Reisebericht Ukraine März/ April 2010

Osterfahrt 2010 - Wie war die Fahrt so schön!

Am Donnerstag, den 25. März 2010, fuhren um 8.00 Uhr zwei Busse von Neustadt/ Weinstraße Richtung Ukraine. 2700 km lagen vor uns.

Schon nach einer Stunde konnte ein Bus nicht mehr. Die Einspritzpumpe wollte einfach nicht mehr. Schon da erfuhren wir wieder, dass auch diese Fahrt vom lebendigen Gott ausging. Sie ist Sein Werk, nicht unser Werk und ER hat Mittel, für Seine Sache zu sorgen. So sorgte ER gerade zur rechten Zeit für einen anderen Bus.

In Bamberg kam noch ein Bus dazu, und in Dresden war die Gruppe mit 14 Personen vollständig. Unsere Jüngste war zehn Jahre alt und fuhr ohne Eltern mit uns. Ein schönes Zeugnis, dass Eltern ihre Kinder in Gottes Hand geben, der über sie zu wachen vermag.

Die Straßen hatten im Winter sehr gelitten und es gab unterwegs viele, viele Löcher. Die Autos litten mit den Straßen mit und weinten manche Träne. Unser Herz weinte auch manchmal mit.

Aber Gottes Gnade brachte uns sicher am Samstag, den 27. März 2010 nach Mariupol zu unserem Zielort, wo wir 8.00 Uhr ankamen. Drei Geschwister aus Moldawien kamen noch dazu. Erschöpft ruhten wir von den Nachtfahrten. Wer nicht ruhte, versuchte einen Platz in der einzigen Dusche zu ergattern. Dann übten wir Lieder nach dem Grundsatz ein, dass es besser ist, von Herzen falsch zu singen, als richtig zu singen ohne Herz. Die Liebe hat uns dann aber auch gelehrt, richtig zu singen. :-) Unser kleines Orchester bestand aus Geige, Cello, Blockflöte, Querflöte, Gitarre und Mundharmonika. Um 17.00 Uhr begann der erste Gottesdienst.

Am Sonntag hatten wir vier Gottesdienste. Im letzten, einer Jugendkonferenz, waren wir sehr erschüttert. 300 Jugendliche saßen gelangweilt auf ihren Plätzen. Die Dämonen glauben und zittern. Wir aber glauben nicht mehr an Gottes Heiligkeit und zittern daher oft nicht mehr davor. Man versuchte, mit rhythmischer Musik Leben zu bringen, aber es war alles wie tot.

Der Montag mit neun Gottesdiensten war anstrengend, aber gesegnet. Vormittags waren wir in vier, nachmittags in drei Abteilungen der Psychiatrie. Viele kannten die biblischen Geschichten und hatten Gemeindehintergrund. Manche waren gerade an den Gemeindestrukturen erkrankt, waren einsam inmitten einer großen Gemeinde. Es ist leichter, mit frommen Worten ein Herz zu zerbrechen als mit liebenden Worten den Schmerz der Zerbrochenen zu lindern. Die Menschen waren sehr dankbar für unser Kommen.
Ein Boxer, der mal Meister der Ukraine war, lag nun da und all sein Ruhm war nun dahin. Elend allein blieb ihm. Dabei wurde ich an folgende Worte erinnert: „Die Welt vergeht mit ihren Lüsten, des Fleisches Schönheit dauert nicht; die Zeit kann alles das verwüsten, was Menschenhände zugericht'. Ein jeder liebe, was er will, ich liebe Jesus, der mein Ziel."

Im Obdachlosenheim wurden wir herzlich willkommen geheißen. Tiefer sinken kann man von da aus nicht mehr. Tiefer ist nur das Grab, was für manchen aber nicht Endlösung, sondern Erlösung bedeutet. Ein Mann litt an Krebs und niemand behandelte ihn.
Er starb drei Tage nach unserem Besuch. Geschwister gehen dorthin, holen Männer, die sich seit zehn Jahren nicht gewaschen haben, die Socken nicht wechselten und baden sie. Würmer und Eiter kommen manchmal heraus. Dann werden sie an diesen Ort zurückgebracht. „Hat es sich gelohnt", fragt die Logik. „Wie kann ich dienen" fragt die Liebe. Ein Ältester einer großen Gemeinde geht regelmäßig dorthin. Dann kamen die ungewaschenen Obdachlosen in den Gottesdienst. Gemeindeglieder beschwerten sich über den Geruch. Ist dieser uns nur unangenehm, weil wir den Gestank unserer fauligen Herzen nicht wahrnehmen können?

Zum Abschluss des Tages ging es in eine neu gegründete Gemeinde. Die Freude, die uns der Herr an diesem Tag im Dienst schenkte, durften wir dort weitergeben. Keiner zeigte Müdigkeit.

Wir fuhren am Dienstag zu einem Bruder weit hinaus, der an das Bett gefesselt ist. Wieder fragt die Logik, ob es sich lohnt für Einen. Wenn Du aber der einzige wärest, der Erlösung gebraucht hätte, so wäre der HErr auch für Dich allein gekommen, Dich zu erlösen. Mit zwei Gottesdiensten in Dörfern endete auch dieser Tag.

Der Mittwoch war unser letzter Tag in Mariupol, wir besuchten ein Altersheim. Die Bewohner unterbrachen für uns ihren Frühjahrsputz. Die Wände dort waren schön bemalt von einer Bewohnerin. Wir predigten den gekreuzigten Christus. ER nahm den Schächer an. ER nimmt auch die an, die in ihren letzten Lebenstagen Ihm sagen, dass sie unwert aller Gnade sind und nur die Verdammnis verdient haben. Gerade die möchte ER retten.

Nach dem Mittagessen ging es in das christliche Kinderheim. Dort wurden wir freudig erwartet. Ein Bruder fragte, was für ein Herz dem Herrn gefällt. Die Direktorin wollte es vorsagen. Ihr wurde gesagt, dass eine Frage, die nur das Herz beantworten kann, nicht vorgesagt werden kann. Denn sonst bleibt alles nur totes Vernunftwissen. Sie nahm die Ermahnung dankbar an und die Kinder sagten, dass nur ein demütiges, zerbrochenes Herz dem Herrn gefällt.
Am Ende schütteten wir Säcke mit Teilen aus, woraus man eine Spielzeugeisenbahn zusammenbauen kann. Alle stürzten sich darauf, es war ein herrliches Durcheinander; wir alle hatten viel Freude und die Direktorin durfte sich in Geduld üben. Die mitgebrachte Schokolade, die wir in der Ukraine supergünstig gekauft haben, hat große Freude bereitet bei all unseren Besuchen.

Der Tag endete in einer neuen Gemeinde. Dort gab jemand Zeugnis, der 35 Jahre rauchte und 25 Jahre Drogen nahm. Er wurde von der Mafia gejagt und entkam dem Tode mehrmals nur sehr knapp. Im Gefängnis kam er zu Jesus.

Damit endete unsere Zeit in Mariupol. Dankbar erfuhren wir von den Geschwistern in Mariupol, dass man in den Gemeinden von den Predigten der Gruppe noch lange redete. Diese aber wurden von Bettlern gehalten, die anderen Bettlern sagen, wo sie Brot und Hilfe gefunden haben. Ca. 500.000 Menschen leben in dieser Stadt am Asowschen Meer. Es befinden sich dort zwei der sechs größten Unternehmen der Ukraine mit einem Umsatz von insgesamt 4,2 Mrd. €. Die Stadt liegt im Südosten der Ukraine und ist nur 600 km von Wolgograd (Stalingrad) entfernt. Das wiederum liegt nur 100 km von der kasachischen Grenze entfernt. Also haben uns 700 km gefehlt bis zur Grenze nach Asien.

Am Donnerstag ging es 500 Km zurück Richtung Heimat nach Nikolajew. Auch dort wurden wir sehr herzlich in Empfang genommen. Wir schliefen bei einem gläubigen Taxiunternehmer. Von der Familie wurden wir kulinarisch sehr verwöhnt.
Küchendienst wird in der Regel sehr selten beachtet und auch in dieser Sache wird offenbar, wer sich immer auf andere verlässt, und wer gern den Geschwistern dient. Mancher bekommt dann eine liebevolle „Bemerkung", die ihm hilft, den Spüllappen in die Hand zu nehmen. Einige Geschwister aus Mariupol fuhren mit uns. Sie kamen aus den Drogen und sind von der Straße gläubig geworden. Sie gaben Zeugnis von der Macht der Sünde, die sie gefangen nahm und von der Macht des Herrn Jesus, der sie befreite. Einer hatte fast keine Zähne mehr und war im Krieg gegen Georgien im Panzer fast ums Leben gekommen. Er bezeugte frei, dass er keine Willensstärke und keine Kraft gegen die Sünde, aber allen Trost im Herrn Jesus gefunden hat. Jeden Abend wischte er den Gemeindeboden und half viel in der Küche.

Am Freitag besuchten wir ein Taubstummenheim. Dieses Mal waren fast alle Erzieher da. Es wurde von deutsch auf russisch und von russisch auf die Gebärdensprache übersetzt. Das Wort dann in die Herzen zu übersetzen, stand nicht mehr in unsrer Macht, aber wir durften dies Dem anvertrauen, Der uns dorthin sandte.

Danach fuhren wir zu einem Unternehmer, der viele Arbeiter angestellt hat. Obst und Gemüse wird angebaut und weiterverarbeitet. Säfte und Konserven werden produziert. „Möge Gott Dir Gesundheit geben" steht auf allen Flaschen, die hergestellt werden. Auf dem Fabrikgelände steht groß „Ehre Vater und Mutter". Auch die LKWs sind nicht nur mit Gemüse beladen, sondern auch mit: „Alle Ehre dem HErrn" beschrieben. In drei Betrieben durften wir das Evangelium den Arbeitern bringen, die eine extra Pause für das Programm bekamen.
Für jeden Arbeiter hatten wir drei Bücher und Schokolade.
Wir erfuhren dort, dass im letzten Winter -30C° war. Selbst unter dem Schnee sind die Weinstöcke erfroren. Vom Feld ging es dann zum Gottesdienst, wo wir 15 Minuten zu spät ankamen. Aber unser HErr kommt nie zu spät, denn Seine späteste Hilfe ist immer früh genug. Von diesem HErrn durften wir predigen und mit diesem Herrn auch den Tag beenden. Mit sehr viel Liebe hat unser Bruder Wilhelm die mitgebrachte und in Odessa gekaufte Literatur verwaltet und vorbereitet, so dass wir in jeder Gemeinde und überall wo wir hinkamen reichlich verteilen konnten. Mit dankbaren Herzen und Händen wurde alles entgegengenommen. Den Brüdern dort, die etwa zwölf Gefängnisse besuchen, haben wir reichlich Literatur für ihre Arbeit überlassen.

Am Samstag besuchten wir ein Invalidenheim. Dort ist ein junger Mann, der nicht gewollt war. Die Mutter versuchte, eine Fehlgeburt herbeizuführen. Es gelang ihr nicht. Aber er kam behindert zur Welt. Er weiß immer genau, worüber bei unserem letzten Besuch gesprochen wurde. Von dem HErrn weiß er viel und konnte genau sagen, was die Propheten über den Herrn Jesus geschrie­ben hatten. Bei Gott war er also gewollt, und nun hat er seine Aufgabe im Invalidenheim gefunden.

Dann fuhren wir in ein Heim für schwer erziehbare Kinder. Dort gab der Bruder Zeugnis, der im Panzer gesessen hatte. Er erzählte von seiner Drogenlaufbahn so, dass die Kinder meinten, es könne ihre Geschichte werden. Aber er sagte auch von der Erlösung, die niemand als der HErr selber schenken kann. Einige Jungs bezeugten am Ende, dass sie mit Jesus leben möchten. Das Basketballspiel gegen diese Jungs verloren wir, aber die Herzen gewännen wir damit :-) Mit einem Gottesdienst endete auch dieser Tag.

Nun kam der Ostersonntag: „Christos woskres" war überall zu hören. Wir hörten neu, dass Gottes Tote nach Jesaja 26:19 leben werden. Wer also mit Christus gestorben ist, wird leben. Wer nicht mit IHM gestorben ist, bleibt in der selbst erwählten Geistlichkeit und damit ohne Hoffnung. Es war für uns herrlich, immer wieder im Aufdecken des eigenen Elends und der Nichtigkeit auf Christus geworfen zu werden, der uns allein halten und Leben schenken kann.

Danach hatten wir eine Jugendversammlung. Es kamen viele Fragen, über die wir gemeinsam nachdachten. „Wie kann man lieben?", war eine Frage. Kann man die Nächstenliebe erlernen? Wie wirkt sich die Liebe des Heilandes zu uns aus? Wie kann die Frucht des Geistes in uns Gestalt gewinnen? Können die träge gesungenen Lieder auch etwas lebendiger gesungen werden und vieles mehr. Weiter ging es um das Thema der Kleidung. Ein Bruder aus Moldawien sagte den Schwestern, wie sie in der Kleidung den Brüdern helfen können, rein in Gedanken und Blicken zu leben. Überhaupt ist die Gemeinschaft zwischen Brüdern und Schwestern auf der Fahrt sehr natürlich und herzlich sauber, was von allen als schön empfunden wurde.

Am Montag, unserem letzten Tag in der Ukraine gingen wir in ein Tuberkulose- Krankenhaus. Im Empfangsraum durften wir den Patienten und dem Personal den Auferstandenen verkündigen. Eine Krankenschwester meinte, dass wir nicht ohne Sünde leben können, da ja die körperliche Liebe auch Sünde ist. Mit sehr viel Liebe sagte ein Bruder dann, dass Liebe ohne Treue im Grunde nur Selbstliebe und Einsamkeit ist. Die Liebe des Heilands aber opferte sich und ging ans Kreuz für uns. So verschwanden die kritischen Gesichtszüge und Tränen liefen der Frau über die Wangen. Es war ein Osterwunder.
Ein Patient war gläubig und seine Mutter besuchte ihn gerade. Sie hatte drei Tage gefastet, weil sie Heilung für ihren Sohn wollte. Der HErr gab uns die rechten Worte, ihr zu sagen, dass sie doch beten darf: „Dein Wille geschehe." ER weiß doch, was ER mit ihrem Sohn tut und weiß allein, was das Beste für ihn ist. Wenn ER ihn nun so liebt, dass ER ihn gern bei sich hätte? Ja, dann würde sie ihn auch loslassen. So hatte der HErr dieser Frau Frieden im Herzen vom Eigenwillen geschenkt und sie fand Ruhe, ganz in Gottes Hand zu sein und sich an IHM genügen zu lassen.

Im letzten Gottesdienst wurde noch einmal an Petrus gezeigt, wie er den Worten des HErrn von seiner Verdorbenheit nicht glaubte, als der HErr ihm sagte, er würde ihn verleugnen. So machen wir Gott zum Lügner mit unserer eigenen Gerechtigkeit und glauben nicht, dass es so verloren mit uns ist. Wenn uns der HErr dann aber demütigt, und wir endlich Seinen Worten glauben, können wir erfassen, dass ER alles vollbracht hat und wir uns ganz in Seiner Gerechtigkeit kleiden können.

Am Dienstag ging es nach einem Marktbesuch um 12.00 Uhr Richtung Heimat. Vorher stärkten wir uns in der Pizzeria des Unternehmers mit einem guten Essen. Überall auf den Tischen lagen Traktate. Am Eingang standen zwei Tafeln mit den 10 Geboten. Als wir bezahlen wollten, sagte der Kellner, dass schon alles bezahlt ist, und der Bruder uns Gottes Segen wünscht.

Nun lagen wieder 2350 km vor uns. Dieses Mal machten wir einen Umweg von 150 km, weil wir da bessere Straßen hatten. Mit kniffligen Fragen zur Bibel über Funk endete unsere Reise. Es gefiel uns allen sehr und wir müssen oft an die Geschwister dort denken.

Am Donnerstag, den 8. April 2010, gegen 6.00 Uhr kamen wir wohlbehütet und dankbar in Neustadt an.

Wir sind sehr dankbar für alle Gebete und Hilfe jeglicher Art. Ich bin auch sehr dankbar für die Gruppe, es war einfach schön mit euch, und dass wir trotz allen Gefahren behütet heimkommen durften.

Wir danken dem Herrn, dass die Fahrten immer wieder möglich sind.

Bericht eines Mitfahrers
Startseite <I Reisebericht Ukraine März/April 2010 I
Startseite <I Reisebericht Ukraine März/April 2010 I