Reisebericht Ukraine April 2011

„Denn er wird den Tod verschlingen ewiglich. Und der Herr Herr wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen; Denn der Herr hat's gesagt.“ Jesaja 25:8

Ukrainefahrt Ostern 2011 - vom 14. April bis zum 27. April 2011


Früh am 14. April 2011 begann unser Tag. Nach einem genüsslichen Frühstück bei Familie Hofsäß verstauten wir die restlichen Dinge noch im Auto und schon ging es los. Die Fahrt in die Ukraine. Gemütlich rollten die beiden Autos über die Straßen Deutschlands. Eine buntgemischte Truppe befand sich in den Fahrzeugen, Personen aus den unterschiedlichsten Gemeinden, Nationen und Alters, mit dem Ziel, den Menschen zu dienen. Wenn man aber ungefähr 52 Stunden gemeinsam in einem Auto verbringt, lernt man sich sehr kennen.

Das erste Highlight, dem wir gespannt entgegen beteten, war die polnisch-ukrainische Grenze. Wie genau werden die Zollbeamten unsere Ladung durchsuchen, was werden sie sagen. An der ukrainischen Grenze war ein angespanntes Klima, eine aggressive Atmosphäre, unter den Beamten zu spüren; ein kleiner Fehler könnte schlimme Folgen haben. Als plötzlich ein alter Opa die ganze Energie und Wut der Beamten auf sich zog, indem er sich über etwas beschwert hatte. Die Zöllner waren so mit diesem alten Mann beschäftigt, dass sie uns ohne Kontrolle die Grenze passieren ließen. Um die Mittagszeit erfuhren die, die zum ersten Mal mitfuhren, wie man durch Klugheit den Strafen der Polizei entwischen kann. Bauch, Essen, Kinder, Mafia, Katastrophe waren die Worte, die der Aufforderung folgten, Geld zu zahlen. Jedem, so auch mir, war klar, dass hier andere Gesetze herrschen als in Deutschland. Wir fuhren die Städte Odessa und Nikolajev an, um dort Literatur auszutauschen. An Nikolajev wird sich einer unserer Fahrer vermutlich noch lange erinnern, da er beim Überholen an einem fremden Auto den Spiegel beschädigte. Nach einem kurzen Hin und Her einigte Man(n) sich auf 5 Euro. Keine Polizei, kein Papierkram, nur 5 Euro für den kaputten Spiegel. Von dort aus ging es acht lange Stunden nach Mariupol, wo wir die ersten Tage wohnen sollten. Nur schnell den Anhänger und die Autos ausladen, und wir schlüpften überglücklich gegen 9:00 Uhr in unsere Schlafsäcke, um uns ein wenig von der Fahrt zu regenerieren. Nach einer kräftigen Mahlzeit stand dann auch schon am selben Tag eine Versammlung in der „Heimat"-Gemeinde an. Es war eine herzliche und sehr warme Begrüßung von den Geschwistern. Unser himmlischer Vater schenkte dort, dass ein Bruder nach der Predigt auf uns zu kam und um Gebet bat, weil er neu ein Leben mit Jesus beginnen möchte. Auf unseren Knien beteten wir zu unserem Heiland für diesen jungen Mann. Es war ein herzliches Miteinander, wie man es in Deutschland nur noch selten in Gemeinden und unter Geschwistern so sieht. Gott sei die Ehre für das, was wir erleben durften.

Der nächste Tag war Sonntag, der 17. April. Wie auch in Deutschland suchten wir eine Gemeinde auf, die Gemeinde am linken Ufer (für alle die sich nicht auskennen, Mariupol liegt am Asowischen Meer). Eine große Gemeinde mit Chor und allen nötigen und unnötigen Ausrüstungen. Das Gebäude war beeindruckende 27 Meter hoch und erinnerte an eine Pyramide. Im ersten Teil der Predigt ging es darum, dass wir zuerst zerbrochen werden müssen, wie die Frau zuerst die Ölflasche zerbrechen musste, um Jesus die Füße zu salben; so müssen auch wir zuerst innerlich zerbrechen vor Jesus Christus. Zum Mittagessen waren wir dann in der Gemeinde eingeladen. Es wurde reichlich aufgetischt und für den Einen oder Anderen war es ein neuer Geschmack. Weiter ging es zum Blauen Kreuz, ein Zentrum für Alkoholabhängige. Wir kamen in einen Raum, der schlicht und einfach aussah. An den Tischen saßen Menschen, deren Anblick vermutlich die wenigsten von uns wieder vergessen werden. Traurige, trostlose und kaputte Gesichter schauten uns entgegen. Ich war so froh, dass wir diesen Menschen das Evangelium bringen durften und ihnen sagen, was Jesus für sie getan hat, auch wenn sie das vermutlich öfters gehört haben. Am Abend fuhren wir dann noch in die Zentral-Gemeinde. Also die vermutlich größte Gemeinde der Stadt. Ein ernst blickender Mann begrüßte uns; begeistert waren wir jedoch nicht von dieser Begrüßung. Alles war hektisch und angespannt, man merkte, dass etwas nicht stimmte. Zuspüren bekamen wir das durch einen jungen Bruder dieser Gemeinde. Hochmut und Stolz schien die Leitung in dieser Gemeinde zu prägen. Unser Vater schenkte uns dennoch Einfachheit und Echtheit und Eingang in die Herzen der Menschen. So kam ein Bruder nach der Versammlung auf uns zu und meinte, dass wir sein Herz sehr durcheinander gebracht haben. Ich habe diese Worte bis heute noch im Ohr, weil es mein Herz so erfreute, dass Gott hier Menschen und Herzen öffnen kann. Nach dem Abendessen in der Gemeinde besuchten wir die Jugendstunde dieser Gemeinde, ausnahmsweise als Teilnehmer. Doch ein schreckliches Bild tat sich auf - „Coolheit" und Selbstsicherheit unter den Jugendleitern. Wir waren zutiefst erschüttert über das Erlebte. Vielleicht ist diese Jugend nur Brüder bekehrt? Es sollte uns ein Anliegen sein, weiter besonders für diese Gemeinde und die Leitung zu beten; die Glieder sehnen sich nach Ehrlichkeit und Echtheit, aber erfahren es nicht.

Der Montag wurde zum predigtreichsten Tag unserer Fahrt. Früh morgens fuhren wir in die Psychiatrie. Seit einigen Jahren kommen wir schon dorthin und haben den Menschen vom Evangelium erzählt. Es fand jedoch ein „Machtwechsel" statt, sodass ein „Neuer", die Leitung innehatte. Gott schenkte unseren leitenden Brüdern Weisheit zum rechten Reden, sodass wir unter dem neuen Chefarzt weiter die Arbeit ausüben dürfen. Wir wurden gefragt, warum wir denn Kinder im Team haben und ob das gut für diese sei; doch als der Chefarzt erfuhr, dass sie russische Gedichte aufsagen konnten, war er zufrieden. Zu meinem Erstaunen erinnerten sich sehr viele der Patienten noch an die Gruppe aus Deutschland im letzten Jahr und waren sichtlich erfreut, uns wieder zu sehen.
Insgesamt waren wir in sieben Abteilungen, und überall stießen wir auf offene Ohren und Herzen, Gott sei Dank dafür. Das beeindruckendste an diesem Tag war das Obdachlosenheim. Ein zugemüllter Vorhof, schmuddelige Menschen und ein strenger Geruch kamen uns sofort entgegen. Es ist schwer, hierfür treffende Worte zu finden; doch es ist wichtig, dass wir anhaltend im Gebet für all die Menschen bitten, dass sie das Evangelium verstehen. Zum Abschluss des Tages waren wir zum Gottesdienst in einer jungen Gemeinde, die durch eine Zeltevangelisation entstand. Anschließend wurden wir mit köstlichen Speisen versorgt.

Am nächsten Tag wurden wir schon im Altenheim erwartet. Der Dirktor freute sich, dass die Gruppe aus Deutschland wiederkam. Wir erzählten vom Heiland und ermutigten die älteren Menschen, treue Beter zu sein und fröhlichen Herzens ihrem Lebensende entgegen zu sehen. Wir verteilten in den öffentlichen Einrichtungen, wo wir waren stets Literatur und Schokolade, worüber sich die Menschen im Altenheim, in der Psychiatrie und an allen anderen Orten freuten.
Am Abend durften wir noch zwei kleinen Hausgemeinden mit dem Wort dienen. Jede Predigt war für uns selbst ein wunderbares von Gott geführtes Erlebnis, wie es ineinander gefügt wurde von Lehre und lebendigem Leben.

Der Mittwoch begann zuerst mit einem Gebet, denn der Älteste der „Zentral- Gemeinde" hatte uns eingeladen, dass wir ihn doch mit ein paar Leuten besuchen kommen. Gott öffnete uns hier die Tür und schenkte ein freies und ehrliches Gespräch. Man redete offen über Gemeinden in der Ukraine und in Deutsch­land, den Stand der Christen und die Zukunft. Gerade diese Gemeinde liegt uns sehr am Herzen. Ein vermutlich einprägendes Bild hinterließ der letzte Besuch in unseren Herzen. Ein „christliches" Waisenheim stand auf dem Programm. Als wir die Jungs und Mädels gesehen hatten, fragten wir uns, warum diese denn hier sein müssen und keine Eltern haben. Am liebsten hätte ich sofort zwei Jungs mitgenommen. Zum abschließenden Dienst in Mariupol besuchten wir noch eine Gemeinde. Zum Abschluss lud uns unsere deutsch-ukrainische Begleiterin Beate zum gemeinsamen Abschluss-Essen ein. Wobei für viele mehr die Kuh und das Melken im Vordergrund standen als das gemeinsame Essen. Doch nicht nur im Stall war es schön und gab neues zu entdecken, sondern auch auf dem Büffet wurden köstliche Speisen angeboten. Es war ein wunderschönes Ausklingen lassen von unserer Zeit in Mariupol.

Für den Donnerstag stand nicht viel auf dem Programm. Wir mussten unsere Zelte in der Gemeinde abbrechen und unser Hab und Gut einpacken. Uns begleiteten drei Brüder aus Mariupol weiter, was uns sehr erfreute, denn sie bereicherten unsere Gruppe sehr. 8 Stunden Autofahrt lagen vor uns und jede Menge Schlaglöcher; unsere zwei treuen Fahrzeuge trotzten jedem noch so großen Loch. In Nikolajev luden wir dann zuerst wieder all unsere Schätze aus. An diesem Tag war das Klima etwas hitziger unter uns, da alle ein wenig ausgepowert waren. Nach der Arbeit, beim Essen legte sich die Anspannung Gott sei Dank, sodass das Miteinander nicht in Gefahr stand und wir mit Gottes Hilfe den Feind draußen warten lassen konnten.

Nach deutscher Zeit standen wir am Freitag um 4:30 auf (ukrainische Zeit 5.30Uhr),um möglichst bald in den Fabriken zu sein und den Menschen weiterzugeben, was am Karfreitag für sie geschehen war. Nachdem wir in den ersten zwei Fabriken von Bruder Adam von dem Leiden erzählt hatten, wurde uns gesagt, dass wir in keine weitere Fabrik mehr fahren, da die Arbeiter Urlaub haben. Etwas muss ich noch erzählen, am Abend vorher habe ich nach Deutschland eine Nachricht geschickt, dass man doch besonders für den Tag morgen beten solle, ich wusste nicht warum. Nach der Ernüchterung bekamen wir einen Anruf vom Kultusministerium, dass wir dort unsere Arbeit vorstellen sollen. Auf einmal wusste ich, warum unsere Freunde in Deutschland beten sollten. Wir wählten ein Team von fünf Leuten, die ins Ministerium fahren sollten. Zuerst erhielten wir viele Informationen über die Prioritäten des Ministeriums. Anschließend durften wir ihnen sagen, dass es uns nicht um das Materielle, sondern um das Herz der Kinder geht, denn auf nichts wird so stark herumgetrampelt, wie auf den Herzen der Kinder und Jugendlichen. Sichtlich angetan von unseren Grundideen vermittelten sie uns sofort eine Schule. Dem Vater sei Ehre Lob und Dank, dass er uns die Tür zu den Schulen, Internaten und somit den Weg zu den Herzen der Kinder geöffnet hatte. Mir ist es wichtiger geworden denn je, dass wir betend unsere Aufgaben verrichten. Wenn wir Menschen verstehen würden, welche Kraft hinter dem Gebet liegt, wären viele Christen nicht mehr so ohnmächtig, sondern lebendig und brennend für den HEPRN. Kaum aus der ersten Schule draußen, be­kamen wir einen Anruf, dass wir doch noch in eine andere Schule gehen sollten. Ich kam aus dem Stau­nen über meinen Gott nicht mehr heraus. Es ist Gottes große Gnade. In den Schulen merkten wir, dass die Kinder und Jugendlichen gespannt dem Evangelium zuhörten und sogar zum Ende hin uns aufforderten, zu beten, obwohl ein Lehrer aus den hinteren Reihen meinte, dass die Zeit um sei. Nach diesem Wunder gingen wird weiter in eine Gemeinde, wo wir wieder mit dem Wort dienen durften. Es war nichts Neues, es war einfach, ehrlich und direkt, was Gott den Einzelnen in den Mund legte. Es war nichts Neues und doch immer wieder neu von Gott.

Schöne Erlebnisse gab es für uns auch am nächsten Tag. Morgens kamen wir in ein Kindergefängnis für schwer erziehbare Jungs. Doch zu unserer Überraschung schauten die Buben nicht etwa ernst und gefährlich aus, sondern harmlos und lieblich. Man hätte sie leicht verwechseln können mit anderen Kinderheimen, in denen wir waren. Aufmerksam folgten und lauschten sie den Erzählungen von Wowa und den Liedern. Zu aller Freude wurden wir noch zu einem Fußballmatch Ukraine gegen Deutschland eingeladen. Die Partie endete unentschieden 1:1. Es war ein herzliches Miteinander und wenn wir länger geblieben wären, hätten sich vermutlich gute Beziehungen entwickelt. Wir fuhren direkt weiter zu einer Gemeinde, die etwas außerhalb der Stadt liegt. Der Weg lohnte sich, wir trafen auf eine kleine Schar Menschen. In der Predigt ging es darum, dass wir unsere Herzen ganz unserem Heiland hingeben und ungeteilten Herzens mit ihm leben. Nachdem der Gemeindeleiter ein passendes Nachwort gesagt hatte und aufrief, ganze Sache mit Jesus zu machen, kamen die alten Frauen nach vorne, dass man für sie bete. Ich persönlich konnte nur staunen über diese Gemeinde, die Einfachheit und auf der anderen Seite diese Herzlichkeit. Im Vertrauen auf Jesus baut diese Gemeinde gerade von ihrem Zehnten ein neues Gemeindehaus. Dafür brauchen sie nicht viel Geld und Mittel, drei arbeitstüchtige Männer und einen HERRN, so wird Stein auf Stein gebaut.

Ostersonntag war für uns auch wieder ein besonderer Tag, ich glaube wir hatten nur besondere Tage. Morgens gestalteten wir den Gottesdienst in der Gemeinde, wo wir übernachteten. Am Mittag besuchten wir ein Heim für geistig behinderte Männer; Jura dort ging es an diesem Tag sehr gut und hatte uns auch schön verabschiedet. Danach fuhren wir 100 Meter weiter ans Schwarze Meer. Ein Mutiger getraute sich sogar ins Meer. Die anderen redeten, spielten oder machten ein Feuer. Es war ein gemütlicher Nachmittag am Strand, ausgelassen und entspannend und Fußball.

Am letzten aktiven Tag, dem Montag, besuchten wir morgens ein Internat, das uns vom Kultusministerium vermittelt wurde. Die Kinder sangen begeistert die Kinderlieder mit, und Erzieher wie Kinder hörten zu, was Gott ihnen zusagen hatte. Immer, wenn wir mit Kindern in Berührung kamen, faszinierte mich das Herangehen unserer Brüder. Auf ganz kindliche und liebliche Art, erzählte man von Bienen und ihrer Herstellung von fünf Produkten und schaffte dann die Überleitung zum Evangelium. Obwohl alles so schön war, hieß es nach diesem Internat „Sachen packen". Unsere kleinen Mitstreiter schauten diesem Moment kritisch entgegen. Auf der einen Seite wären sie gerne dort geblieben, auf der anderen Seite wartete die Heimat. So betete unser Kleinster, „Gott du weißt schon, dass wir wieder gehen müssen". Nach einem letzten Essen in der Pizzeria von Bruder Adam und den Abschiedstränen und Schmerzen trennten wir uns voneinander, auf dass wir im HERRN verbunden bleiben.

Für uns „Deutschen" gab es dann den Abschied am Mittwochmorgen, als wir unversehrt, aber mit vielen Eindrücken, in der Heimat ankamen.

Zum Schluss bleibt mir noch ein kleines Fazit, dass ich treffend mit den Worten für die Ukraine wie für Deutschland beschreiben möchte, wie es in dem Lied „Gott wurde arm für uns" heißt, „Wir sind nie zufrieden, nein wir wollen immer mehr und doch bleiben unsre Herzen leer". So habe ich die Beobachtung gemacht, dass Menschen unabhängig von Herkunft, Rasse und Geschlecht ein großes Problem haben, wenn der Wohlstand kommt. Sie wollen mehr und mehr, aber die Sehnsucht ihres Herzens können sie nicht stillen.

Wir danken Gott für alle Bewahrung und auch alle Gebete, die uns auf dieser Fahrt begleitet haben; besonders für unsere beiden Buben Silas und Simon, dass sie durch Gottes Gnade wohlbehalten wieder nach Hause kommen durften. Durch Eure Mithilfe konnten wir viel russische Literatur mitnehmen und auch in Odessa dazukaufen, die überall dankbar angenommen wurde.

Bericht eines Mitfahrers
„Die Welt ist nur erträglich, weil der noch einmal wiederkommen wird, der sie überwand.“ Jochen Klepper
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