sind von seiner Gnade und Barmherzigkeit abhängig. Wir brauchen Jesus. Die Männer in der Feuerwache haben nicht gespottet über die Botschaft vom Kreuz. Sie haben zugehört, und einzelne haben bekannt, dass sie bedürftig sind und endlich die Nahrung für die Seele bekamen.
Gott ist gerecht und gleichzeitig liebt er die Welt. Wer zu ihm kommt als Bettler, den beschenkt er mit Gnade und Barmherzigkeit. Durch Christus Jesus sind wir gerechtfertigt vor Ihm. Mit dieser guten Botschaft sind wir zu den Menschen in der Ukraine gegangen. Und das Wunderbare an Gottes Liebe ist, dass man sie nicht für sich behalten kann sondern weitergibt.

Für mich war die Fahrt ein großer Segen, und es ist wirklich schade, dass sie schon vorbei ist. Da ich kein russisch verstehe, fehlen hier verschiedene Beiträge, vor allem die schönen Gedichte der Schwestern - und auch die vielen Lieder sollen trotzdem nicht unerwähnt bleiben. Allein zuzuhören, ohne zu verstehen war ein Genuss. Ich bin mir sicher, dass gerade diese Beiträge die Herzen der Zuhörer erreicht haben.

Bericht eines Mitfahrers
Ganz herzlichen Dank für Eure Gebete und Euer liebendes Mittragen. Ein herzliches Dankeschön auch für alle finanzielle Hilfe; manche Not konnten wir damit lindern helfen. Auch kann jetzt das Büchlein „Wer schuldig wird auf Erden" (von Heinz Böhm) in Russisch gedruckt werden. Die Geschwister freuen sich schon darauf. Es soll in der Ukraine, Moldawien und Kasachstan verteilt werden. … Eure Hermann & Inge
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