Reisebericht Ukraine November 2008

Ukrainefahrtvom 5. - 19. November 2008

„Denn mir ist eine große Tür aufgetan, die viel Frucht wirkt, und sind viele Widersacher da.“  1. Korinther 16, 9

Am Dienstag, den 5. November 2008, starteten wir um zirka 7:30 in Neustadt mit zwei Kleintransportern und ei­nem Anhänger in Richtung Autobahnrastplatz Gefrees, wo noch ein Bruder mit seiner Tochter mit einem dritten Bus dazukam.
Nachdem unsere Gruppe - neun Brüder und eine Schwester - vollzählig war, ging es dann weiter in Richtung deutsch-polnische Grenze. Dort konnten wir zum ersten Mal ohne Schwierigkeiten über die Grenze gelangen, weil Polen jetzt zur EU gehört und dem Schengener Abkommen beigetreten ist.
Durch Gottes Güte hatten wir an der polnisch-ukrainischen Grenze nur zirka eine halbe Stunde Aufenthalt.
Wir fuhren in Richtung Nikolajew, wo wir uns an einer Tankstelle mit Bruder Gena trafen. Vier Geschwister aus Moldawien, die bereits am Vortag bei ihm eintrafen, brachte er mit. Sie wollten auf der weiteren Fahrt bei unserer Gruppe mit dabei sein, ebenso ein junges Ehepaar aus Nikolajew. Für Mariupol brachte Gena die bei sich gelagerte Literatur mit. Die beiden großen Trampoline für die Waisenheime in Nikolajew konnten wir für später ihm mitgeben.
Dann ging es weiter in Richtung Schlan­gendorf. Kurz vor dem Ort trafen wir uns dann mit Bruder Eduard. Er brachte Schokolade mit, die er direkt in der Fabrik für uns besorgen konnte.
Nun ging es weiter in Richtung Mariupol, unserem ersten Aufenthaltsort. Wir hatten schon zuvor mit Bruder Jura einen Treffpunkt an einer Tankstelle ausgemacht und fanden uns dort auch sogleich. Das freudige Wiedersehen war überall unbeschreiblich groß.
Todmüde kamen wir dann alle nach 42-stündiger Fahrt in Mariupol bei dem Haus von Bruder Jura an, wo wir uns erst einmal schlafen legten.

Am Freitag, dem 7. November, übten wir dann mehrere schöne Lieder ein, unter anderem „O, Du Lamm Gottes", „Ich lebte einst in Satans Macht", „Es eilt die Zeit, die Stunden fliehn".
Nach dem Mittagessen fuh­ren wir in ein christliches Kinderheim, wo wir zwei Lieder vortragen durften. Ein Bruder predigte vom barmherzigen Samariter. Anschließend erzählte Bruder Hermann noch ein Beispiel aus dem Leben der Tiere, dass er geistlich anwandte. Zum Abschluss teilten wir dort - wie auch an mehreren anderen Orten - Literatur, Shampoo, Zahnbürsten und Schokolade an die Kinder aus. Jedes mal war ich persönlich tief davon beeindruckt, wie sich dort die Kinder über „Kleinigkeiten" freuten; man kann das mit den Wohlstandskindern in Deutschland gar nicht vergleichen, die sich über solcherlei Geschenke nicht mehr freuen könnten, sondern nur enttäuschte Gesichter zeigen würden, weil sie satt sind und im Überfluss leben.
Danach besuchten wir noch eine Gemeinde. Dort gibt es fast nur solche Geschwister, die aus den großen Gemeinden hinaus gestoßen wurden; in deren Augen sind sie „Abschaum", aber von Jesus und von Gott dem Vater werden sie geliebt. - Nach einem Liedvortrag von unserem Chor und von Jura haben dann zwei Brüder diesen seelisch verwundeten Geschwistern anhand von Kolosser 1:12, 3:1-14 und Johannes 6:1-15 göttliche Salbe und Öl aufgetragen und haben geistliche Verbände angelegt. Ich persönlich sehe hier, wie Gottes Güte und Gnade wirksam ist und Er auch Heilung schenkt.

Am Samstag, dem 8. November, übten wir nach dem Frühstück noch folgende wunderbare Lieder ein, die wir in den jeweiligen Gemeinden vortragen wollten: „Ach, dass eine Zeit gewesen", „Nun gehören unsre Herzen ganz dem Mann von Golgatha" usw.
Nach dem Mittagessen fuhren wir in die Gemeinde von Bruder Jura, wo wir mit Liedern und Predigten dienen durften. Es ging dabei hauptsächlich um das Tun des Gesetzes, um Gesetzlichkeit bei Gläubigen. Die meisten suchen durch ihr Tun, ihr Einhalten der Gebote, vor Gott gerecht zu werden, finden auf diesem Weg jedoch nicht die Gnade, die Liebe und das wahre geistliche Leben. Das Gesetz hat die Aufgabe, den „gläubigen" Menschen in Hilflosigkeit und Ver­zweiflung an sich selbst zu bringen, dass er mit Paulus zu schreien beginnt: „Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes?" So gereicht ihm das Gesetz, das ihm doch zum Leben gegeben war, zum Tode (siehe Römer 7).
Abends besuchten wir dann noch eine große Gemeinde in Mariupol. Was mich dort sehr beeindruck­te, ist, dass der Älteste das Obdachlosenheim in der Stadt besucht, um dort den Ärmsten der Armen die Gnadenbotschaft zu bringen. Wo findet man so etwas bei den Ältesten der Gemeinden in Deutschland?

Am Sonntag, dem 9. November, waren wir bei einer Gemeinde, in deren Bethaus es im letzten Jahr sehr kalt war, aber trotzdem hatten alle warm entzündete Herzen zu Jesus hin. In diesem Jahr war auch der Raum warm und die Herzen noch mehr. Es ist eine relativ junge Gemeinde; die meisten Geschwister sind noch jung im Glauben und in der ersten Liebe. - Gegen Nachmittag besuchten wir das Blau-Kreuz-Heim in Mariupol; dort hilft man Menschen in Not - seien es Alkoholiker, Drogenabhängige oder auch einfach mittellose Menschen -, indem man sie mit irdischen Gütern, aber vor allem auch mit der Gna­denbotschaft versorgt. Ich konnte dort beobachten, wie sich die Leute über die Botschaft und unsere mitgebrachten Gaben freuten. - Abends wurden wir von der Zentralgemeinde eingeladen, um mit Lie­dern und Wort Gottes zu dienen.

Am Montag, dem 10. November, besuchten wir die Psychiatrie von Mariupol. Hier konnte man viele seelisch kaputte Leute sehen. In den Augen der Menschen sind sie hoffnungslose Fälle; aber bei Gott gibt es keinen hoffnungslosen Fall. Sein Wort sagt es uns ja in Matthäus 19:25-26. Auch diese Menschen hat Gott nicht vergessen. Diesen Ärmsten der Armen durften die Brüder das himmlische Manna von Gottes Güte und Gnade weitergeben. - Anschließend fuhren wir nach Schlangendorf zu Bruder Eduard.

Am Dienstag, dem 11. November, waren wir in der Dorfschule von Schlangendorf, wo wir Lieder und Gedich­te vortrugen. Das gepredigte Wort war aus Psalm 113. Es ging hauptsächlich um den Vergleich zwischen den starken und den sensiblen und schwachen Menschen. Gottes Wort sagt uns schon, dass die Starken die Schwachen tragen sollen und ihre Stärke nicht ausnutzen dürfen. Beide Charaktere sind in Gottes Augen wertvoll und wertgeachtet, beide sind bei Gott gleichgestellt. Der Herr Jesus benutzt beide Charaktertypen. - Gegen Abend gestalteten wir in einer lutherischen Kirche den Gottesdienst. In Ein­fachheit und Schlichtheit machten die Brüder Gottes Gnade groß.

Am Mittwoch, dem 12. November, besuchten wir Familien in Schlangendorf. Wir teilten uns in zwei Gruppen zu je vier Leuten. Eine Gruppe ging zu den deutschen und eine zu den ukrainischen Familien. Bei einer deutschen Familie erfuhren wir einiges davon, wie sie unter der kommunistischen Tyrannei heimlich Bibeln abschrieben, druckten und verteilten, ebenso christliche Literatur. Wir können Gottes Gnade preisen, die durch den Heiligen Geist „ichverkrümmte“, selbstsüchtige Menschen dazu bringt, unter solchen Umständen in Glaubensmut anderen Menschen die heilsame Gnade Gottes zu bringen.
Abends besuchten wir dann eine Gemeinde in Berislav, wo wir wieder dienen durften. Nach einem liebevoll und reich gedeckten Abendessenstisch verabschiedeten wir uns von den lieben Geschwistern.

Am Donnerstag, dem 13. November, gegen Nachmittag besuchten wir eine weiterführende Schule in Schlangendorf und hatten dort mit den großen Kindern gemeinsam ein schönes geistliches Programm. Die Herzen sind dort sehr offen für das Evangelium. Wieder ging es in der Botschaft um das Zusammenleben zwischen den Starken und den Schwachen.
Gegen Abend fuhren wir nach Nikolajev, wo uns Gena und Natascha auch schon mit einem reich gedeckten Tisch erwarteten. Nach kurzer Besprechung der kommenden Gottesdienstgestaltung gingen wir müde zu Bett.

Am Freitag, dem 14. November, dienten wir in einem Taubstummenheim bei den Kindern mit unseren Bei­trägen.  Nachmittags fuhren wir nach Neu-Odessa und besuchten dort ein Invalidenheim.
Abends hat­ten wir dann noch einen Gottesdienst bei Gena (in Nikolajev), wo es hauptsächlich um den Glaubenskampf ging.

Am Samstag, dem 15. November, waren wir in einem Heim für schwererziehbare Jungen. Dort predigte je­mand von uns über die zwei Bauherren: Der eine baute auf Sand, der andere auf Fels. Es ist einfach wichtig für den Menschen, dass er das rechte Fundament bekommt für sein Leben, nämlich Jesus und Sein vollbrachtes Erlösungswerk.
Gegen Nachmittag fuhren wir zu einem Rehabilitationszentrum für Alkoholkranke und Drogensüchtige. Der Bruder, der dort die geistliche Betreuung leitet, erzählte uns von seiner Arbeit, die er seit 1999 durchführt.
Abends nahmen wir dann noch bei Gena am Gottesdienstteil. Es ging im Kern darum, dass Jesus das innere des Menschen ansieht, nicht die Person, und dass der Mensch von sich aus Gott nichts bringen kann.

Am Sonntag, dem 16. November, beschäftigte uns im Morgengottesdienst bei Gena, dass man nicht auf den Menschen hören und schauen soll, sondern auf die Stimme des Guten Hirten.
Gegen Abend besuchten wir Geschwister aus der lutherischen Gemeinde und durften ihnen mit Gottes Hilfe dienen. In der Predigt hörten wir, dass Gott den Selbstgerechten, Stolzen und Hochmütigen demütigt, aber den geistlich Armen, der ein zerbrochenes Herz hat, aus dem Staub erhebt, dass er etwas sei zum Lob der herrlichen Gnade Gottes.

Am Montag, dem 17. November, besuchten wir ein Invalidenheim, wo wir die Gnadenbotschaft bringen durften.
Anschließend fuhren wir noch zu einem Bruder, der eine große Landwirtschaft betreibt, eine Pizzeria und ein Hotel hat. Dieser Bruder ist trotz seines Reichtums sehr bescheiden und demütig. Er bezahlt seine Arbeiter gerecht. Dies hat mich tief beeindruckt.
Gegen 16 Uhr machten wir uns schweren Herzens auf den Heimweg.

Wir möchten allen ganz herzlich danken für die Gebete und Mithilfe jeglicher Art! Ohne dies wäre die ganze Arbeit nicht möglich.

Bericht eines Mitfahrers
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