Reisebericht Ukraine November 2010


Denn aus Gnaden seid ihr errettet durch den Glauben, und das nicht aus euch - Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme. Denn wir sind sein Werk, erschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.“ Epheser 2:8-10

Bericht Ukrainefahrt vom 4. November 2010 bis 17. November 2010

Am Donnerstag, den 4. November 2010, fuhren wir mit zwei Bussen aus Neustadt Richtung Polen los. Nach und nach kamen noch ein paar Geschwister dazu, sodass wir mit 10 Brüdern, zwei Schwestern und unserem Nesthäkchen Vera (6 Jahre) komplett waren. Es ist jedes Mal einmalig, wie Gott die Gruppe zusammenstellt. Da sind die unterschiedlichsten Charaktere und Altersgruppen dabei, aber man wächst nach kurzer Zeit wie eine große Familie zusammen und kann sich am Ende nur schweren Herzens trennen. An den Grenzen kamen wir auf der Hinfahrt schnell und ohne Probleme durch. Aus Deutschland nahmen wir ein paar Kisten Schokolade für die armen Leute mit. Die Schokolade pflasterten wir unter die Matratzen, damit es an der Grenze nicht auffällig erscheint, sodass dann einige von uns auf der Fahrt süß geschlafen haben.

In Nikolaev machten wir bei Gena und Natascha einen Zwischenhalt. Dort kamen noch drei Schwestern aus Moldawien dazu; es war sehr schön, dass sie dabei waren. Dann ging es weiter Richtung Mariupol. Unterwegs machten wir Bibelquiz, was sehr interessant war.

Mit Gottes Bewahrung kamen wir bei Jura und Lena in Mariupol am Samstag, den 6. November 2010, gegen 2 Uhr nachts nach zirka 42 Stunden Fahrt an.
Nach nur ein paar Stunden Schlaf war vormittags gleich ein Einsatz im Altersheim geplant. Da wir nur wenig Zeit zum Üben hatten, war vieles spontan und vielleicht nicht perfekt, aber es war von Herzen. Die betagten Leute schauten uns mit dankbaren und zufriedenen Augen an. Diese Anblicke machten uns glücklich und stärkten uns.
Am Nachmittag fuhren wir in ein christliches Kinderheim namens „Der gute Samariter". Dort wurde unser Hermann von der Direktorin angestürmt. Es schafft nicht jeder, bei ihr zu Wort zu kommen, aber der Herr arbeitet auch an ihr und ändert sie nach seinem Wohlgefallen. Über unseren Besuch freuten sie sich sehr.
In der Gemeinde, in der unsere Brüder schliefen, wurden wir am gleichen Abend zum Gottesdienst eingeladen. Es kam auch viel Jugend, und wir hatten herzliche Gemeinschaft miteinander. „Onkel“ Wilhelm predigte vom „Hohelied", und er verglich es mit Christus und der Gemeinde. Er hat uns dieses Buch aufs Neue sehr interessant gemacht und viele Einzelheiten gezeigt, die man sonst leicht übersehen kann.

Am Sonntagmorgen, des 7. November 2010, führten wir Gottesdienst bei Heinz und Martina im „Blauen Kreuz" durch. Sie sind ein älteres Ehepaar aus Deutschland, die Leute von der Straße regelmäßig einladen, ihnen Essen geben und von der Liebe Jesu erzählen. Sie sammeln die verkommensten Obdachlosen und Kranken ein, waschen sie und sorgen für eine Unterkunft. Ein Bruder sang dort ein Lied, in dem die Frage gestellt wurde: „Wer ist ein wahrer Christ? Nicht wer laut wie der Pharisäer am Altar betet, sondern wer im Verbogenen Gutes tut. Der, der sich nur in Christus rühmt und auf Ihn kindlich vertraut. Jeder prüfe sich aber selbst."
Am Abend fuhren wir in eine große Gemeinde am linken Ufer des Asowschen Meeres. Die Seite der Kirche zum Meer hin ist aus Glas gebaut, deshalb nennen wir sie die Glasgemeinde. Dort ist der Älteste ein sehr weiser und gutherziger Mann. Er geht jede Woche zu den Obdachlosen, predigt dort und macht die Arbeit, die sonst keiner machen würde. In dieser Versammlung sprachen die Brüder über die Nachfolge. Wir dürfen dem Herrn Jesus mit Freuden nachfolgen, aber wie oft schämen wir uns des Evangeliums. Paulus schreibt im Hebräer 11:25,26: Er zog es vor, mit dem Volk Gottes Bedrängnis zu erleiden, als den vergänglichen Genuss der Sünde zu haben, da er die Schmach des Christus für größeren Reichtum hielt als die Schätze, die in Ägypten waren; denn er sah die Belohnung an. Haben wir noch Freude an Gottes Heil? Können wir unser Joch, das Gott uns auferlegt hat, mit Freuden tragen? Lieben wir noch mit unserer ersten Liebe unseren Heiland? Das sind Fragen, die einen wieder wachrütteln.

Am nächsten Tag, dem 8. November 2010, gingen wir in die Psychiatrie; wir waren in sieben Abteilungen und durften den Männern und Frauen von der Liebe Gottes weitererzählen. Der Chefarzt, ein sehr feiner Mann, war leider nicht dabei, weil es ihm nicht gut ging, da er erst vor kurzem operiert wurde. Aber ein paar Geschwister von uns besuchten ihn persönlich. Obwohl er nicht gläubig ist, wollte er, dass man noch miteinander betet.
Danach fuhren wir ins Obdachlosenheim. Dort beginnt der Anfang des Himmels. Tiefer als diese Leute kann man wirklich nicht mehr sinken, aber man kann von ihnen den Umgang miteinander lernen. Da half einer dem anderen, der kaum noch gehen konnte, in die „Natschleschka" (ihr Übernachtungsplatz). Das war ein so ergreifender Anblick, den jeder selbst erleben müsste. Anschließend besuchten wir die neunte Versammlung an diesem Tag. Spät abends waren wir müde und erschöpft, aber es war gesegnet.

Am Dienstag, den 9. November 2010, hatten Andreas und Benjamin Geburtstag. Wir wünschten ihnen alles Gute und Gottes Segen und schenkten einen Kuchen, den wir miteinander aßen. Der Tag war nicht so sehr verplant, so dass einige zum Markt gehen konnten, und die anderen besuchten Beate, eine Deutsche, die mit ihrem Mann Sascha in der Ukraine lebt, und gemeinsam den Drogenabhängigen das Evangelium verkündigen. Sie nahmen Männer auf, die nach ihrer Entlassung vom Gefängnis nicht wussten wohin. So auch den „kleinen" Wowa. Er lag im Tuberkulosenheim am Sterben, bekehrte sich durch Gottes Gnade und ist jetzt ein brennender Christ mit einem so kindlichen Glauben, den man sich nur wünschen kann. Er hat schon sehr vieles im Leben durchgemacht, und es ist Gottes Wunder, dass er überhaupt noch lebt. In der Zeit, als wir in Mariupol waren, hatte er sehr hohes Fieber. Wir alle beteten für ihn und nach paar Stunden ging das Fieber weg, und er und noch ein paar Geschwister aus Mariupol fuhren mit uns nach Nikolaev.

Mittwochabends, des 10. November 2010, fuhren wir los, mitten in der Nacht fuhr Jura mit seinem Auto in ein großes Schlagloch, dass sein Rad so verbogen wurde, dass man es wechseln musste. Auch da merkten wir, dass wir ohne Gottes Bewahrung hilflos aufgeschmissen sind.

Donnerstagvormittag (11. November 2010) durften wir in ein Heim zu geistig behinderten Männern fahren. Hermann fragte sie, welches ihre Lieblingsblume sei, und die meisten antworteten, dass es die Rose ist. Die Rose ist vielleicht die schönste Blume, aber sie hat Dornen, und man kann sie nur vorsichtig anfassen. Genauso ist es mit Menschen. Jeder ist wie eine Rose, die einen haben mehr die anderen weniger Stacheln, aber mit jedem muss man mit Achtung umgehen.
Danach waren wir im Taubstummenheim. Interessant war, dass die meisten Kinder erst mit zwei oder drei Jahren taub wurden nach Behandlungen mit Antibiotika von irgendwelchen Krankheiten. Es ist ein Wunder, wie sie die Gebärdensprache beherrschen und sich unterhalten. Ihre Augen strahlten die Dankbarkeit und Freude aus, die sie mit Worten nicht agen könnten.
Abends war der erste Gottesdienst bei Gena und Natascha in der Gemeinde. Da hörten wir über Pfeile. Wie doch unbedachte Worte wie scharfe Pfeile andere Menschen verletzten können. Da war der Vergleich zwischen David und Saul. Als Saul den Speer warf, um David umzubringen, warf David ihn nicht zurück, sondern erkannte es als Führung Gottes, dass Gott ihn zum Mann nach seinem Herzen machen wollte. So gebrauchte Gott Saul, damit David nicht zu einem zweiten Saul wurde. Gott lässt zu, dass Menschen schmerzende Pfeile schicken, damit man sein Inneres erkennt und den Stolz darin und sich nicht an dieser Person ärgert, die einen verletzt hat.

Freitags (12. November 2010) fuhren wir auf eine Insel zu den schwer erziehbaren Jungs und brachten Rosenstöcke für ihren Garten mit. Die haben wir dann auch gleich alle zusammen gepflanzt. Da wurden zwar die Hände schmutzig, die kann man ja waschen, aber wenn unsere Herzen schmutzig werden, die kann nur der Herr Jesus reinigen. Nach der gemeinsamen Arbeit führten wir unser Programm durch. Wir hatten dort zwar nur wenig Zeit, aber die Jungs waren bewegt, einige hatten sogar Tränen in den Augen und wollten einen Bibel haben.
Von dort ging es dann weiter aufs Feld zu den Arbeitern von Bruder Adam, einem gläubigen Unternehmer, der dieses Jahr leider nicht dabei sein konnte, uns aber herzlich eingeladen hatte. Wir stellten mitten im Karottenfeld das Mikrofon auf, sangen Lieder und erzählten den 200 Arbeitern von der Liebe Christi. Es war so ungezwungen, einfach und schön gewesen.
Abends war wieder Gottesdienst bei Familie M., und wir hatten eine schöne Gebetsgemeinschaft erlebt.

Am Samstag (13. November 2010) durften wir in ein Kinderheim, das wir zum ersten Mal besuchten. In diesem Heim wohnen Vollwaisen und Kinder, deren Eltern das Sorgerecht entzogen wurde. Dort leben um die 170 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren. Sie waren sehr aufmerksam, und es war erstaunlich, welche offenen und freundlichen Augen die Kinder hatten. Auch die Erzieher waren froh und dankbar für unseren Besuch. Am Ende verteilten wir jedem Kind Literatur, Schokolade und selbst gestrickte Socken. Das Gebäude und die Außenanlagen waren sauber und gepflegt. Da das Kinderheim direkt am Schwarzen Meer lag, fuhren wir an die Küste, aßen unser Mittagessen dort und hatten eine schöne „Meer“-Gemeinschaft.

Am Sonntagmorgen, des 14. November 2010, war unser letzter Gottesdienst in Nikolaev. In der Predigt erwähnte Hermann etwas von der Psychologie, und dass, egal was wir machen, wenn es ohne Liebe geschieht, alles nur tönendes Erz und eine klingende Schelle ist. Eine Psychologin aus der Verwaltung über alle Gefängnisse in Nikolajev kam danach auf uns zu und bestätigte alles und meinte, die Botschaft sei so wichtig, dass sie alles dran setzen wird, damit wir das nächste Mal in die Gefängnisse dürfen.

Am Montag, dem 15. November 2010, machten wir uns auf den Weg nach Hause.
Unterwegs besuchten wir noch das Tuberkulose-Krankenhaus. Die Leute waren sehr offen für das Wort Gottes.
An der Ukrainisch-Polnischen Grenze wurde unsere Geduld auf die Probe gestellt und nach sieben Stunden Warten konnten wir endlich weiterfahren. Die Fahrt und die Gemeinschaft mit den Geschwistern waren sehr gesegnet und ich persönlich durfte auch viel dazu lernen. Wir sahen immer wieder, und durften es auch selbst erfahren, dass Gott seine Kinder nicht im Stich lässt, sondern sie Schritt für Schritt ans Ziel führt.

Bericht einer Mitfahrerin


Ich bin mit Christus gekreuzigt; und nun lebe ich, aber nicht mehr ich selbst, sondern Christus lebt in mir.“ Galater 2:29
Ganz herzlich danken wir für alle Gebete, alles Mittragen, alle Mithilfe und alle Spenden. Die Not ist groß dort, wir durften viel helfen. … Eure Hermann und Inge
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